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Sonntag, 24. März 2019
Bundes-CDU ist für Gemeinschaftsschulen
Dienstag, den 28. Juni 2011 um 17:44 Uhr
Nun wenden sich auch die Christdemokraten vom dreigliedrigen Schulsystem ab. Sie treten stattdessen für den Erhalt des Gymnasiums sowie die Schaffung einer neuen Oberschule ein, die Haupt- und Realschule vereint.
 
BERLIN - Der CDU-Bundesvorstand hat ein neues Schulkonzept ohne Hauptschulen beschlossen – im Prinzip. Danach kehren sich auch die Christdemokraten vom dreigliedrigen Schulsystem ab. Sie treten stattdessen für den Erhalt des Gymnasiums sowie die Schaffung einer neuen Oberschule ein, die Haupt- und Realschule vereint. 
Der CDU-Vorstand billigte den Konzeptentwurf gestern bei einigen Enthaltungen einstimmig. Denn in dem Papier heißt es auch: „Wir respektieren Haupt- und Realschulen vor Ort, wo dies dem Elternwillen entspricht.“ Das Papier war von Bundesbildungsministerin Annette Schavan und Sachsens Kultusminister Roland Wöller erarbeitet worden. Der Beschlussfassung war eine Auseinandersetzung vorausgegangen. Auch die CSU übte Kritik.
Schülerzahlen teilweise halbiert

Schavan und Wöller warben für die schrittweise Abschaffung der Hauptschule und begründeten dies vor allem mit der demografischen Entwicklung. Wöller sagte, die Schülerzahlen in Ostdeutschland seien seit 1989 um die Hälfte zurückgegangen. Ein ähnlicher Prozess stehe nun den alten Bundesländern bevor. Schavan zufolge lässt sich ein wohnortnahes und leistungsstarkes Schulsystem nur dann noch gewährleisten, wenn die Schaffung von Oberschulen möglich ist. In den neuen Bundesländern sind sie längst Realität. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) ging deshalb noch einen Schritt weiter als Wöller mit der Anmerkung, es sei an der Zeit, dass der Westen auch einmal vom Osten lerne. Vertreter Baden-Württembergs, Hessens und Nordrhein-Westfalens hielten im Bundesvorstand dagegen. So warnte der frühere nordrhein-westfälische CDU-Generalsekretär Hendrik Wüst davor, ähnlich wie in der Familienpolitik ganze Lebensläufe zu entwerten, indem man die Hauptschule abschaffe.

Anhänger der Dreigliedrigkeit verweisen darauf, dass in ihr Schüler individuell gefördert werden könnten. Unterschwellig geht es auch um die Frage, ob die CDU nach der Aussetzung der Wehrpflicht und der Abkehr von der Atomenergie erneut eine bisher gehaltene Grundsatzposition räumen sollte.

Jenseits von Wüst fuhr die NRW-CDU zweigleisig. Landeschef Norbert Röttgen begrüßte das Konzept im Grundsatz. Offenbar wollte der Umweltminister seiner Kabinettskollegin Schavan nicht ins Gehege kommen; das Verhältnis der beiden ist ohnehin nicht das Beste. Generalsekretär Oliver Wittke betonte hingegen im WDR: „Da, wo die Hauptschule noch funktioniert, da soll sie weiterlaufen.“ Wo dies nicht mehr der Fall sei, „soll sie auch die Möglichkeit haben, mit der Realschule zusammenzugehen“. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) erklärte wiederum im Deutschlandradio Kultur, die Abschaffung der Hauptschule als Kernschulart sei der falsche Schritt. Eine Pädagogik, die für alle das Gleiche vorsehe, sei „ein Stück Retro-Pädagogik“.

Das Konzept muss auf dem Leipziger CDU-Parteitag Mitte November beschlossen werden. Jenseits dessen fallen die entsprechenden parlamentarischen Entscheidungen in den Ländern, die für die Schulpolitik zuständig sind, und nicht in Berlin. Insofern hat, was immer der CDU-Parteitag beschließt, mehr denn je nur empfehlenden Charakter. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) prophezeite für diesen Parteitag sehr lebhafte Debatten. In der Schulpolitik könne sowieso jeder mitreden, weil er selbst zur Schule gegangen sei, Kinder im schulpflichtigen Alter habe oder Lehrer als Nachbarn. Auch Schavan kündigte an: „Die Debatte geht jetzt erst los.“ Die CDU werde in ihrer Schulpolitik auch weiterhin „vom Kinde her denken“ und seine je eigene Begabung in den Mittelpunkt stellen.

Kölner Stadtanzeiger vom 28.06.2011 - Von Markus Decker
 
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