UNA Nettersheim

Freitag, 19. Juli 2019
Gesamtschule im Eilverfahren
Donnerstag, den 30. Oktober 2014 um 18:03 Uhr

Die Sekundarschule Mechernich-Kall soll in eine Gesamtschule umgewandelt werden. Von den Nachbarkommunen wird das Vorhaben jedoch mit großer Sorge betrachtet. Bezirksregierung und NRW-Schulministerium stehen dem Plan positiv gegenüber. 

Mechernich. Normalerweise hätte man erwarten können, dass die geplante Umwandlung der Sekundarschule Mechernich-Kall in eine Gesamtschule eine rege Diskussion im Ausschuss für Bildung, Kultur und Soziales auslösen würde. Aber Fehlanzeige. Die Würfel waren offenbar schon im Vorfeld gefallen. CDU, SPD, UWV und Grüne erklärten übereinstimmend, dass man dem Wunsch der Eltern nachkommen und die Sekundarschule um eine Oberstufe erweitern werde.

Einzig Oliver Totter von der FDP trug Bedenken vor, die im Wesentlichen darin bestanden, dass er um den weiteren Fortbestand des städtischen Gymnasiums Am Turmhof fürchtete. Totter wies mit Nachdruck auf die in den nächsten Jahren weiter sinkenden Schülerzahlen hin. „Gesamtschule und Gymnasium nehmen sich auf Dauer die Schüler gegenseitig weg“, erklärte er. Er kritisierte, dass der Umwandlungsprozess schon so frühzeitig angeschoben worden sei, obwohl die Sekundarschule gerade mal ein gutes Jahr in Betrieb sei.

Probleme bei schwachen Jahrgängen

Mit großer Skepsis wird eine Gesamtschule in Mechernich auch von den umliegenden Kommunen betrachtet. Das gilt speziell für die Verantwortlichen der Gemeinden Blankenheim und Nettersheim, die schon vor geraumer Zeit mit dem Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick in Sachen Schulpolitik Meinungsverschiedenheiten ausgetragen haben.

Die gemeinsame Gesamtschule Blankenheim-Nettersheim hat zwar inzwischen den Betrieb aufgenommen, verfügt aber nicht über so viel Schüler, dass man aus dem Vollen schöpfen könnte. Weshalb eine Konkurrenz in Form einer Gesamtschule in Mechernich in schwachen Jahrgängen zu Problemen führen könnte.

Dass ausgerechnet aus dieser Richtung Kritik an der Einrichtung einer Gesamtschule in Mechernich kam, erstaunte Nathalie Konias, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, doch einigermaßen. In Nettersheim und Blankenheim habe man doch groß getönt, dass man die erforderlichen Anmeldezahlen locker aus dem eigenen Schülerpotenzial hinbekomme. Und jetzt lege man Einspruch gegen eine Gesamtschule Mechernich ein.

Auswirkungen auf Wirtschaftsgymnasium

Nicht begeistert zeigt sich auch der Kreis Euskirchen über die schulpolitischen Pläne der Mechernicher. Manfred Poth, der Allgemeine Stellvertreter von Landrat Günter Rosenke, sorgt sich um den Bestand des Wirtschaftsgymnasiums in Kall, das Teil des Berufskollegs ist und sich in der Trägerschaft des Kreises befindet. „Das Berufskolleg Eifel hatte am 13. November 2012 eine Kooperationsvereinbarung mit der Sekundarschule Mechernich-Kall geschlossen, die den Schülern der Sekundarschule als Schulform der Sekundarstufe I (also ohne eigene Oberstufe) ortsnah den Weg zur Allgemeinen Hochschulreife am Wirtschaftsgymnasium des Berufskollegs sichert“, heißt es in Poths Stellungnahme.

Obwohl in Kall auch bei einer Umwandlung in eine Gesamtschule keine Oberstufe angeboten wird, fürchtet Poth Auswirkungen auf das Wirtschaftsgymnasium. Eine detaillierte Äußerung des Steinfelder Gymnasiums liegt bisher noch nicht vor. „Wir sehen die Gefahr, dass die Eröffnung einer weiteren Schule mit gymnasialer Oberstufe unsere Schule merklich treffen wird“, heißt es in einem Schreiben der Steinfelder an die Stadt Mechernich lediglich.

Bezirksregierung ist positiv gestimmt

Wie den Unterlagen der Ausschusssitzung vom Dienstag zu entnehmen ist, sollen Bezirksregierung und NRW-Schulministerium der Einrichtung einer Gesamtschule in Mechernich positiv gegenüber stehen. Voraussetzung ist, dass die Bildungseinrichtung bis zur Klasse 10 vierzügig geführt wird, was in Mechernich (vier Klassen) und in Kall (zwei Klassen) zurzeit gegeben ist. Die Oberstufe muss mindestens zweizügig sein mit einer Jahrgangsbreite von 42 Schülern.

Es steht zu erwarten, dass der Stadtrat den Antrag zur Umwandlung der Sekundarschule in eine Gesamtschule trotz aller von außen herangetragenen Bedenken nächste Woche offiziell auf die Schiene setzt. Die FDP stimmte im Ausschuss dagegen, die Linke enthielt sich.

Josef van de Gey, Direktor des Mechernicher Gymnasiums, war im Vorfeld übrigens nicht um seine Meinung gefragt worden. „Ich habe Bürgermeister Schick schon vor der Gründung der Sekundarschule auf den Kopf zugesagt, dass dies nur der erste Schritt in Richtung Gesamtschule sein werde. Ich sollte damit recht behalten“, so van de Gey. Er nimmt es gelassen, nicht zuletzt, weil das Ende seiner Dienstzeit in Sicht ist. Der Direktor hält es für durchaus möglich, dass Gymnasium und Gesamtschule irgendwann verschmelzen.


Kölner Stadtanzeiger vom 30.10.2014 - Von Günter Hochgürtel

 

 
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