UNA Nettersheim

Donnerstag, 24. Oktober 2019
UNA informiert (9): 9 Fragen nicht nur zur Eifelhöhen-Klinik (EHK) in Marmagen
Mittwoch, den 08. Juli 2009 um 17:17 Uhr
9 Antworten von Theo Schruff,  Diplom-Sportlehrer und Sporttherapeut an der EHK

Die meisten von Ihnen haben sicher von der Eifelhöhen-Klinik schon einmal gehört oder sie auch gesehen, wenn sie auf der Straße zwischen Marmagen und Nettersheim unterwegs waren. Gelegentlich liest man auch über die EHK in der Zeitung; in der letzten Zeit über Veränderungen in der Eigentümerstruktur und im Leitungsbereich der Klinik.
 
Wer als Patient in der Klinik war, kennt sie natürlich; aber nur ein geringer Prozentsatz der "Kunden" kommt aus unserer Gemeinde. Dass die Klinik eine enorme wirtschaftliche und soziale Bedeutung für unsere Gemeinde hat, dürfte jedem klar sein, nicht nur den vielen Leuten, die dort arbeiten.

Wir haben dazu Theo Schruff befragt, der seit 22 Jahren an der Klinik arbeitet und in dieser Zeit schon einiges erlebt hat.

1. Welche Art von Klinik ist die EHK, für welche Gebiete der medizinischen Versorgung ist sie zuständig?

Wir sind eine Rehaklinik, das heißt, wir sind in erster Linie zur weiteren Versorgung der Patienten nach Operationen oder Erkrankungen zuständig. Nahezu einzigartig in Deutschland ist dabei, dass in der EHK drei Fachbereiche unter einem Dach vereint sind.
Das ist erstens der orthopädische Bereich, also etwa nachdem neue Knie- oder Hüftgelenke eingesetzt worden sind. Zweitens werden bei uns auch  internistische Patienten nach Herz- und Gefäßerkrankungen, also zum Beispiel nach Herzinfarkt, Herzklappen- oder Bypass-Operationen und drittens neurologische Patienten z.B. nach  Schlaganfällen therapiert.


2. Wie sieht Deine Arbeit an der EHK aus?

Die Arbeit als Sporttherapeut hat als zentrales Ziel, die Wiedereingliederung der Patienten in das normale Leben so weit wie möglich zu erreichen. Nach den ja auch psychisch meist nicht leicht zu verkraftenden Erkrankungen unserer Patienten gehört dazu natürlich mehr als reine sportliche Betätigung, wie sich jeder vorstellen kann. Wenn die Patienten nach einer OP zum Beispiel wieder Gehen lernen, dann sind aufmunternde und gelegentlich tröstende Worte genau so wichtig wie der richtige Gebrauch der Krücken. Die EHK bietet den Patienten umfangreiche Möglichkeiten an, durch Übungen, Seminare,Vorträge, gemeinsame Wanderungen und Ausflüge in jeder Beziehung "wieder auf die Beine zu kommen." Die Sporttherapie ist dabei einer der zentralen Mosaiksteine in diesem vielfältigen Angebot.


3. Wie viele Arbeitsplätze gibt es an der Klinik? Welche Rolle spielt sie als Wirtschaftsfaktor in unserer Gemeinde?

Die Klinik ist der größte Arbeitgeber in unserer Gemeinde. Es gibt bei uns insgesamt 324 Arbeitsplätze, 257 davon in Vollzeit. Von der 400 Euro Kraft bis zum Spitzenmediziner ist bei uns alles vertreten. Man darf aber nicht vergessen, was noch alles "dranhängt".  In der Klinik selbst gibt es z. B. selbständige Einrichtungen wie das "Tribea Gesundheitszentrum" mit einem umfangreichen Kurs- und Trainingsprogramm. Das Heft mit dem Angebot für das 2. Halbjahr 2009 ist gerade erschienen. Insgesamt 16 Trainer, Therapeuten und Pädagogen stehen zur Verfügung z. B. für klassische Wirbelsäulengymnastik, präventives Herz-Kreislauftraining, Ernährungsberatung oder Wassergymnastik, um nur einige zu nennen. Bei den meisten Kursen können bis zu 80 % der Kosten von der Krankenkasse erstattet werden.
Von besonderer Bedeutung ist die Klinik auch für die vielen mittelständischen Betriebe, insbesondere  in Marmagen, aber auch aus der Umgebung. Bäckereien, Installateure, Anstreicher, Fliesenleger z. B. erhalten Aufträge von der Klinik. Und dann sind da noch Cafes, Gaststätten, Taxi- und andere Dienstleistungsunternehmen, die von unseren Patienten und ihren Besuchern aufgesucht oder benutzt werden. In Pensionen können Besucher für längere Zeit Unterkunft finden. Dies ist allerdings zurück gegangen, seitdem die Klinik selber Unterkunft für Verwandte oder Besucher der Patienten anbietet. Das hängt mit den Umstrukturierungen der letzten Jahre zusammen.


