UNA Nettersheim

Samstag, 21. Juli 2018
Gericht kassiert „Ahr-bitur“...
Mittwoch, den 16. Februar 2011 um 17:56 Uhr
Teilerfolg fürs Hermann-Josef-Kolleg: Das Verwaltungsgericht Aachen entschied gestern, dass die Gemeinschaftsschule Blankenheim/Nettersheim wie geplant zum kommenden Schuljahr starten darf - zunächst allerdings ohne gymnasiale Oberstufe und „Ahr-bitur“.
 
EIFELLAND - Kurz nach 15 Uhr war die Nachricht schon online. Im Internet-Netzwerk „Facebook“ hatte der Blankenheimer Bürgermeister nicht lange gezögert, nachdem er die Entscheidung der Aachener Verwaltungsrichter zur Gemeinschaftsschule kannte. „Rolf Hartmann freut sich, dass die Klage der Salvatorianer gegen unsere Gemeinschaftsschule abgewiesen ist und hofft, dass man nun aufhört, unsere Eltern zu verunsichern“, lautete sein Eintrag. „Sechs Personen gefällt das“, war nur wenige Minuten später zu lesen.
Rolf Hartmann und Wilfried Pracht zeigten sich gestern erfreut. Denn sie werten die Entscheidung über den Eilantrag der Salvatorianer, die durch die Errichtung der Gemeinschaftsschule samt gymnasialer Oberstufe und „Ahr-bitur“ ihr Hermann-Josef-Kolleg in Gefahr sehen und deshalb geklagt haben, als Erfolg auf der ganzen Linie. „Für Steinfeld ist das allerdings eine schallende Ohrfeige“, sagte Rolf Hartmann dann etwas später am Telefon gegenüber der Rundschau.

In der Mitteilung des Gerichts klingt das Ganze schon etwas gemäßigter. Das Fazit: „Die Gemeinschaftsschule Blankenheim / Nettersheim darf vorläufig nicht mit einer Sekundarstufe II betrieben werden - Teilerfolg für Hermann-Josef-Kolleg in Kall.“ Demnach habe die 9. Kammer des Verwaltungsgerichts Aachen mit Beschluss von gestern dem Antrag des Hermann-Josef-Kollegs in Steinfeld zum Teil stattgegeben.

„Ich empfinde jetzt keine Freude und werde auch nicht mit Sekt anstoßen“, so Pater Bernhard Fuhrmann, Prokurator der Salvatorianer, nachdem er durch seinen Anwalt erfahren hatte, dass die Klage aus ihrer Sicht zumindest teilweise erfolgreich gewesen sei.

Zum einen sei vor Gericht deutlich geworden, dass die Salvatorianer als Träger des privaten Hermann-Josef-Kollegs durchaus das Recht hätten, in dieser Angelegenheit zu klagen, weil sie von der Einführung der gymnasialen Oberstufe an der Ahr betroffen wären. Und noch etwas sei deutlich geworden: nämlich dass dieses Recht nicht durch ein Landesgesetz ausgehebelt werden könne. Es sei verfassungsrechtlich im Schulgesetz verankert, dass das Steinfelder Gymnasium auch hätte gehört werden müssen.

Pater Bernhard: „Man kann nicht einfach einen Schulversuch durchführen und alle anderen außen vor lassen.“ Vom Gericht sei ausdrücklich gerügt worden, dass das Ministerium private Schulträger nicht berücksichtigt habe. „Hier hätte das Ministerium vielmehr prüfen müssen, ob die vorhandenen Schulen in der Region nicht ausreichen, um das Bedürfnis für den Besuch der Sekundarstufe II zu erfüllen“, heißt es in der Gerichtsmitteilung. „Das ist genau das, was wir gesagt haben“, fährt Pater Bernhard fort. „Man kann nicht einfach die Sekundarstufe II einführen und bestehende Schulen vor Probleme stellen.“

In der „Eilsache“ sei nun entschieden worden. Die Blankenheimer und Nettersheimer dürften zunächst keine Anmeldungen für die Sekundarstufe II entgegen nehmen. Abschließend wird das Thema allerdings erst in einem Hauptsacheverfahren vor dem Aachener Verwaltungsgericht entschieden. „Das werden wir noch in diesem Jahr schaffen“, sagte gestern Gerichtssprecher Markus Lehmler.

Der Entscheidung sehen die Bürgermeister in Blankenheim und Nettersheim gelassen entgegen. Hartmann ist sogar sicher, dass in ihrem Sinne entschieden wird und es in sechs Jahren ein „Ahr-bitur“ geben wird.

Sein Nettersheimer Kollege Wilfried Pracht hat aber auch schon einen Plan in der Schublade, wenn es nichts wird mit der Sekundarstufe II - sei es, weil es das Gericht verhindert oder weil es nicht genügend Schüler gibt. „Dann streben wir einen Kooperationsvertrag mit einem anderen Gymnasium an“, so Pracht, der in Richtung Steinfeld hinzufügt: „Es ist natürlich klar, dass wir mit keinem einen Vertrag anstreben, der uns Knüppel zwischen die Beine geworfen hat.“

Mögliche Kooperationspartner reichen bereits die Hand, so dass Pracht und Hartmann gar nicht auf Steinfeld angewiesen wären. Kurios ist dabei, dass diese Partner ausgerechnet die sind, die noch vor einigen Wochen gegen das „Ahr-bitur“ klagen wollten - es aber nicht taten: der Schleidener Bürgermeister Ralf Hergarten und Alexander Büttner, dessen Kollege aus Bad Münstereifel. Für Letzteren ist das Urteil des Aachener Verwaltungsgerichts nach eigenem Bekunden nicht überraschend gewesen. „Die Zeichen stehen auf Kooperation. Das begrüße ich ausdrücklich.“ Nach diesem Urteil könne jetzt endlich wieder Frieden einkehren. Büttner übte harsche Kritik an dem „voreiligen und parlamentarisch nicht abgestimmten Vorpreschen“ der rot-grünen Landesregierung. Das habe in der Region für jede Menge Unfrieden und Unruhe gesorgt. Und in Richtung der Bürgermeister Pracht und Hartmann erklärte Büttner: „Meine Kollegen können in der Schulfrage auf mich zählen.“ Was bereits im touristischen Bereich gut funktioniere, dürfte im schulischen Bereich noch besser klappen. So bauten im städtischen St.-Michael-Gymnasium ja bereits seit Jahrzehnten Schüler aus Blankenheim und Nettersheim ihr Abitur. „Wir haben ja bereits erste Gespräche geführt. Die sollten wir jetzt mit dem Rückenwind dieses Urteils zügig zum Abschluss bringen“, so Büttner.

„Ich denke, es war eine gute Entscheidung“, wertete gestern Schleidens Bürgermeister Ralf Hergarten den Beschluss der Kammer. „Eigentlich wollten wir auch, dass eine Gemeinschaftsschule an der Oberahr genehmigt wird, eine Sekundarstufe II aber nicht - zum Schutz unserer Schulen.“ Die Stadt Schleiden werde aber, wie mit den Fraktionen abgesprochen, ihr Angebot einer Kooperation erneuern.

Kölnische Rundschau vom 16.02.2011 - Von Ronald Larmann, Bernd Kehren und Peter W. Schmitz
 
 
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