UNA Nettersheim

Montag, 15. Juli 2019
UNA informiert (10.1): Fragen zur Situation von Kindern und Eltern (nicht nur) in unserer Gemeinde
Donnerstag, den 23. Juli 2009 um 19:25 Uhr
Antworten von Astrid Schildgen-Amian aus Zingsheim und Ralf Esser aus Tondorf  
 Astrid Schildgen-Amian

Astrid Schildgen-Amian, 29
hat 4 Kinder (1, 5, 7, 9)

Sie ist qualifizierte Tagesmutter
Sie ist Kursleiterin in einer Blumenthaler Hebammenpraxis (Babymassage und Krabbelgruppe), in Vorbereitung sind Kursangebote in Zingsheim mit dem Familienzentrum Nettersheim
Mitglied im Förderverein Kindergarten Zingsheim

 Fotos: polzin.fotografie  
 Ralf Esser

Ralf Esser, 46
hat 4 Kinder (12, 15, 17, 19)

Er ist Vertriebsmitarbeiter bei einer Firma in Heimerzheim
Vorstandsmitglied und Trainer der B-Juniorinnen im Fußballverein Erfthöhen

Alle klagen über die negativen Folgen der demographischen Entwicklung. Auch in unserer Gemeinde sind die Geburtenzahlen z. T. dramatisch gesunken und die Bevölkerungszahl insgesamt geht zurück. In der nachwachsenden Generation werden zu wenige Schultern sein, um die Belastungen - z. B. durch die steigenden Kosten für unser Gesundheitssystem - zu tragen. Schulen und Kindergärten müssen verkleinert, zusammengelegt oder geschlossen werden, in vielen Vereinen fehlt der Nachwuchs. Was meint Ihr: Warum werden zu wenige Kinder geboren?

Astrid: Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Manche Paare können keine Kinder bekommen. Der richtige Partner fehlt, berufliche Ziele sollen noch erreicht werden, die finanziellen Voraussetzungen sind noch nicht sicher genug. Außerdem fühlen sich heute viele dem Druck der Verantwortung nicht gewachsen. Und es zeigt sich oft, dass sich nach der Geburt viele allein gelassen und überfordert fühlen.

Könnte das Dormagener Modell da eine Hilfe sein? Nach der Geburt eines Kindes werden die Eltern vom Jugendamt angesprochen oder angeschrieben und erhalten - wenn sie es wünschen - Besuch und Beratung von einem Mitarbeiter und ein "Begrüßungspaket", mit z. B. Windeln und Informationsmaterial für die Eltern. In der Stadt Euskirchen wird das zur Zeit erprobt; wäre das auch etwas für unsere Gemeinde?

Ralf: Sicher ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch etwas spät, denn oft ist das Kind dann schon in den Brunnen gefallen. Noch wichtiger sind Schulungen und Beratungsangebote vor der Geburt. Bei der "esperanza-Beratungsstelle" der Caritas in Euskirchen gab es 2008 einen Anstieg um 57 Prozent im Vergleich zu 2007 der Fälle, bei denen die Berater sich um Krisen vor und nach der Geburt kümmern mussten. Oft führt der Väterberater gemeinsam mit einer Beraterin das Gespräch mit dem jungen Paar.

Manche Großeltern und Eltern werden sicher denken: "Wir haben die Kinder früher einfach so zur Welt gebracht und großgezogen. Warum wird heute ein solcher Aufwand betrieben? " Auch ich kannte das Wort "Väterberater" bis jetzt nicht.

Astrid: Viele junge Leute haben nie ein normales Familienleben kennen gelernt und wollen deshalb keine Kinder oder haben Probleme mit der Erziehung ihrer Kinder. Früher waren in vielen Familien auch mehr Kinder als heute. Soziale Kompetenz wurde von Geburt an erworben. Kinder waren mehr Teil des alltäglichen Lebens als heute. Unsere Gesellschaft ist sicher nicht besonders kinderfreundlich organisiert ...

Ralf: ... wenn eine Familie mit vier Kindern durch die Stadt geht, gilt sie entweder als asozial oder extrem reich.

Astrid: ... wenn eine Frau heute als Beruf "Hausfrau und Mutter" angibt, findet sie damit nicht immer die Anerkennung, die sie eigentlich verdient hätte.

Sind Kinder ein "Armutsrisiko"?

Ralf: Mit Sicherheit. Es lässt sich leicht ausrechnen, was man bezahlen muss, wenn eine Familie mit vier Kinder nur mal ein Eis essen geht. Bei vielen Dingen, die für andere selbstverständlich zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben gehören, muss man als Großfamilie überlegen, was geht und was nicht geht. Eigentlich traurig, wenn man bedenkt, dass die Kinder von heute unsere Gesellschaft von morgen "am Leben" halten.

