UNA Nettersheim

Freitag, 17. Januar 2020
Keine Tiny Houses auf der Obstwiese

Interessent hat Bauvoranfrage zurückgezogen – Probleme auch wegen des nahen Dorfsaals befürchtet
Nettersheim. Einige Diskussionen haben die Pläne von Investoren ausgelöst, auf einer Obstwiese nahe des Nettersheimer Bahnhofs und des Dorfsaals eine Reihe kleiner Ferienhäuser, sogenannte Tiny Houses, zu errichten. Wie Bürgermeister Wilfried Pracht im Haupt- und Finanzausschuss mitteilte, habe der Interessent mittlerweile seine Bauvoranfrage für diese Fläche zurückgezogen.

Gleich mehrere Problemfelder waren aufgetaucht. So war dem Interessenten aufgefallen, dass die unmittelbare Nähe zum Dorfsaal bei der Vielzahl der dort stattfindenden Veranstaltungen durch möglichen Lärm auch Auswirkungen auf die kleine Ferienhaussiedlung haben könnte. Dazu kamen ökologischen Bedenken, die Streuobstwiese in Bauland umzuwandeln.

Vor allem Dr. Elke Sprunkel brachte diese mit ihrer Fachkenntnis ein. Denn die Mitarbeiterin der Biologischen Station des Kreises Euskirchen ist nicht nur seit elf Jahren die Pächterin der besagten Obstwiese, sondern auch die Sachbearbeiterin des Streuobstwiesenprojektes, das von der Biologischen Station betreut wird. „Als der Bürgermeister mir in einem langen Gespräch von den Plänen berichtete, war ich wie vom Donner gerührt“, sagte sie. Schließlich sei das der letzte Rest einer traditionellen Obstwiese im Ortskern von Nettersheim. In einem Brief an Verwaltung und die Mitglieder des Rates, der der Redaktion vorliegt, machte sie ihre Bedenken deutlich. „Streuobstwiesen gelten als hoch wertvolle Biotopkomplexe, ihr Erhalt wird in NRW durch verschiedene Förderprogramme und Pflegemaßnahmen unterstützt“, erläuterte sie. Es seien besonders struktur- und artenreiche Kulturbiotope, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum in unserer Kulturlandschaft böten, zitierte sie eine Broschüre des NRW-Umweltministeriums.

„Neun Bäume habe ich in den vergangenen Jahren nachgepflanzt“, sagte sie bei einem Ortstermin. Bis auf den letzten, der erst im vergangenen Winter dazugekommen sei, könnten die auch nicht mehr versetzt werden. Dazu gebe es vier etwa 80 Jahre alte Bäume, fünf seien rund 20 Jahre alt. Durch die Häuser und die Bauarbeiten würde mehr Platz beansprucht, als zwischen dem Baumbestand vorhanden sei, schrieb Sprunkel.

Viele Reisighaufen waren auf dem Gelände verteilt. „Das sieht vielleicht unordentlich aus, aber das sind natürlich wichtige Lebensräume, in denen zum Beispiel Igel überwintern können“, betonte sie. Auch Wildbienen lebten dort, wie die verschlossenen Bohrlöcher in dem Insektenhotel bewiesen.

„Ich freue mich über den Bewusstseinswandel“, sagte Franz-Josef Hilger (UNA). Er schlug vor, im Zusammenhang mit der Suche nach einem neuen Standort für den Jugendzeltplatz, auch nach einer Alternativfläche für die geplante Siedlung von Tiny Houses zu suchen. Pracht widersprach dem: Der Jugendzeltplatz solle im Außenbereich angesiedelt werden. Eine Fläche wie für die Tiny Houses müsse im Siedlungsbereich sein.


Kölner Stadtanzeiger vom 12.12.2019 - Von Stephan Everling

 

 
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