UNA Nettersheim

Dienstag, 12. November 2019
Eifelhöhen-Klinik stellt Insolvenzantrag

Geschäftsführung sieht keine positive Fortführungsprognose – Kreis weist Verdi-Vorwürfe zurück

Nettersheim-Marmagen. Die Befürchtungen der Mitarbeiter haben sich am Montagnachmittag bewahrheitet. Die Geschäftsführung der Eifelhöhen-Klinik Marmagen GmbH, einer rechtlich eigenständigen 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Eifelhöhen-Klinik AG, hat trotz derzeit hinreichender Liquidität die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Als Grund dafür wird der Wegfall einer positiven Fortführungsprognose, nachdem die vorläufige Einstellung des Klinikbetriebs in Marmagen angeordnet worden war, genannt.

Die übrigen Klinikstandorte der AG, die ebenfalls als eigenständige Gesellschaften betrieben werden, seien von diesem Insolvenzantrag grundsätzlich nicht betroffen. Gleiches gelte für die als Holding fungierende Aktiengesellschaft . Wie der Vorstand der AG mitteilte, sei jedoch nicht auszuschließen, dass es dort unter anderem zur Berichtigung im Jahresabschluss 2019 auf den Beteiligungswert der Eifelhöhen-Klinik Marmagen GmbH in Höhe von derzeit 1,5 Millionen Euro kommen könnte.

Vorstand nicht erreichbar

Unklar ist nun mehr denn je, wie es mit der Klinik und der Belegschaft weitergeht. Ziel der getroffenen Maßnahmen, so Bürgermeister Wilfried Pracht, sei ja auch gewesen, auf diese Weise die Fortführung der Klinik zu ermöglichen. Mit dem Konzern-Vorstand sei in der vergangenen Woche über eine Fortführungsprognose gesprochen worden. Seitdem, so Pracht, habe man den Konzern-Vorstand nicht mehr erreichen können. Ähnlich erging es auch dem Kreis. Anrufe bei der Eifelhöhen-Klinik Aktiengesellschaft endeten stets bei einer Bandansage.

Foto: Franz KüpperAuch in der Eifelhöhen-Klinik Marmagen GmbH, die 2010 aus der Aktiengesellschaft ausgelagert wurde, war die Führungsetage in der aktuellen Krise dünn besetzt. Der Geschäftsführer, so Pracht, sei derzeit erkrankt. In die Bresche gesprungen sei der Verwaltungsleiter, der gerade mal fünf Monate im Amt sei. Der, so sagte Pracht, mache einen großartigen Job, gerate aber unweigerlich an seine Grenzen.

Die Mitarbeiter hatten schon befürchtet, dass es zum Insolvenzantrag kommen könnte. Wie berichtet, wurden die Oktober-Gehälter nicht ausgezahlt. Bürgermeister Pracht hat dafür kein Verständnis: „Das die Leute kein Geld bekommen haben, ist inakzeptabel.“ Pracht sagt den Mitarbeitern seine Unterstützung zu.

Der Kreis Euskirchen weist derweil die Kritik von Verdi entschieden zurück, dass die Gewerbeaufsicht Missstände in der Eifelhöhen-Klinik offenbar nicht gesehen habe. Die zuständigen Ämter der Kreisverwaltung hätten die Eifelhöhen-Klinik seit geraumer Zeit weit über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus engmaschig kontrolliert. In Abstimmung mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat der Eifelhöhen-Klinik sei intensiv daran gearbeitet worden, die vorgefundenen Mängel abzustellen. Dies habe in der Vergangenheit auch zufriedenstellend funktioniert. Erst in jüngster Zeit seien die hygienischen Mängel aufgrund der Personalnot im Pflegebereich der Klinik so groß geworden, dass die Bezirksregierung Köln die Schließung verfügt habe.

Der Kreis Euskirchen verfolge das Ziel, dass die Eifelhöhen-Klinik nach der Beseitigung der Mängel wieder öffnen könne und die Arbeitsplätze damit erhalten blieben. Das Kreisgesundheitsamt stehe dafür in engem Austausch mit der Klinik.

Derweil läuft die Räumung der Klinik auf Hochtouren. Wie der Kreis mitteilte, seien am Wochenende überwiegend mobile Patienten nach Hause entlassen worden. Deutlich schwieriger und zeitaufwendiger sei es jetzt, Patienten in anderen Kliniken unterzubringen.