Kommen wir zur Situation in unserer Gemeinde. 2006 hat die UNA die Übernahme der Elternbeiträge für die zwei- bis dreijährigen Kinder beantragt. Es wurde abgelehnt. 2007 haben wir beantragt, die Elternbeiträge für das letzte Kindergartenjahr zu übernehmen. Das wurde ebenfalls abgelehnt. 2008 haben wir wieder einen Antrag auf teilweise Übernahme von Elternbeiträgen gestellt. Diesem Antrag wurde zwar nicht zugestimmt, aber es kam daraufhin zu einer gemeinsamen Vereinbarung der Fraktionen, mehrere kleinere Maßnahmen zu beschließen, um die Eltern in unserer Gemeinde zu entlasten, z. B. die Übernahme der zusätzlichen Kosten, wenn die Eltern 35 statt 25 Stunden Betreuung für Kindergartenkinder wählen, oder ein Zuschuss von 1,50 Euro zum Mittagessen für Kindergarten- und Schulkinder. Das ist zwar eine kleine, aber doch eine fühlbare Entlastung, oder wird das nicht so empfunden?

Astrid: ... auf jeden Fall ist das positiv. Aber hier sollte auch die Spielgruppe in Zingsheim entsprechend mit einbezogen werden. Die Regelungen waren hier nicht klar.

Was wäre denn sonst noch zu verbessern?

Astrid: Die Information durch die Verwaltung und die Zusammenarbeit mit den Eltern. Für die Spielgruppe in Zingsheim sollten z. B. besser konkrete Verträge abgeschlossen werden wie für die Kindergartenkinder.

Wenn Ihr aber jetzt die Situation für Kinder und Eltern in unserer Gemeinde mit der Situation in

anderen Gemeinden vergleicht, ...

Astrid: ... dann kann man ganz klar sagen, dass die Betreuung hier besser ist, als in anderen Gemeinden, jedenfalls soweit ich das in Spielgruppe und Kindergarten überblicken kann. Insbesondere Berufstätige werden das zu schätzen wissen.

Ralf: Was die Jugendlichen angeht, haben wir hier zwar auch keine heile Welt, aber die Situation ist doch wesentlich besser als in z. B. in Euskirchen. Die wirklich schlimmen Probleme, die vor einigen Jahren in Tondorf bestanden haben, gibt es jetzt auch nicht mehr. Die von der Kirche in Tondorf organisierte Teestube findet z.B guten Anklang. Auch die Vereine leisten gute Jugendarbeit, aber nicht alle werden dadurch angesprochen. Viele Jugendliche zieht es natürlich in die Städte, z. B. in die Kinos. Das ist durchaus normal, aber es wäre gut, wenn unsere Gemeinde auch für diese Altersgruppe mehr Angebote zur Verfügung stellen könnte.

Das wäre dann ein Teil des Konzepts, das Theo Schruff im vorigen UNA informiert gefordert hatte. Aber jetzt zu Euch und der UNA: Ihr seid beide erst seit dem Frühjahr bei uns, aber ich bin sicher, dass Ihr gut zu uns passt. Wie sieht das bei Euch aus? Habt Ihr nach den ersten Monaten den Eindruck, dass es passen könnte, oder eher den Eindruck, dass ihr auf dem falschen Planeten gelandet seid?

Astrid: Ich habe ja anfangs keinen von euch gekannt. Mein erster Eindruck war, dass hier Leute mit ziemlich verschiedenen Grundeinstellungen anscheinend ganz gut zusammenarbeiten können, wenn es um Angelegenheiten in der Gemeinde geht. Und das hat mir imponiert. In einer Partei würde so etwas wohl nicht funktionieren. Ich bin natürlich eigentlich voll ausgelastet, aber man will ja auch nicht nur Kritik üben, sondern sich auch - soweit es eben möglich ist - für sein Dorf und seine Gemeinde engagieren und sich weiterentwickeln.

Ralf: Wir haben uns ja vor einigen Jahren schon mal hier in Engelgau getroffen, als Du in der alten Schule die Veranstaltung zum Thema Mobilfunk organisiert hast. Waltraud Scholl kommt wie ich aus Tondorf. Den Gemeindebrandmeister kennt man auch, den ein oder anderen Namen kenne ich vom Fußball her, aber die meisten waren auch mir unbekannt. Ich glaube, dass ich etwas beitragen kann und werde meine Meinung auch deutlich zum Ausdruck bringen. Im übrigen kann ich mich dem anschließen, was Astrid gesagt hat.

Wir freuen uns auf jeden Fall, dass Ihr bei uns mitmacht. Bei uns hat auch keiner Probleme damit, zuzugeben, dass man vieles noch besser machen könnte. Und in Zukunft können wir dann ja hoffentlich diese Arbeit auf mehr Schultern verteilen! Also dann: Auf gute Zusammenarbeit!

Das Gespräch führte Franz-Josef Hilger. Die Spielgruppe in Zingsheim ist in dem Gebäude des Forstbetriebs neben dem Kindergarten untergebracht. Die UNA ist eine freie Wählergruppe.

Ralf Esser ist unser Direktkandidat in Tondorf (Wahlbezirk 9). Astrid Schildgen-Amian ist gebundene Vertreterin für unseren Direktkandidaten Jürgen Nonn in Zingsheim (Wahlbezirk 8) und steht auf Platz 8 der UNA-Liste.

Ihre

UNA
Unabhängige Nettersheimer Alternative (Grüne und Unabhängige)
www.una-nettersheim.de

 
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