UNA Nettersheim

Montag, 22. Januar 2018
Befürchtungen sind maßlos übertrieben
Mittwoch, den 02. Februar 2011 um 17:57 Uhr
Anmerkung der UNA:
Der folgende Leserbrief  " Befürchtungen sind maßlos übertrieben " wurde im Stadt-Anzeiger am 2. 2. 2011 veröffentlicht.
 
Zur Debatte über die Gemeinschaftsschule Nettersheim/Blankenheim

Bildungsgerechtigkeit hat auch etwas mit zeitlicher Erreichbarkeit und örtlicher Verfügbarkeit umfassender schulischer Bildung zu tun. Die Gemeinschaftsschule Nettersheim/ Blankenheim schließt hierbei eine große Lücke: In einem Einzugsgebiet vergleichbar mit dem Bad Münstereifels (wo zwei Gymnasien existieren) gab es bisher keine Gemeinschaftsschule. Dieser untragbare Zustand ist nun beendet, und dies schadet niemandem, es nutzt allen!

In einer Gemeinschaftsschule steigt die Zahl der "Bildungsgewinner" aus nicht-gymnasialen Milieus, was man daran sieht, dass 50 Prozent der Abiturienten, die an der der neuen Form vergleichbaren Gesamtschule die Hochschulreife erworben haben, ursprünglich nur eine Haupt-oder Realschulempfehlung hatten. Es ist daher pädagogisch und bildungspolitisch sinnvoll, gymnasiale Oberstufen auch dort anzusiedeln, wo Schüler aus "bildungsschwachen Schichten" traditionell zunächst auf Haupt-oder Realschulen gehen, weil sie dorthin gewiesen werden und vielleicht zunächst auch nicht "das Zeug" fürs Gymnasium mitbringen. Genau diese benachteiligten Schüler haben dann aber durch die im Hause befindliche Oberstufe später die Chance, schulisch mehr zu erreichen.

So werden mehr Abiturienten "produziert". Das hilft allen, da Bildung unsere wichtigste Ressource für Zukunftsfähigkeit ist. Im Übrigen wird in allen internationalen Bildungsstudien die geringe Quote der Hochschulzugangsberechtigten in Deutschland immer wieder bemängelt.

Die Befürchtungen mancher Nachbargemeinden über den "Niedergang" ihrer eigenen Gymnasien sind maßlos übertrieben und entbehren jeglicher statistischen Grundlage. Wenn gut ein halbes Dutzend weniger Schüler pro Jahrgang (schlimmstenfalls) angeblich den Bestand eines Gymnasiums gefährdet, dann ist das nichts als Panikmache. Ein Gymnasium, das sich dadurch gefährdet sieht, hat ganz andere Probleme, sollte dringend seine Attraktivität steigern und sich dem Wettbewerb stellen! Die möglichen Abiturienten der neuen Gemeinschaftsschule sind kein Verlust für die Münstereifeler Gymnasien, sondern Bildungsgewinner aufgrund eigener Anstrengungen.

Die interne Durchlässigkeit des Schulsystems für Aufsteiger muss dringend gesteigert werden. Die Abiturquote im ländlichen Raum ist deutlich niedriger als in den Städten, dies liegt nicht etwa an "dümmeren" Schülern, sondern an der Schul- und Förderstruktur, die den Bedürfnissen der Landjugend nicht optimal angepasst ist. Gemeinschaftsschulen sind eine demographische und pädagogische Notwendigkeit und werden diesen Nachteil verkleinern.

Der Kreis Euskirchen braucht einen koordinierten Gesamtschulentwicklungsplan und mehrere Gemeinschaftschulen, die den Hauptschülern wieder eine Chance und den anderen benachteiligten Schülern vermehrt Möglichkeiten aufs Abitur geben. Statt Geld aus dem Kommunalhaushalt für rückwärtsgewandte Prozesse auszugeben, sollte Bad Münstereifel lieber offensiv endlich seine Haupt- und Realschule zu einer Gemeinschaftsschule weiterentwickeln. Sonst schickt man in Kürze auch die eigenen Hauptschüler in die Wüste, weil noch nicht einmal mehr eine Klasse pro Jahrgang zustande kommt!

Wenn das qualitativ hochwertig geschieht, wird man feststellen, dass auch aus deren Kreis mehr Schüler erfolgreich Oberstufen besuchen und ihre Benachteiligung ausgleichen. Oder ist das genau die Leistungs- und Wettbewerbsidee, die man eigentlich nicht will?

Ralf Pannen, Bad Münstereifel
 
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