UNA Nettersheim

Sonntag, 24. März 2019
UNA informiert (38): Zukunftsprojekt oder Fata Morgana?
Mittwoch, den 14. Mai 2014 um 00:08 Uhr

Machen weitere Ausgaben für "Holzcampus" noch Sinn?

2010 war für die Eifelgemeinde Nettersheim das ivorische Jahr. Côte d'Ivoire heißt der westafrikanische Staat auf Französisch, Ivory Coast auf Englisch, Elfenbeinküste auf Deutsch und der bekannteste Ivorer ist Didier Drogba. Bayern-Fans denken jetzt mit Grausen genau zwei Jahre zurück. 19. Mai 2012: Droghba schießt den entscheidenden Elfmeter. Chelsea hat das Champions League Finale dahoam gewonnen. München war dafür 2013 dran. Und 2014 ... aber lassen wir das.

Denn hier geht es ja nicht um Fußball sondern um die Politik in unserer Gemeinde: "Kooperation mit der Elfenbeinküste: Eine Delegation aus Nettersheim reiste nach Westafrika - Absichtserklärung verfasst" titelte der Stadt-Anzeiger am 19. Februar 2010 und berichtete über den Besuch einer Nettersheimer Reisegruppe mit dem Bürgermeister an der Spitze in Didier Drogbas Heimatland. Da war es nur konsequent, dass das Motto des Prinzenempfangs im Rathaus 2010 lautete: "Hand in Hand mit Afrika." Im Laufe des Jahres wurde es dann konkreter: "Campus mit Lehrwald - Auch junge Ivorer sollen im Holzcampus studieren" - eine Überschrift in der Rundschau.

Von der Zusammenarbeit mit Ivorern hat man in den folgenden Jahren eigentlich nichts mehr gehört, aber dass der Holzcampus demnächst kommt, dass konnte und kann man immer mal wieder lesen, z. B. in einem Artikel der Rundschau vom 2. März 2012. Die Überschrift lautet: "2013 könnte der Holzcampus starten" und dann heißt es im Text: "So steht der 'Holzcampus', der für fünf Millionen Euro auf dem ehemaligen Gelände der Firma Schmitz in Nettersheim errichtet werden soll, in den Startlöchern. Wie Bürgermeister Pracht informierte, sei vor kurzem die Bauleitplanung für den Gebäudekomplex fertiggestellt worden."

Ein Problem wird allerdings in dem Artikel auch erwähnt: Man rechnet mit einer Förderung von 80 Prozent, das heißt 20 Prozent muss die Gemeinde selber aufbringen. Damals ging man von 5 Millionen Euro Gesamtkosten aus. Das hätte also eine Million Euro Eigenanteil für die Gemeinde bedeutet. Wie soll die Gemeinde das finanzieren? Nach Aussage des Bürgermeisters "könne das durch Standgeld, die Ansiedlung von Dienstleistern, Architekten, Energieberatern oder Heizungsfachleuten geschehen," heißt es in dem Artikel.

Vorigen Jahr war der Holzcampus Thema eines Gesprächs des Bürgermeisters mit den drei Fraktionsvorsitzenden. Als die in diesem Gespräch angekündigten Informationen ausblieben, stellte die UNA eine Anfrage für die Sitzung des Bauauschusses am 26. November 2013. Der Bürgermeister wies in seiner Antwort auf einen Termin im Umweltministerium im Januar 2014 hin und sagte dazu, dass er "sich umgehend um einen Gesprächstermin Anfang des Jahres bemühen und den Gemeinderat über die weitere Vorgehensmöglichkeiten zeitnah informieren werde." Wir haben jetzt Mitte Mai und wir haben immer noch keine Informationen hierzu.

Das alles läßt uns mißtrauisch werden. Die Haushaltslage unserer Gemeinde ist im Vergleich zu manchen anderen Gemeinden z. Z. noch relativ positiv, wird aber nach Aussage der Gemeindeprüfungsanstalt NRW zunehmend schwieriger werden. Vor diesem Hintergrund stellt der UNA Vorsitzende Edwin Poth in einem Beitrag für unser Infoblatt Nr. 14, das an alle Haushalte verteilt wird, die Frage: "Können wir uns noch alles leisten?" Er weist dabei auf ein Problem hin, dass in den bisherigen Überlegungen nicht immer die notwendige Beachtung gefunden hat und das z. B. beim Archäologischen Landschaftspark nicht eine derart große Rolle spielt: Die Folgekosten. Damit sind die Kosten gemeint, die nach der Errichtung des Holzcampus noch auf die Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde zukommen. Er kommt - und das war die einhellige Meinung der UNA-Fraktion bei der Diskussion des Themas im vorigen Jahr - zu folgendem Schluss: "Nur wenn für den Holzcampus ein für die Gemeinde wirklich langfristig tragbares Finanzierungskonzept vorgelegt wird, werden wir zustimmen." Die uns bisher vorgelegten Informationen erfüllen diese Anforderungen nicht.

Bisher sind für das Projekt schon über eine halbe Million Euro ausgegeben worden, wie die Verwaltung in der Ratssitzung im Dezember 2011 nach mehrmaliger Nachfrage der UNA-Fraktion mitteilte. Viele Planungen haben sich mittlerweile als unrealisierbare Wunschvorstellungen herausgestellt. Das gilt nicht nur für die Zusammenarbeit mit der Elfenbeinküste, sondern insbesondere für die Suche nach weiteren Partnern, die bereit sind, sich auch entsprechend an der Finanzierung und den Folgekosten zu beteiligen. Für die Realisierung eines zukunftsfähigen Projekts ist eine solide Finanzierung aber unabdingbare Voraussetzung. Wunschvorstellungen sind dagegen wie die Fata Morgana eines Durstenden in der Wüste: Eine Selbsttäuschung läßt ihn einen See voll Wasser sehen, wo doch nur Sand ist.

Einem zukunftsfähigen Projekt werden wir zustimmen, einer Fata Morgana nicht.


Ihre

UNA
Unabhängige Nettersheimer Alternative (Grüne und Unabhängige)
www.una-nettersheim.de

 
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