UNA Nettersheim

Samstag, 07. Dezember 2019
Eifelhöhen-Klinik wird geschlossen

Verfügung wegen gravierender Hygienemängel - 190 Patienten betroffen

Nettersheim-Marmagen. Die Eifelhöhen-Klinik in Marmagen wird geschlossen. Die vorläufige Betriebsschließung hat die Bezirksregierung Köln in Abstimmung mit dem NRW-Gesundheitsministerium angeordnet.

Zuvor war am 25. Oktober zunächst ein Aufnahmestopp für neue Patienten erlassen worden. Am Donnerstagmittag folgte die Entscheidung über die Schließung. Rund 190 Patienten und 300 Mitarbeiter sind betroffen.

Nach Angaben von Vanessa Nolte, Sprecherin der Bezirksregierung, wurden gravierende Hygienemängel festgestellt, die zur Weiterverbreitung von Krankheitserregern führen können. Dabei geht es laut Nolte um verschmutzte Trinkwasserbehälter, ungenügende Schutzmaßnahmen gegen multiresistente Keime, falsche Lagerung und falscher Einsatz von Medizinprodukten wie Wundauflagen, Operationsprodukte, Beatmungsprodukte oder Pflaster sowie nicht durchgeführte Flächen- und Händedesinfektionen. Zusätzlich sind Arzneimittel nicht korrekt gelagert und es gibt Auffälligkeiten beim Brandschutz. Als Hauptursache sieht sie Personalmangel in der Klinik.

Der Personalmangel

Keinen der Mängel bestreite er, so Betriebsratsvorsitzender Mike Milz. Doch die Ursache dürfe keinesfalls aus den Augen gelassen werden: „Die Pflege-Mitarbeiter, die in den vergangenen Wochen im Dienst waren, haben sich nichts zuschulden kommen lassen. Sie haben alles getan, was geht." Doch: Es seien eben viel zu wenige Mitarbeiter in dem Bereich. Die Situation habe sich über mehrere Jahre immer weiter verschärft. Inzwischen gebe es im Personal zahlreiche Langzeiterkrankte und Mitarbeiter, die gekündigt haben. Es seien von Mitarbeitern Hunderte Überlastungsanzeigen geschrieben worden. Bereits vor anderthalb Jahren habe man Vorstand, Aufsichtsrat und Geschäftsführung vor den sich anbahnenden Problemen gewarnt und später um die Reduzierung der Patientenzahl gebeten. Doch nichts sei geschehen.

Foto:Bernd ZimmermannGravierend wirke sich ein Vorstandsbeschluss aus, dass seit dem 1. Juli die Planung der Patientenaufnahmen in Bad Wünnenberg erfolge. Durch den Vorstand gebe es Vorgaben, wie viele Patienten aufgenommen werden müssen – eine Anpassung an den Personalstand sei nicht mehr möglich. Auswirkungen habe ebenfalls, so Milz, dass seit dem Frühjahr keine Belegung durch die Deutsche Rentenversicherung mehr erfolge. Dies seien in der Regel um die 70 mobile Patienten gewesen. Statt derer seien nun nicht mobile Patienten in der Klinik, die einen deutlich höheren Pflegebedarf haben.

Die Stimmung in der Belegschaft bezeichnet Milz nun als katastrophal. Noch am Donnerstagmorgen sei man optimistisch gewesen, erfolgreich alles getan zu haben, den Standort zu erhalten – eine Hoffnung, die sich wenige Stunden später zerschlug.

Die Schließung

Die Verfügung ist an den Kreis gegangen. Dieser teilte mit, dass Landrat Günter Rosenke die Gemeinde Nettersheim angewiesen habe, die Verfügung umzusetzen. Bis zum 8. November ist die Klinik demnach zu räumen.

Damit ist nun Nettersheims Bürgermeister Wilfried Pracht am Zug. Seit Montag sei er involviert. Es sei alles versucht worden, eine Lösung zu finden. Er, so Pracht, sei enttäuscht, dass das Team der Klinik nun keine Chance zur Umsetzung erhalten habe. Einen „Zwischenschritt" hätte er sich gewünscht. Grundsätzlich halte er die gesetzliche Lage, durch die die Gemeinde das letzte Glied der Kette ist, für bedenklich. Und: „Der Landrat schaut, wie der Bürgermeister Dinge tun kann, die unangenehm sind."

Nun gehe die Gemeinde in enger Abstimmung mit der Klinik die Räumung an. Pracht zufolge kann das Gros der 190 betroffenen Patienten entlassen werden. Deren Heimreise ist gemäß Kreis durch die Klinik zu organisieren, ebenso die Verlegung derer, die nicht entlassen werden können.

Die Zukunft

Ob die Schließung vorübergehend oder gar dauerhaft ist, vermochte Nolte nicht einzuschätzen. Sie sei so lange aufrecht zu erhalten, wie die Mängel bestehen. Wenn die Klinik ein Konzept vorlege und die Mängel behebe, stehe einer Wiederöffnung im Prinzip nichts im Wege.

Die Klinik

Am Freitag veröffentlichte die AG eine Ad-hoc-Mitteilung, gezeichnet von Dr. Markus-Michael Küthmann (Vorstandsvorsitzender) und Lothar Lotzkat (Vorstand). Man prüfe die inhaltlichen und rechtlichen Auswirkungen der Verfügung sowie deren wirtschaftliche Auswirkungen. Und: „In Abhängigkeit von der Dauer der verfügten Schließung ist dabei nicht auszuschließen, dass für den Geschäftsbetrieb der Eifelhöhen-Klinik Marmagen GmbH keine positive Fortführungsprognose gegeben sein könnte." Darüber hinaus war keine Stellungnahme zu erhalten.


DIE KLINIK

1970 wurde die Eifelhöhen-Klinik gegründet. Das 300-Betten-Haus ist eine Fachklinik für ambulante und stationäre innere Medizin, Orthopädie/Traumatologie und Neurologie.

In eine Aktiengesellschaft wurde das Unternehmen 1987 umgewandelt. Der Hauptsitz der börsennotierten Eifelhöhen-Klinik AG ist in Bonn. Zum Konzern gehören auch die Kaiser-Karl-Klinik GmbH in Bonn und die Herzpark Mönchengladbach GmbH. Beteiligt ist die AG zudem am Geriatrischen Zentrum Zülpich und an der Aatal-Klinik in Bad Wünnenberg.


Kölner Stadt-Anzeiger vom 02.11.2019 - Von Ramona Hammes

 

 
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