UNA Nettersheim

Dienstag, 22. Januar 2019
Viele Anmeldungen eingegangen
Samstag, den 19. Februar 2011 um 12:13 Uhr
EIFELLAND - Für mächtig Wirbel hat die Einrichtung der Gemeinschaftsschule Blankenheim / Nettersheim gesorgt. Nun hat das Aachener Verwaltungsgericht eine erste Entscheidung getroffen. Bis zum Hauptsacheverfahren dürften noch einige Monate vergehen. Wieder zum Tagesgeschäft überzugehen, bedeutet für Nettersheims Bürgermeister Wilfried Pracht auch, dass die neue Schule nun „mit Leben gefüllt“ wird - sprich: mit Schülern. Und da sieht er sich auf einem guten Weg: Inzwischen seien je 40 Schüler für die Standorte Blankenheim und Nettersheim fest angemeldet. Hinzu kommen je 15 Voranmeldungen, so dass „insgesamt 110 Anmeldungen vorliegen werden“. Darunter sind nach Prachts vorläufiger Schätzung fünf bis zehn Prozent Schüler mit einer Gymnasialempfehlung. Er wertet dies als klaren Vertrauensbeweis der Eltern.
Für Pracht ist entscheidend, dass Gemeinschaftsschule und Schulversuch an sich von den Richtern nicht in Frage gestellt und die Klage der Steinfelder Salvatorianer, die ihr Hermann-Josef-Kolleg durch die Gemeinschaftsschule gefährdet sehen, in diesem Punkt zurückgewiesen wurde.

Schullaufbahn bis zum Abitur

Hätten die Richter die Einrichtung der Schule zunächst gestoppt, so hätte das für die Kommunen drastische Folgen haben können: Die Nettersheimer Hauptschule hätte fürs kommende Schuljahr schon keine Eingangsklasse mehr bilden können. Auch in Blankenheim wäre es wohl „eng“ geworden. Vor diesem Hintergrund haben die Mitarbeiter in beiden Rathäusern mächtig Gas gegeben, den Antrag für die Gemeinschaftsschule fristgerecht ins Ministerium schicken zu können. Pracht berichtet, dass er schon im Vorfeld mit rund 100 Eltern gesprochen habe. Und als der Schulversuch von der Landesregierung beschlossen wurde, habe sich herauskristallisiert, dass genau das der Weg für die Kommunen - „und vor allem für unsere Kinder“ - sei. Innerhalb von gut zwei Monaten mussten Schulgutachten und pädagogisches Konzept erstellt werden. Wie Pracht berichtet, seien Lehrerkollegium und Kindergärten befragt und eingebunden worden.

Doch wurden auch die Nachbarkommunen und deren Schulen eingebunden? Pracht: „Es gab ein schriftliches Beteiligungsverfahren, auch für die kirchlichen Schulen. Aber mit dem Clara-Fey-Gymnasium Schleiden wurde im Gegensatz zu den Salvatorianern nicht gesondert verhandelt.“ Anfang Dezember habe es ein Treffen mit den Steinfeldern gegeben, das Pracht als „positives Gespräch“ bezeichnete. Dies hat man auf Steinfelder Seite offenbar anders gesehen und Klage eingereicht. Und das wiederum habe laut Pracht in Nettersheim und Blankenheim für „gewisses Erstaunen“ gesorgt.

Dass die Richter in ihrer Eilentscheidung die Einführung der Sekundarstufe II und des „Ahr-biturs“ zunächst gestoppt haben, ist aus Prachts Sicht nicht problematisch - aus mehreren Gründen. Zum einen sieht er den Antrag, den die beiden Kommunen beim Ministerium eingereicht haben, als „absolut korrekt und fehlerfrei“ an. Vom Gericht sei lediglich ein „Abwägungsmangel“ angeführt worden. Das Ministerium habe die Auffassung vertreten, dass mit den privaten, kirchlichen Schulen keine Erörterung habe stattfinden müssen. Diesen Punkt habe das Gericht anders gesehen. Diesen Mangel sieht Pracht als heilbar an, man wolle dazu einen Termin im Ministerium vereinbaren.

Zum anderen sei noch Zeit: Erst in sechs Jahren, wenn der erste Gemeinschaftsschul-Jahrgang in die Oberstufe wechsele, müsse die Frage endgültig geklärt sein - „bis dahin fallen uns schon die notwendigen Argumente ein“. Ungeachtet der richterlichen Entscheidung im Hauptsacheverfahren sieht Pracht es gewährleistet, dass die Kinder auf jeden Fall ihre schulische Laufbahn bis zum Abitur fortsetzen können. Wenn dies in der Gemeinschaftsschule nicht möglich sei, dann in Kooperation mit einem benachbarten Gymnasium.

Hier geht möglicherweise das Ringen um die Schüler los. Zum einen besagen Prognosen, dass es in zehn Jahren nur noch 2500 statt bislang 4000 Gymnasiasten im Kreis gibt. Zum anderen gilt es für die bestehenden Gymnasien, auch um Gemeinschaftschüler zu werben. Hier könnten die Steinfelder schlechte Karten haben. Pracht: „Wenn es fünf Gymnasien in der Region gibt, kooperiert man doch nicht mit demjenigen, der einen beklagt.“

Erstaunlich: Attackierten die Bürgermeister aus Bad Münstereifel und Schleiden, Alexander Büttner und Ralf Hergarten, zunächst die Gemeinschaftsschule, sieht das inzwischen ganz anders aus. Beide reichen versöhnlich die Hand in Richtung einer Kooperation. Büttner scheint die Nase vorn zu haben: Gespräche hat es hier schon gegeben. In der vergangenen Woche hatte er gegenüber der Rundschau erklärt, dass „eine interkommunale Kooperation in Sachen Nahverkehr und Schulentwicklungsplan bis hin zu gemeinsamen Schulkonferenzen“ geplant sei. Pracht bestätigte die Gespräche. Für ihn sei Münstereifel „naheliegend“, da man ohnehin schon auf anderen Gebieten kooperiere.

Pracht wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, die Gemeinschaftsschule versetze bestehenden Gymnasien den Todesstoß. „Meiner Meinung nach werden ohnehin 30 bis 40 Prozent der Schüler mit Gymnasialempfehlung den direkten Weg zum Gymnasium wählen.“ Damit habe sich manch einer in der ganzen Hektik wohl nicht auseinander gesetzt.

Kandidaten für die Oberstufe der Gemeinschaftsschule seien eher diejenigen, die keine direkte Empfehlung fürs Gymnasium erhalten, sich dann aber prima machen - so genannte „Spätentwickler“. Gerade für diese sieht er in der Gemeinschaftsschule Vorteile: Die Kinder lernen länger zusammen.

Zweckverband wird gegründet

Der Stress sei durch Nachmittagsunterricht an zwei Tagen (an denen „hausaufgabenfrei“ ist) und die im Jugendgästehaus nah, aber nicht direkt in der Schule gelegene Mensa geringer. Und die Standorte mit Schulzentrum und Turnhalle (Blankenheim) sowie Schwimmhalle, Sportzentrum mit Tennisplatz und vor allem Naturzentrum (Nettersheim) könne auch nicht jeder bieten.

Als nächster Schritt wird der Zweckverband der Gemeinschaftsschule gegründet. Eine erste interne Besprechung dazu findet am 28. Februar in Nettersheim statt. Am 1. März wird mit allen Fraktionsvorsitzenden der beiden Gemeinden ein erster Entwurf erörtert.

Kölnische Rundschau vom 19.02.2011 - Von Ramona Hammes und Irene Lange
 
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