UNA Nettersheim

Dienstag, 22. Januar 2019
UNA informiert (8): Sieben Fragen zur Landwirtschaft in unserer Gemeinde
Mittwoch, den 24. Juni 2009 um 18:24 Uhr
Sieben Antworten von unserem Ortslandwirt Franz-Josef Zingsheim

Früher hatte (fast) jeder in den Dörfern unserer Gemeinde mit Landwirtschaft zu tun. Heute nur noch wenige.

"Isch weeß noch, wie et letzte Stöck Veh us 'em Stall jeng,"  wird jetzt manch einer von Ihnen denken, genau wie der Schreiber dieser Zeilen. Und man wird dann wehmütig und ein bisschen traurig ... .

Und vom alten Trecker haben viele sich ja noch lange nicht getrennt und 1000 Gründe gefunden, warum man den noch behalten hat. Der ein oder andere Neubürger vollzieht auch mit dem Erwerb eines alten Treckers (oder neuen Treckerchens) den ersten Schritt zum "richtigen Eifelfeeling". Der Land- und Forstwirtschaft irgendwie verbunden fühlt sich also (fast) jeder Eifeler ein bisschen.

Natürlich ist jedem klar, dass die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe von früher heute keine Chance mehr hätten. Und wer wollte heute die Arbeit noch tun? Morgens und abends das Vieh versorgen ist ja noch lange nicht alles!

Aber wer arbeitet denn heute überhaupt noch in der Landwirtschaft? Und haben die eigentlich alle noch Vieh zu versorgen? Welche Rolle spielt die Landwirtschaft heute in unserer Gemeinde?

Zu diesen und noch ein paar anderen Fragen haben wir unseren Ortslandwirt Franz-Josef Zingsheim um Antworten gebeten.

1. Was machst Du eigentlich als "Ortslandwirt" und was ist die "Ortsbauernschaft?"

Die  Landwirtschaft ist zweigleisig organisiert: Da gibt es zunächst die dem Landwirtschaftsministerium untergeordnete Landwirtschaftskammer Rheinland  (LWK) als für uns zuständige staatliche Behörde. Für die LWK bin ich der für die Gemeinde Nettersheim zuständige Ortslandwirt. Daneben gibt es auf den verschiedenen politischen Ebenen die Bauernschaften als Interessenvertretung der Landwirte, also z. B. die Kreisbauernschaft.  In unserer Gemeinde gibt es 5 Ortsbauernschaften, z. B. die Ortsbauernschaft Roderath, Bouderath Holzmülheim, deren Vorsitzender ich bin. Ich sehe meine Aufgabe darin, dafür zu sorgen, dass die Belange der Landwirte in der Gemeinde beachtet werden und fachliche Wünsche und Anregungen aus den Betrieben an die LWK weitergeleitet werden.

2. Wie viele Haupt- und Nebenerwerbslandwirte gibt es bei uns? Wie viele Leute arbeiten in der Landwirtschaft? Haben alle Vieh zu versorgen?

In unserer Gemeinde gibt es 23 Haupt- und 69 Nebenerwerbsbetriebe. 1.738 Hektar landwirtschaftliche Fläche werden im Haupt- und 1.142 Hektar im Nebenerwerb bewirtschaftet. Neben den 92 Betriebsleitern finden 176 Teilzeitkräfte - in der Regel Familienangehörige - in der Landwirtschaft Arbeit. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2007. Die Datenerhebung für2008 ist noch nicht abgeschlossen. Nicht alle müssen Vieh versorgen. Manche haben nur Ackerland und machen Heu, z. B. für Reitställe oder einzelne Pferdebesitzer. Dazu kann ich aber zur Zeit keine genauen Zahlen nennen, auch weil es in der letzten Zeit einige Betriebsumstellungen gegeben hat. Auch ich habe meinen Betrieb umgestellt.

3. Mußt Du jetzt nicht mehr morgens und abends Vieh versorgen?

Doch, das schon. Aber wir liefern keine Milch mehr, morgens und abends melken fällt also weg. Mein Betrieb ist jetzt ein Kooperationsbetrieb, das heißt, in unserem Betrieb in Roderath werden die jungen Rinder, die Färsen, aufgezogen, die dann später als Milchkühe in den Betrieb meines Kooperationspartners in Steinfelderheistert kommen. So kann sich der jeweilige Betrieb intensiv auf Rinderaufzucht oder Milchviehhaltung konzentrieren.