 4. Umstrukturierungen?

Hauptsächlich die Änderungen im Gesundheitswesen haben zu diesen Umstrukturierungen geführt. Früher hatten wir ca. 460 Betten für Patienten, heute sind es 100 weniger. Damit hängt zusammen, dass wir in dieser Zeit auch insgesamt fast 200 Arbeitsplätze verloren haben. Die Auslastung der Klinik - im Durchschnitt ca. 270 Patienten - ist durchaus in Ordnung. Und sowohl Patientenumfragen als auch die Bewertungen unserer Kostenträger zeigen eine überdurchschnittlich hohe Zufriedenheit mit den von uns erbrachten Leistungen.  

5. Das kann ich bestätigen. Ich habe in der letzten Zeit mit einer Reihe von Patienten und ehemaligen Patienten gesprochen, die sehr zufrieden waren. Manche waren nicht zum ersten Mal da, und manche wollen wiederkommen ("Dieses Jahr das linke Knie und nächstes Jahr das rechte.") Umstrukturierungen und Änderungen - um es einmal so zu formulieren - hat es aber auch in der Klinik selber gegeben, Stichwort Eigentümerstruktur und Situation im Personalbereich, insbesondere bei den Leitungsfunktionen. Was kannst Du uns dazu sagen?

Im Einzelnen möchte ich auf diese Dinge auch aus rechtlichen Gründen hier nicht eingehen.  Ich habe natürlich auch nicht Einblick in alles, was jetzt damit zusammenhängt.
Ich hoffe allerdings, dass die Änderungen den Standort Marmagen nicht in Frage stellen und eine seit Jahrzehnten überregional anerkannte Einrichtung wie die EHK auch zukünftig ihren Stellenwert behalten wird. Aber, wie vorhin schon gesagt, es hat auch in der Vergangenheit gravierende Veränderungen für uns gegeben, mit denen wir fertig geworden sind.


6. O. k. . Dann wechseln wir den Blickwinkel. Wie siehst Du denn die Einbindung der EHK in den Ort Marmagen und in die Gemeinde?

Das ist sicherlich eine interessante Betrachtung, schließlich können von einer Zusammenarbeit alle Seiten profitieren.
Die Klinik ist beispielsweise in das lokale Wanderwegenetz mit eingebunden und mit dem
deutsch-belgischen Naturpark hat man in einem Gemeinschaftprojekt einen barrierefreien Naturerlebnispfads auf dem EHK-Gelände errichtet. Wenn man weiß, dass in der letzten Ratssitzung am 23. Juni  der Gemeinderat beschlossen hat, im Herbst eine Photovoltaik-Genossenschaft zu gründen, zeichnet sich für die Klinik aus meiner Sicht auch schon wieder eine Beteiligung an einem sehr interessanten Gemeindeprojekt ab.
Von Bedeutung ist sicherlich auch die Nutzung der EHK-Infrastruktur durch lokale Vereine und Verbände wie z.B. durch die VHS, die Sportfreunde 69, die Rheuma-Liga oder das DRK.
Und es gibt ein von Franz-Josef Außem unter dem Stichwort "Kulturklinik" organisiertes Programm, bei dem  z. B. sowohl Konzerte und Vorstellungen international bekannter Künstler veranstaltet werden, die  für alle Bürger interessant sind, als auch Vorführungen hiesiger Musik- und Theatervereine, die dann nicht nur vor ihrem Stammpublikum spielen, sondern auch Patienten und Besuchern die Teilnahme am kulturellen Leben ermöglichen und ihnen damit helfen, ein weiteres Stück Normalität zurück zu gewinnen.

Die Vernetzung der Klinik mit Einrichtungen, Institutionen und Vereinen in unserer Gemeinde könnte aber noch weiter ausgebaut werden und dazu bedarf es der weiteren Unterstützung von Gemeinderat und Gemeindeverwaltung.


