UNA Nettersheim

Freitag, 17. Januar 2020
Eifelhöhen-Klinik soll verkauft werden

 Aktuell werden in Marmagen 80 Patienten betreut – Gespräche mit Investoren

Nettersheim-Marmagen. Ende Oktober schlug die Nachricht, dass die Eifelhöhen-Klinik in Marmagen aufgrund von Hygienemängeln geschlossen werden müsse, ein wie eine Bombe. Zwei Wochen später waren die Mängel soweit beseitigt, dass die Verfügung aufgehoben wurde. Seitdem werden in Marmagen wieder Patienten aufgenommen und betreut.

Die Patienten

Auf Anfrage teilte die Klinik mit, dass aktuell 64 stationäre und 16 teilstationäre Patienten dort versorgt werden. Mit Blick auf die bevorstehenden Feiertage sei es erwartungsgemäß zu einem Zuweisungsrückgang gekommen. Ziel sei, im Januar wieder 100 stationäre Patienten zu betreuen. Zusammen mit den ambulanten Patienten entspreche dies der normalen Auslastungszahl.

Der Verkauf

In intensiven Gesprächen ist der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Dr. Mark Boddenberg mit potenziellen Investoren. Ziel ist der Verkauf der Marmagener Klinik und damit deren Herauslösung aus dem Konzern der Eifelhöhen-Klinik AG. Zum Schutz des Prozesses wurden keinerlei Angaben zur Zahl möglicher Interessenten gemacht, ebenfalls nicht zum Stand des Verfahrens und einem möglichen Zeitpunkt, wann der Verkauf vollzogen werden könnte.

Foto: Franz KüpperDabei handelt es sich um einen sogenannten strukturierten Verkaufsprozess. Schon kurz nach dem Insolvenzantrag hat Boddenberg Kontakt zu potenziellen Interessenten aufgenommen. Inzwischen wurde auch eine Übersicht über das Unternehmen erstellt, anhand derer sich ein Interessent ein differenziertes Bild über die Einrichtung machen kann. Diese Angaben erhalten Interessenten, nachdem sie eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet haben. Nachdem Interessenten ein zunächst unverbindliches Angebot abgegeben haben und dies vom Insolvenzverwalter als ernsthaft eingestuft ist, steht die Prüfung durch den potenziellen Investor an. Daran schließt sich für den Interessenten die Abgabe eines verbindlichen Angebots an. Mit demjenigen, der das vielversprechendste Angebot abgegeben hat, werden konkrete Verhandlungen geführt. Sobald der Insolvenzverwalter sich mit dem Investor über den Kaufvertrag geeinigt hat und dieser unterschrieben wird, muss der Gläubigerausschuss dem Kaufvertrag zustimmen.

Bei einer wie in diesem Fall voraussichtlichen „übertragenden Sanierung“ werden nur die werthaltigen Vermögenswerte an den neuen Eigentümer übertragen. Die Schulden hingegen werden nicht „mitgekauft“. Der Verkaufspreis fließt in die Masse des Insolvenzverwalters. Am Ende des Verfahrens werden die Verfahrenskosten abgezogen und die verbleibende Masse quotal an die Gläubiger ausgeschüttet.

Die Maßnahmen

Die Mängel, die dazu geführt haben, dass die Klinik geschlossen wurde, sind nach Angaben der Klinik beseitigt worden. Teilsanierungen sind in Arbeit oder bereits umgesetzt. Auch die Modernisierung der Stationszimmer ist demnach vorgesehen. Damit die Mängel nicht erneut auftreten, hat sich die Klinik einer Selbstverpflichtung unterworfen, in deren Rahmen ein zusätzlicher Maßnahmenkatalog umgesetzt wird. All dies führte dazu, dass die Schließungsverfügung aufgehoben wurde. In diesen Prozess eingebunden war auch Prof. Dr. Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universitätsklinik Bonn, eingebunden. Er und das Gesundheitsamt des Kreises werteten die Situation als „gesundheitlich unbedenklich“. Weiterhin finden in der Klinik regelmäßige Kontrollen statt. Die Zusammenarbeit mit dem Kreis Euskirchen und der Gemeinde Nettersheim wird von der Klinik als konstruktiv bezeichnet. Ziel und Mittelpunkt seien Standortsicherung und -erhalt.

Die Mitarbeiter

Als „abwartend gespannt“ beschreiben Boddenberg und Verwaltungsleiter Stephan Potthoff die Stimmung. Engagiert und motiviert werde in Marmagen gearbeitet. Aus dem Kreis der Belegschaft wurde eine zentrale Pflegekoordination eingerichtet, Schulungen sind erfolgt und werden fortgeführt. Die Zahl derjenigen, die aufgrund des Insolvenzverfahrens die Klinik verlassen haben, wird als verhältnismäßig gering bezeichnet. Mitarbeiter haben demnach gekündigt, wenn sie einen langen Anfahrtsweg hatten und sich ihnen eine wohnortnahe Alternative bot.

Nach Angaben der Klinik wurden bereits Neueinstellungen vorgenommen. „Eine erhebliche Anzahl liegt jedoch bei Rückkehrern oder bei Mitarbeitern, die die neue Entwicklung in der Eifelhöhen-Klinik begrüßen und inzwischen ihre Kündigung widerrufen haben“, schreiben Boddenberg und Potthoff in ihrer Mitteilung. Auch geben sie ein klares Statement ab: „Von der Klinik selbst wurden und werden auch in Zukunft keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen.“


 Das Schwimmbad

Weiterhin geschlossen ist das Schwimmbad in der Eifelhöhen-Klinik. Der Kreis hatte die Schließung angeordnet: Der Bereich ist als „gesundheitlich bedenklich“ eingestuft, da laut Kreis der nachträglich aufgebrachte Boden nicht „desinfizierend gereinigt werden kann“. Die Therapie der Klinik-Patienten im Wasser findet aktuell nicht statt.

Vor dem Start der Sanierung muss nach Angaben der Klinik auch ein Färbetest durchgeführt werden, der Aufschluss zur Strömungsqualität gibt. Vorgesehen ist, dass eine Fachfirma diesen am 18. Dezember durchführt. In Abhängigkeit der Ergebnisse werden anschließend die weiteren Sanierungsmaßnahmen festgelegt und umgesetzt.

Genutzt wird das Bad auch intensiv vom ebenfalls in der Klinik ansässigenTribea-Gesundheitszentrum. Wie dessen Geschäftsführer Gerald Schäfer berichtet, wurden für die meisten Kurse, die von jeweils 10 bis 15 Teilnehmern besucht werden, Ausweichquartiere in der Nachbarschaft gefunden: 15 Kurse finden nun im Bad im Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld statt, vier in dem der Grundschule Dahlem und zwei im Kaller Hallenbad. Einzig für die sieben Kurse, die freitags stattfinden, suche man noch nach einer Lösung.

„Alles, was nicht im Wasser ist, findet regulär in der Eifelhöhen-Klinik statt“, sagt Schäfer über die Tribea-Angebote in Marmagen. Froh und dankbar sei er, dass die Nutzung der Bäder ermöglicht werden könne. Das sei nicht selbstverständlich. Und dass dies für ihn und seine Kollegen einen größeren Organisationsaufwand bedeute, spiele keine Rolle.


Kölner Stadtanzeiger vom 10.12.2019 - Von Ramona Hammes

 

 

 

 
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