UNA Nettersheim

Samstag, 15. Dezember 2018
Tausende Festmeter Käferholz

Der trockene Sommer hat in den Wäldern im Kreis Euskirchen deutliche Spuren hinterlassen.

Kreis Euskirchen. Christoph Böltz, Leiter der Regionalforstamtes Eifel-Zülpicher Börde, ist realistisch angesichts der Lage: „Vor zehn Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich jemals so eine Anweisung rausgeben muss.“ Von seinen Leuten dürfen keine Einschläge vorgenommen werden, für die es noch keinen Vertrag mit einem Sägewerk gibt. Denn der europaweite, massive Borkenkäfer-Befall in den Wäldern hat den Holzmarkt binnen weniger Wochen verändert.

Hauptursache ist die Trockenheit in diesem Sommer. „Die Bäume verlieren an Vitalität und können den Borkenkäfern nichts entgegensetzen“, erläutert Nettersheims Gemeindeförster Wolfgang Schmieder. Normalerweise bekämpft die Fichte die winzigen Fressfeinde mit Harz, doch wenn sie nicht genug Wasser hat, reicht das nicht.

Die Nettersheimer Wälder liegen an der Grenze zwischen „geht noch“ und „schlimm“. Genaue Erkenntnisse gebe es noch nicht, aber nach seinen Beobachtungen sei die Wasserscheide zwischen Erft und Maas, die ungefähr entlang der Autobahntrasse verlaufe, die Grenze. „Nördlich davon, in Richtung Bad Münstereifel sind die Schäden stärker als südlich“, erläutert Schmieder.

Diese Beobachtungen bestätigt Dr. Ulrich Müller von Blumencron aus Wachendorf. Er ist Vorsitzender der Region Waldeifel im Waldbauernverband, in der 2500 bis 3000 kleine bis große Privatwaldbesitzer entweder direkt oder durch Forstbetriebsgemeinschaften organisiert sind. Mit „desaströs“ fasst er die Lage zusammen. Es gebe Betriebe, in denen zehn bis 20 Prozent der Fichten im kommenden Jahr infolge des Käferbefalls weg sein werden – die Eifel sei dabei weniger stark betroffen als die Niederungen. „Ein Hektar Wald war mal eine Spardose. Nun ist es ein Verlustgeschäft“, sagt Müller von Blumencron.

Foto: Stephan EverlingAuch der Boden tue, so Schmieder, das seine dazu. Während in Richtung Erft der kalkige Karstboden gut wasserdurchlässig sei, habe der Lehmboden südlich der Autobahn wahrscheinlich eine bessere Wasserspeicherungskapazität. „Es kann sein, dass die Grenze, ab der die Fichte noch eine Zukunft hat, genau durch Nettersheim läuft“, mutmaßt Schmieder.

Die Zahlen untermauern das. „Bis Ende dieses Jahres werden wir nach meiner Schätzung in Nettersheim rund 3500 Festmeter Käferholz haben“, erklärte Schmieder den Ausschussmitgliedern bei einer Bereisung zu einer Fläche bei Roderath.

Heftig getroffen hat es auch die Bad Münstereifeler Wälder. So wird nach Angaben des Revierförsters Stefan Lott von rund 4500 Kubikmetern Schadholz bis zum Jahresende ausgegangen. Zum Schadholz zählt demnach neben dem vom Borkenkäfer befallenen auch das durch Hitze und/oder Dürre geschädigte Holz.

Für manchen Waldbesitzer stellt sich die Lage offenbar durchaus dramatisch dar. Viele würden bei ihm anrufen und darum bitten, dass der Bestand auf ihrer Parzelle gefällt werden solle, berichtet der Nettersheimer Förster Wolfgang Schmieder. Doch das sei gefährlich: „Jeder Festmeter, der jetzt auf die Straße geht, ist eine weitere Gefahr für den Holzmarkt.“ Mittlerweile rät das Waldschutzmanagement des Landesbetriebs Wald und Holz dazu, befallene Bäume, die bereits vom Käfer verlassen worden sind, stehen zu lassen und nicht zu fällen.

Denn durch das Fällen der vom Borkenkäfer befallenen Bäume werden die restlichen Waldflächen instabil und anfällig für Stürme. Nicht nur deswegen hoffen die Forstleute auf einen ruhigen Winter ohne extreme Stürme. Denn wenn zusätzlich große Mengen Sturmholz den Markt überschwemmen würden, werde die Lage noch schwieriger.

Doch nicht nur der Borkenkäfer setzt den Wäldern in der Region zu. Unverändert sei die Lage bei der hohen Wilddichte. Dies demonstrierte Schmieder im Mürel bei Tondorf. Knapp kniehoch sind 25 Jahre alte „Bonsaibuchen“, zwischen die er eine drei Meter hohe, etwa sieben Jahre alte Buche stellte. „Die kommt aus Marmagen, wo mittlerweile intensiv bejagt wird“, berichtet Schmieder. Bei Tondorf seien bei der Frühjahrszählung auf einer Wiese 90 Stück Rotwild gezählt worden. „Wir müssen die Wilddichte verringern, wenn wir keine Steppe wollen“, so Schmieder. Das werde auch durch die hohen Buchen in dem Waldstück deutlich, die ungestört wachsen konnten, weil sie eingegattert waren.

Rolf Heller, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Blankenheim, habe, wie berichtet, ein Ziel von vier bis fünf Tieren auf 100 Hektar ausgegeben. „Ich wäre schon froh, wenn es 15 Tiere würden“, hofft Schmieder. Doch dafür müssten die Abschusspläne deutlich angehoben werden.


Die Fortsetzung

Die Flächen, auf denen die mit Borkenkäfern befallenen Bäume gefällt wurden, müssen wieder aufgeforstet werden. Die Verluste, die die Waldbesitzer bereits erlitten haben, können sich dann laut Dr. Ulrich Müller von Blumencron noch fortsetzen.

Sind Jungpflanzen verfügbar? Und zu welchem Preis? Das seien die ersten Fragen, die sich stellen. Es folge der bange Blick aufs Wetter. In einem trockenen Frühjahr sterben rund 30 Prozent der Pflanzen, weil sie schlicht „nicht angehen“. Das, so Müller von Blumencron, kenne man ja aus dem heimischen Garten.

Die Misere sei damit aber noch nicht beendet. Denn es müsse noch der Prozentsatz X einkalkuliert werden, den das Wild fresse: „Je nach Region dürften das zwischen 5 und 100 Prozent sein.“


Kölner Stadtanzeiger vom 10.11.2018 - Von Stephan Everling und Ramona Hammes

 

 

 
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