7. Wie ist das zu verstehen?

Nun ja. Meine Philosophie ist es, ein lokales Angebot von regionalem Interesse zu schaffen.
Und zwar mit zwei Zielvorstellungen.
Wir haben ca. 3.000 Patienten im Jahr mit einer durchschnittlichen Verweildauer von ca. 25 Tagen. Wenn jeder Patient in dieser Zeit insgesamt 10 Besuche erhält, dann sind das 30.000 Besuche im Jahr. Es ist durchaus in Ordnung, wenn die Besucher dies (eventuell mit dem Patienten) mit einer Fahrt nach Bad Münstereifel oder Blankenheim verbinden. Aber diese Gruppen sollten mit (noch) attraktiveren Angeboten zum Verweilen auch in unserer Gemeinde motiviert werden.
Auf der anderen Seite müssen wir an attraktiveren Rahmenbedingungen und Strukturen interessiert sein, damit besonders unsere Kinder und Jugendliche - aber nicht nur diese - für Sport, Kultur und Freizeit ein Angebot vor Ort finden, damit sie nicht "auswandern" müssen. Auch hier wird schon viel gute Arbeit geleistet, insbesondere die engagierte Jugendarbeit in den Vereinen und z. B. das Ferienprogramm des Gemeindesportverbandes.
Hier müsste jetzt an einem Runden Tisch ein Konzept entworfen werden, wie unsere Gemeinde noch attraktiver werden kann - attraktiver für die, die zu uns kommen, und für die, die hier wohnen.
Die Sache mit dem Runden Tisch meine ich ernst. Ein solches Konzept kann nicht nur von der Politik verordnet oder beschlossen werden. Es muss von vorne herein "vernetzt" entwickelt werden. An den Runden Tisch müssen u. a. Vertreter der in der 3. Antwort genannten Betriebe, Vereine, EHK, Naturzentrum, Rat und Verwaltung mit beteiligt werden. Profitieren könnten dann alle davon.
Wenn aber jeder Betrieb, jedes Dorf, jeder Verein nur alleine vor sich hin "brasselt", und jeder eifersüchtig nur darauf schaut, ob der andere Betrieb, das andere Dorf, der andere Verein vielleicht doch einen größeren Vorteil haben könnte, dann kann das nicht gelingen.


8.  Jetzt werden wohl viele unserer Leser denken "Das klappt nie!" Aber Du hast ja schon eine gewisse Erfahrung in diesen Dingen bei den  Sportfreunden Marmagen - Nettersheim,  also zwei Dörfer, denen Du besonders verbunden bist. Die Märmarener Pöhl und die Neddeschemer Höndche, die seit Alters her ihre Gegensätze pflegen, unter einem Dach. Wie klappt das denn?

Bei uns bei den Sportfreunden klappt das schon seit 40 Jahren ganz gut. Wir sind der größte Verein im Kreis und haben auch mehr Abteilungen mit sehr unterschiedlichen Sportarten in unserem "Angebot" als manche Vereine aus wesentlich größeren Orten. Jedes Dorf hat natürlich seinen eigene Identität, das ist gut so und soll auch so bleiben. Aber Einigkeit macht stark. Und bei Fragen, die für beide Dörfer oder für die ganze Gemeinde wichtig sind, sollten diese ansonsten liebevoll gepflegten Gegensätze keine Rolle spielen - tun sie auch nicht, jedenfalls nicht bei uns.

9. Dann noch zu allerletzt die UNA-Frage: Du arbeitest zwar in Marmagen, bist aber Nettersheimer. Diejenigen, die Dich kennen, wissen auch sicher, dass Du mit Deiner Kandidatur nicht die Interessen einer bestimmten Gruppe, Familie oder Firma in Marmagen verfolgst. Glaubst Du, dass viele Marmagener Vorbehalte gegen Dich haben, weil Du nicht aus Marmagen bist?

Man wird sehen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass Edwin Poth und ich in Marmagen ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen können. Nach der Gründung der UNA 2004 haben wir in Marmagen  im Wahlbezirk Marmagen I  16,0 und Wahlbezirk Marmagen II 13,9 Prozent  der Stimmen bekommen. Schon damals war Marmagen also nicht mehr so ganz tiefschwarz wie es oft noch bezeichnet wird. Wir hoffen, dass diesmal vielleicht noch mehr Marmagener uns ihr Vertrauen schenken können. Wir geben uns keinen Illusionen darüber hin, wer - trotz allem - in Marmagen wohl wieder die meisten Stimmen bekommen wird. Aber wir sind auch sicher, dass von denjenigen, die uns 2004 gewählt haben, niemand das bedauert hat. Insbesondere dann nicht, wenn die Wähler verfolgt haben, wie die UNA im Gemeinderat in den letzten fünf Jahren gearbeitet hat.

Soweit die 9 Antworten von Theo Schruff auf die 9 Fragen von Franz-Josef Hilger für UNA informiert.

Theo Schruff hat 2004 die freie Wählergemeinschaft UNA mit gegründet.  Er ist unser Direktkandidat im Wahlbezirk V (Marmagen 2).

Wir hoffen, dass wir Ihnen hiermit einige interessante Informationen nicht nur über die Eifelhöhenklinik geben konnten. Dafür, dass wir Ihnen dabei auch einen weiteren unserer 20 Kandidaten für den Gemeinderat vorgestellt haben, hoffen wir auf Ihr Verständnis.

Ihre
UNA
Unabhängige Nettersheimer Alternative (Grüne und Unabhängige)

www.una-nettersheim.de
 

Theo Schruff

Theo Schruff, 49,

Diplom-Sportlehrer und Sporttherapeut
    an der Eifelhöhen-Klinik in Marmagen,

Abteilungsleiter Fußball
    bei den Sportfreunden Marmagen Nettersheim

 Foto: polzin.fotografie
 
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