Weniger als 90 Patienten

Das bestätigte auch Nettersheims Bürgermeister Wilfried, Pracht, der am Montagabend den Gemeinderat über die prekäre Situation der Eifelhöhen-Klinik informierte. Er gehe davon aus, dass die Zahl der Patienten am Montagabend zwischen 80 und 90 liegen werde. Allerdings handele es sich jetzt um viele Akut-Fälle, für die nicht auf die Schnelle Betten zu finden seien. Durch die Reduzierung der Patienten, so Pracht, würden aktuell auch die Hygiene-Standards eingehalten. Er sei täglich in der Klinik und habe sich davon überzeugen können.

Nicht betroffen, so erklärte Kreispressesprecher Wolfgang Andres auf Anfrage der Redaktion, sei von der Schließung der Klinik das in der Eifelhöhen-Klinik untergebrachte Tribea-Gesundheitszentrum. Dies habe Landrat Günter Rosenke in einem Gespräch mit der Regierungspräsidenten Gisela Walsken erfahren. Die monierten hygienischen Mängel beträfen nicht die von Tribea genutzten therapeutischen Einrichtungen der Klinik.

Auf ihrer Homepage informierten die beiden Tribea-Betreiber am Montag ihre Kunden: „Da wir keine gegenteiligen Informationen erhalten haben, gehen wir zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass unsere Kurs- und Trainingsangebote in Marmagen wie gewohnt stattfinden können.“


MDB Markus Herbrand: "Die Schließung ist ein Totalschaden

Zur Schließung der Eifel-Höhen-Klinik in Marmagen aufgrund hygienischer Mängel erklärte der Kreis Euskirchener FDP-Bundestagsabgeordnete Markus Herbrand: „ Die Schließung der Eifelhöhen-Klinik ist für Mitarbeiter und Patienten ein Totalschaden.“ Die Angestellten stünden vor einer unsicheren Zukunft, den Patienten werde die Genesung erschwert und die Leidenszeit verlängert. Dass diese sich offenbar über längere Zeit andeutende Entwicklung sowohl von der Klinikleitung als auch vom Betreiber-Konsortium in Kauf genommen worden sei, sei erschreckend.

Offensichtlich sei das Management vor allem durch Profit-Streben und Unvermögen gekennzeichnet gewesen – aus Sicht von Herbrand keine Erfolg versprechende Kombination, wenn es um Gesundheit und Arbeitsplätze gehe.

Dass weder Mängelhinweise der Belegschaft noch die zahlreichen negativen Bewertungen der Patienten ernst genommen worden seien, sei ein Offenbarungseid für die Chefetage. Investitionen und Personalzuwachs seien ausgeblieben, obwohl beides überlebenswichtig gewesen wäre. Im Ergebnis drohe ein wichtiger lokaler Arbeitgeber zu verschwinden. Nun müsse alles versucht werden, das verloren gegangene Vertrauen wieder herzustellen. Dabei gehe nicht nur um die Eifelhöhen-Klinik. Vielmehr müsse spätestens jetzt auch die Frage gestellt werden, wie die Situation in den anderen von der Eifelhöhen-Klinik Aktiengesellschaft betriebenen Krankenhäusern in Bonn und Mönchengladbach aussehe. Sollte dort eine ähnliche Mängelwirtschaft vorliegen, könne das weitreichende Folgen haben. Die Betreiber müssten jetzt schnellstens dafür sorgen, dass keine Zweifel an ihrem Einsatz für die weiteren Kliniken und der Erfüllung aller Standards bei Personal, Versorgung und Hygiene aufkämen.

Es sollte zudem alles unternommen werden, die Arbeit am Standort Marmagen nach Erfüllung aller behördlichen Auflagen wieder aufnehmen zu können, damit die Arbeitsplätze nicht verloren gingen. In der Zwischenzeit, so Herbrand, sollte die Unternehmensführung der Belegschaft Hilfsangebote, etwa alternative Beschäftigungsmöglichkeiten und Transfer zu anderen Standorten, anbieten.


Kölner Stadtanzeiger vom 05.11.2019 - Von Christoph Heup

 

 
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