UNA Nettersheim

Mittwoch, 25. April 2018
Bestandsschutz für kleine Grundschulen
Freitag, den 23. November 2012 um 18:50 Uhr
Das Konzept "Kurze Beine, kurze Wege" kann nach der Gesetzesänderung umgesetzt werden

Kreis Euskirchen. Vor kurzem beschloss der Düsseldorfer Landtag mit großer Mehrheit, dass für Grundschulen ab dem kommenden Schuljahr geringere Richtgrößen gelten. So ist künftig für die Fortführung einer eigenständigen Grundschule nur noch eine Mindestgröße von 92 Schülern notwendig. Grundschulen, die unter diese Grenze fallen, können als Teilstandort einer anderen Schule fortgeführt werden, solange es noch 46 Schüler gibt.

Die einzige Grundschule in einer Gemeinde genießt einen besonderen Schutz: Sie kann künftig auch mit lediglich 46 Schülern als eigenständige Schule fortgeführt werden. Diese neue Regelung, gegen die im Landtag nur die FDP stimmte, findet in der Eifel große Zustimmung. Denn aufgrund der sinkenden Geburtenraten schrumpfen dort viele Schulen.

"Unsere Grundschulstandorte sind damit auf absehbare Zeit gerettet", freute sich Michael Huppertz, allgemeiner Vertreter des Hellenthaler Bürgermeisters Rudolf Westerburg. In der Gemeinde Hellenthal gab es früher einmal drei eigenständige Grundschulen, heute gibt es nur noch eine Grundschule mit dem Hauptsitz in Reifferscheid. Zweigstandorte sind in Hellenthal und Udenbreth. Gerade der Fortbestand von Udenbreth war in der Vergangenheit immer wieder zweifelhaft.

"Hintergrund dieser Entwicklung sind die sinkenden Geburten", erklärte Huppertz. Vor 20 Jahren erblickten 120 Kinder in Hellenthal das Licht der Welt. Vor zehn Jahren wurden nur noch 74 Babys gezählt, und im vergangenen Jahr wurden lediglich noch 45 Geburten registriert. Demzufolge sank auch die Zahl der Erstklässler immer weiter: Für das Schuljahr, das im Sommer 2015 beginnt, rechnet die Verwaltung für Reifferscheid mit nur noch 21 Anmeldungen, für Hellenthal mit 17 und für Udenbreth mit zwölf. Angesichts dieser Zahlen wird schnell klar, dass die neue Regelung für Hellenthal ein Segen ist. "Auch bei einer Elternversammlung wurden die neuen Vorschriften positiv aufgenommen", berichtete Huppertz.

Hellenthal hat zwar wenig Einwohner, allerdings eine große Fläche. "Das Konzept »Kurze Beine, kurze Wege« können wir nur mit mehreren Standorten umsetzen", so Huppertz. Denn wenn es zum Beispiel die Schule in Udenbreth nicht mehr gebe, müssten Kinder aus Losheim oder Kehr rund 25 Kilometer bis zur nächsten Grundschule in Hellenthal fahren.

An kleinen Standorten werde man jahrgangsübergreifend unterrichten. "Die Klassen 1 und 2 sowie 3 und 4 werden also zusammengelegt, das hat sich schon bewährt", so Huppertz. Die entsprechenden Vorschläge werde man demnächst den politischen Gremien vorlegen.

Etwas anders sieht die Situation in Dahlem aus. Denn die kleinste Gemeinde in NRW hat nicht nur wenig Einwohner, sondern auch ein relativ kleines Gemeindegebiet.

Deshalb gibt es dort lediglich eine Grundschule im Hauptort. "Die Schülerzahlen sind in den vergangenen Jahren zwar gesunken, haben sich aber nun auf einem niedrigeren Niveau stabilisiert", erklärte der stellvertretende Verwaltungschef Helmut Etten. Aktuell würden an der Grundschule 156 Kinder unterrichtet.

"In den kommenden Jahren bis hin zum Jahr 2016 werden es laut unseren Berechnungen immer ungefähr 160 Schüler sein", berichtete Etten. Zwar sei auch in Dahlem die Geburtenzahl stark gesunken, doch die Gemeinde profitiere von Zuzügen. "Auf absehbare Zeit wäre unsere Grundschule auch bei den bisherigen Vorschriften nicht gefährdet gewesen", so Ettens Resümee. Mit den nun reduzierten Vorgaben könne man mit Sicherheit sagen, dass die Grundschule Dahlem auch in vielen Jahren noch existiere.

Horst Klöcker, im Schleidener Rathaus für die Schulen zuständig, begrüßte die neue Regelung. "Unsere Grundschulen in Schleiden und Gemünd stehen nach wie vor gut da, doch die Einrichtung in Dreiborn ist nur noch einzügig." Diese Grundschule werde nur von etwas über 100 Kindern besucht. Man wolle die neuen Vorschriften erst einmal in Ruhe analysieren und dann der Politik Vorschläge unterbreiten. "Auf jeden Fall haben wir nun mehr Sicherheit", so Klöcker.

Etwas kritischer sieht hingegen der Blankenheimer Bürgermeister Rolf Hartmann die Neuregelung. "Viel wichtiger wäre es gewesen, den Klassenfrequenzrichtwert stärker zu senken", sagte er. Im kommenden Jahr gebe es an der Oberahr 45 Anmeldungen. Dies suggeriere, dass drei Eingangsklassen gebildet werden könnten. Doch in Wahrheit finanziere das Land nur zwei Lehrerstellen. Hartmann: "Ich muss das dann vor Ort ausbaden." Um auf den Schülerschwund zu reagieren, habe man in Blankenheim bereits einen Schulverbund gegründet, zu dem nach dem Auslaufen von Ripsdorf nur noch die Standorte Blankenheim und Dollendorf gehören.

Von den 45 Anmeldungen für das neue Schuljahr wollten aber 40 Kinder nach Blankenheim und nur fünf nach Dollendorf. "Die Eltern stimmen mit den Füßen ab, diesen Willen muss man akzeptieren." Deshalb werde man zwei Eingangsklassen im Hauptort einrichten.

"Der eigentliche Knackpunkt ist die Lehrerversorgung", meinte auch Wilfried Pracht, der Nettersheimer Bürgermeister. Im kommenden Schuljahr liegen in der Gemeinde insgesamt 60 Anmeldungen vor. Da man einen Schulverbund mit dem Hauptstandort Zingsheim und dem Teilstandort Marmagen gegründet hat, kann man nun drei Eingangsklassen bilden, zwei in Zingsheim und eine in Marmagen.

Noch im Jahr 2004 hatten beide Grundschulen jeweils rund 200 Schüler, in den nächsten drei, vier Jahren wird es in Marmagen nur noch 80 bis 90 Kinder geben, in Zingsheim immerhin noch 130. Doch beide Standorte sind nun langfristig gesichert.

Kölner Stadtanzeiger vom 23.11.2012 - Von Johannes Puderbach
 
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