UNA Nettersheim

Mittwoch, 23. Januar 2019
Ein hoher Zugewinn an Lebensqualität
Sonntag, den 30. Januar 2011 um 17:26 Uhr
Anmerkung der UNA:
Im folgenden Artikel plädiert ein Nettersheiner Vater für die Gemeinschaftsschule (veröffentlicht im Stadt-Anzeiger in der Rubrik "Mein Standpunkt" am 29. 01. 2011). 
 
Der Ingenieur Ralf Massia (46) wohnt in Nettersheim, ist verheiratet und hat einen Sohn. Er plädiert für die Gemeinschaftsschule Blankenheim/Nettersheim/Dahlem.  
 
Seit 15 Jahren lebe ich mit meiner Familie in Nettersheim. Nun steht der Wechsel meines Sohnes auf eine weiterführende Schule an. Mit großem Interesse hat unsere Familie die Bemühungen unseres Bürgermeisters Wilfried Pracht zusammen mit den Gemeinden Blankenheim und Dahlem zur Einrichtung einer Gemeinschaftsschule mit eigener gymnasialer Oberstufe in unserer Region verfolgt.

Wir erachten das Konzept der Gemeinschaftsschule als große Bereicherung des dreigliedrigen Schulsystems vor allem im ländlichen Gebiet. Einzig die Gesamtschule Weilerswist wäre konzeptionell eine Alternative zur Gemeinschaftsschule, kommt aber aufgrund der räumlichen Entfernung für viele Kinder aus dem Südkreis nicht in Frage. Außerdem sind die Chancen, dort aufgenommen zu werden, wegen der extrem hohen Anmeldezahlen sehr gering. Deshalb habe ich mit großer Freude die Nachricht aufgenommen, dass die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann die Gemeinschaftsschule in unserem Ort genehmigen wird.

Alternativ hatten wir uns vorher das St.-Michael-Gymnasium in Bad Münstereifel angesehen, das sicherlich eine ganz hervorragende Schule ist. Allerdings würde ein Besuch dieser Schule für unseren Sohn circa zwei Stunden Fahrt pro Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln bedeuten. Die Gemeinschaftsschule hingegen ist für ihn in fünf Minuten fußläufig zu erreichen. Dies bedeutet gerade für jüngere Kinder einen hohen Zugewinn an Lebensqualität.

Die Gegner der Schule argumentieren, dass auch vorherige Generationen aus den Gemeinden Nettersheim, Blankenheim und Dahlem weite und lange Schulwege in Kauf nehmen mussten und dass dies "noch keinem geschadet" habe. Welch armseliges Argument! Sind Eltern nicht immer bestrebt, dass es ihren Kinder besser gehen soll als ihnen selbst?

Aber nicht nur in der Wohnortnähe zeigt sich ein Vorteil dieser Schule. Auch die Tatsache, dass das Abitur erst in neun statt in acht Schuljahren trotz Ganztagsunterricht abgelegt wird, entspannt das Schulleben enorm. Wie oft schon konnte ich im Bekanntenkreis beobachten, wie Kinder den hohen Leistungsdruck, dem sie ausgesetzt waren, nur mit Hilfe von Nachhilfestunden und Hausaufgaben bis in die späten Abendstunden bewältigen konnten. Die Gemeinschaftsschule lässt die Kinder in dieser Beziehung noch ein wenig Kind sein. Überhaupt sind wir vom pädagogischen Konzept "unserer Schule" überzeugt.

Ich selber hatte das Glück, Mitte der siebziger Jahre eine Gesamtschule in Köln besuchen zu dürfen, und weiß deshalb, wie gut eine solche integrative Schule für alle Kinder ist. Nicht nur die "schlechteren" Kinder profitieren, sondern vor allem auch die "besseren". Deshalb kann ich nicht nachvollziehen, dass sowohl politisch Verantwortliche als auch Pädagogen die Chance, die in dieser neuen Schulform steckt, nicht erkennen und gegen die Einrichtung der Schule sogar klagen wollen.

Ist es ein Naturgesetz, dass in Schleiden oder in Bad Münstereifel jeweils zwei Gymnasien existieren, jedoch in den Gemeinden Blankenheim, Nettersheim und Dahlem, die zusammen circa 22 000 Einwohner haben, kein ortsnaher Abiturabschluss angeboten werden kann? Haben die Verantwortlichen schon einmal darüber nachgedacht, wie sich Eltern und Kinder fühlen, die vor der Entscheidung stehen, erstmalig die neue Schule mit Leben zu füllen, und gleichzeitig durch Klageandrohung verunsichert werden? Hier geht es nicht um vermeintliche Besitztümer, hier geht es um unsere Kinder und deren Zukunft!

Vielleicht ist diese Verunsicherung ja auch das Ziel dieser Leute, damit möglichst wenige Eltern ihr Kind auf dieser Schule anmelden. Sie werden mit dieser Strategie keinen Erfolg haben. Die Eltern werden mit ihren Füßen abstimmen, wie auch bei allen Gesamtschulen im Land! Ich konnte mich am Tag der offenen Tür selbst davon überzeugen, wie positiv die Resonanz der Eltern und Kinder auf die Gemeinschaftsschule ist.

Wenn doch alle Beteiligten in Bad Münstereifel und Schleiden so überzeugt von dem bisherigen Konzept der Gymnasien sind, werden sie sich doch gerne dieser Herausforderung stellen und keine Konkurrenz fürchten müssen. Verwundert hat mich indes, dass die Kommunen Schleiden, Kall und Hellenthal von dem Konzept der Gemeinschaftsschule derart überzeugt sind, dass sie selber im Schuljahr 2012/2013 mit einer eigenen Schule an den Start gehen wollen.
 
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