4. Wie viele Rinder hast Du und wie viele  Milchkühe stehen in Steinfelderheistert?

In Steinfelderheistert sind 130 Milchkühe und bei mir 120 Rinder im Stall.

5. Jetzt kommt natürlich die unvermeidliche Frage nach dem Milchpreis. Da sind ja viele Leute,  die nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben, durch die Demonstrationen und Berichte in den Zeitungen und im Fernsehen mit den Problemen der Bauern konfrontiert worden. Wie siehst Du die Situation?

Wir bekommen zur Zeit 20 - 23 Cent pro Liter. Der Milchpreis wird wahrscheinlich noch weiter fallen und viele Landwirte in Existenznöte bringen. Die Probleme sind durch die Milchquotenerhöhung der EU und das daraus sich ergebende Überangebot an Milch auf dem europäischen Markt entstanden. Die Milchmenge in Europa muss reduziert werden, damit Angebot und Nachfrage stimmen. Langfristig und global gesehen ist die Prognose zwar gut, da die Weltbevölkerung wächst und Nahrungsmittel gebraucht werden. Staat und Gesellschaft sollten aber  auch ein Interesse daran haben, dass die Existenz einer leistungsfähigen Milchwirtschaft in unserer Region in der aktuellen Krise nicht grundsätzlich gefährdet wird.

6. Welche grundsätzlichen Perspektiven siehst du denn für die Zukunft der Landwirtschaft bei uns? Wie stehst Du zur Gentechnik?

Ich bin gegen die grüne Gentechnik. Nicht nur aus grundsätzlichen Erwägungen, sondern auch, weil die Gentechnik in der Landwirtschaft uns noch mehr in die Abhängigkeit von den großen Konzernen bringen würde. Ich nenne nur das Beispiel des global operierenden Konzerns Monsanto. Dies führt nicht nur zu großen Monokulturen, etwa von Genmais, sondern auch zu einer immer mehr industriell betriebenen landwirtschaftlichen Produktion und damit letztlich zum Ende der Familienbetriebe. Wir müssen aber dafür arbeiten, dass unsere  Familienbetriebe erhalten bleiben und weiterhin gesunde Nahrungsmittel in der Region produziert werden.

7. Wie sieht es denn mit Deinem Betrieb aus? Du hast 4 Söhne. Wird einer den Betrieb übernehmen?

Da von meinen drei erwachsenen Söhnen keiner den Betrieb hauptberuflich weiterführen wollte, war dies auch ein Grund für die Betriebsumstellung und die Kooperation mit meinem Kollegen aus Steinfelderheistert. Dadurch besteht für die Zukunft die Möglichkeit, den Betrieb auch im Nebenerwerb weiterzuführen.

Soweit unsere Fragen und die Antworten unseres Ortslandwirts.

Franz-Josef Zingsheim hat 2004 die freie Wählergemeinschaft UNA mit gegründet. Er gehört der UNA-Fraktion als Gemeinderatsmitglied und Mitglied im Werksausschuss an. Er ist unser Direktkandidat im Wahlbezirk I (Bouderath, Roderath, Holzmühlheim). Unterstützt wird er dabei von Norbert Klinkhammer aus Bouderath und Peter Waasem aus Holzmülheim.

Wir hoffen, dass wir Ihnen hiermit - auch am Beispiel unseres Ortslandwirts - einige interessante Informationen über die Situation und die Probleme der Landwirte in unserer Gemeinde geben konnten. Dafür, dass wir Ihnen dabei auch einen unserer 20 Kandidaten für den Gemeinderat vorgestellt haben, hoffen wir auf Ihr Verständnis.

Ihre
UNA
Unabhängige Nettersheimer Alternative (Grüne und Unabhängige)

Franz-Josef Zingsheim

Franz-Josef Zingsheim, 50

Landwirtschaftsmeister

Ortslandwirt

 Foto: polzin.fotografie
 
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