UNA Nettersheim

Donnerstag, 21. März 2019
Gemeinden wurden kalt erwischt
Donnerstag, den 23. Juni 2011 um 00:07 Uhr
Tag Eins nach dem Desaster in Blankenheim: Nach der Hiobsbotschaft vom Dienstag, dass das Land NRW nicht die Genehmigung für die Gemeinschaftsschule Blankenheim-Nettersheim erteilen wird, wurden im Rathaus die Scherben notdürftig zusammengekehrt.
 
BLANKENHEIM - Bürgermeister Rolf Hartmann wirkte ein wenig deprimiert: „Steine von noch nie da gewesenem Ausmaß, wie ich sie in meiner Karriere noch nicht gesehen habe, wurden uns in den Weg gelegt. Wir waren chancenlos!“ Das habe er in seiner ganzen Laufbahn noch nicht erlebt. Und Nettersheims Bürgermeister Wilfried Pracht berichtete von zahlreichen Anrufen besorgter Eltern, die zum Teil auch nicht mit Schuldzuweisungen und Empörung hinter dem Berg hielten.
Tag Eins nach dem Desaster in Blankenheim: Nach der Hiobsbotschaft vom Dienstag, dass das Land NRW nicht die Genehmigung für die Gemeinschaftsschule Blankenheim-Nettersheim erteilen wird, wurden gestern im Rathaus die Scherben notdürftig zusammengekehrt. Im Rahmen einer Pressekonferenz, zu der zahlreiche Medienvertreter angereist waren, erläuterten die beiden Bürgermeister, wie es nun mit den Schulen in den beiden Gemeinden weitergehen soll.

Die Schüler, die sich darauf gefreut hatten, im nächsten Schuljahr die neue Gemeinschaftsschule kennen lernen zu können, blicken auf jeden Fall in die Röhre. Für sie bleibt nun alles beim alten: In Blankenheim und Nettersheim können Schüler wieder die Hauptschulen besuchen, in Blankenheim führt die Realschule wie bisher ihren Betrieb weiter. Zuletzt hatten zwar die beiden Hauptschulen aufgrund sinkender Schülerzahlen nur mit Sondergenehmigungen weiter betrieben werden können, doch die beiden Bürgermeister bestätigten, dass dieses auch weiterhin der Fall sein wird.

Das Aufnahmeverfahren für die Schulen ist neu eröffnet, die Kinder können angemeldet werden, auch wenn sie bereits an einer anderen Haupt- oder Realschule in der Umgebung angemeldet wurden. Wenn genau bekannt ist, wie viele Eltern ihre Kinder anmelden wollen, wird offiziell die neue Sondergenehmigung beantragt. Besorgten Eltern will man am Dienstag, 28. Juni, ab 19 Uhr im Blankenheimer Schulzentrum Rede und Antwort stehen und ihnen erklären, warum die doch so sicher geglaubte Gemeinschaftsschule scheiterte. „Aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben“, merken die beiden Bürgermeister-Kollegen an. Sie hoffen darauf, dass sich die verschiedenen politischen Lager auf Landesebene doch noch darauf einigen können, das Schulgesetz so zu ändern, dass die Gemeinschaftsschule genehmigt werden kann. Gelänge dieses, wäre die geleistete Vorarbeit in der Eifel wenigstens nicht ganz umsonst gewesen.

Trotz seiner Enttäuschung verwies Pracht darauf, dass die Kommunen bei der Vorbereitung des Projekts bewiesen hätten, dass interkommunale Zusammenarbeit funktioniere. „Wir haben gezeigt, dass wir bei solchen Themen zusammenstehen können. Das wird man uns nicht mehr nehmen können!“

Deutlich wurde gestern allerdings auch, dass die beiden Gemeinden von der Entwicklung eiskalt erwischt wurden. Nach dem höchstrichterlichen Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster zur Gemeinschaftsschule Finnentrop hatten am Dienstag vergangener Woche Gespräche mit der Landesregierung zunächst ergeben, dass man sich in Düsseldorf neu positionieren wollte. Einigkeit bestand damals darin, dass alle bereits genehmigten Gemeinschaftsschulen an den Start gehen können. Jede neue Gemeinschaftsschule wäre allerdings nicht rechtmäßig gewesen. Noch am späten Freitagnachmittag suchten Pracht und Hartmann das Gespräch mit dem Salvatorianer-Orden in Steinfeld, der gegen die Gemeinschaftsschule geklagt hatte und damit verhinderte, dass die bereits erteilte Genehmigung Rechtskraft erlangte. Man wollte versuchen, gemeinsam mit den Salvatorianern eine Lösung zu finden.

Möglicherweise wäre dieses Ansinnen bei entsprechender Kompromissfindung sogar erfolgreich gewesen. Doch dann zog das Land „ohne Wenn und Aber“ die Notbremse, und dies auf eine Art und Weise, die die Eifelgemeinden wohl so schnell nicht vergessen werden: Wilfried Pracht berichtete, als ihn die Rundschau am Dienstag angerufen habe, ob die Gemeinschaftsschule abgelehnt worden sei, habe er dazu keine offiziellen Informationen gehabt. Diese seien lediglich bei Schulleitungen und der Bezirksregierung eingetrudelt.

„Die Nachricht vom Aus ist nur über Umwege zu uns gelangt“, sagte Pracht. Eine direkte schriftliche Information lag ihm auch gestern Mittag noch nicht vor.

Pracht sagte, er hätte nicht geglaubt, dass es größeren Kommunen so an Souveränität fehlen könne, wie sich im ganzen Prozess gezeigt habe. So habe es starken Gegenwind von Schleiden, Kall und Bad Münstereifel gegeben. Die Stadt Mechernich habe zwar später fünf Kindern aus ihrem Stadtgebiet die Erlaubnis für die neue Schule verweigert, im Rahmen der Schulentwicklungsplanung vorher aber keine Bedenken vorgebracht. Bürgermeister Rolf Hartmann sagte, man habe stets mit den Kritikern gesprochen.

Kölnische Rundschau vom 23.06.2011 - Von Klaus Pesch
 
mod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_counter
Copyright © 2019 UNA Nettersheim. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.