UNA Nettersheim

Freitag, 19. Oktober 2018
Die Sorge vor der großen Plage

Kreis Euskirchen. Während sich viele über den schönen, langen Sommer freuen, blicken die Forstleute mit Bangen auf die Wetterkarte. Denn das warme und trockene Wetter, das seit dem Frühjahr über Deutschland liegt, hat zu einer explosionsartigen Entwicklung der Borkenkäfer geführt.

Eigentlich möchte Christoph Böltz, Leiter des Regionalforstamts Hocheifel-Zülpicher Börde, keine Katastrophenstimmung aufkommen lassen. Es gelingt ihm aber nur bedingt. Denn, das wird aus Gesprächen mit ihm und anderen Experten deutlich, es besteht bis etwa Ende Oktober ein Zeitfenster von ungefähr sechs Wochen, bis die Borkenkäfer sich ein kuscheliges Winterquartier im Waldboden gesucht haben, um im Frühjahr die nächste Attacke auf die Fichtenforsten in der Eifel zu reiten.

„Ich habe mich schon über die Berichterstattung aus dem Nationalpark Eifel geärgert“, sagt Böltz. Dort, so wurde im Sommer vermeldet, sei der Borkenkäfer willkommen, weil er den Umbau des Waldes beschleunige. Doch für die Waldbesitzer sehe die Lage ganz anders aus. „Wenn jemand in Wald investiert hat, um sich damit eine Altersvorsorge zu schaffen, kann ihn der Borkenkäferbefall in finanzielle Probleme bringen“, schildert Achim Schmitz, Revierförster in Nettersheim, die Situation.

Das Verfahren, die Borkenkäferplage in Schach zu halten, ist bekannt: Die befallenen Bäume müssen gefällt und aus dem Wald transportiert werden, bevor die Larven geschlüpft sind. Doch das klingt einfacher, als es in Wirklichkeit ist. „Da das ein europaweites Problem ist, gibt es sowohl Kapazitätsengpässe bei der Fällung als auch beim Abtransport“, so Böltz. Außerdem sei der Markt für Frischholz verstopft. Das Holz, das jetzt notfallmäßig abgeholzt werden müsse, werde als Frischholz vermarktet. Damit könne das Holz, das eigentlich geerntet werden müsste, nicht abgesetzt werden, weil die Nachfrage befriedigt sei. „Wir versuchen natürlich, die Bäume zu vermarkten, bevor Schäden zu sehen sind“, so Böltz. Denn die Preise für Frischholz liegen bei 90 Euro pro Festmeter. Ein Festmeter Käferholz bringt dagegen nur noch rund 60 Euro.

Grundsätzlich sei es nicht nötig, die Stämme, die abgestorben sind, abzuholzen, sagt Böltz: „Von denen droht keine Gefahr, da ist der Käfer längst raus.“ Sie würden nur Kapazitäten binden. Doch es sei kaum zu vermitteln, dass vermeintlich gesunde Bäume gefällt würden, während die sichtlich kranken stehenblieben.

Und: „Jeder will der erste sein“, sagt Achim Schmitz: Jeder wolle, dass sein Borkenkäferbefall zuerst bekämpft wird und die Harvester anrücken, damit die Schäden nicht noch größer werden.

Jeden Tag ist er in den Wäldern unterwegs und entdeckt neue Schäden. „Ich würde mir wünschen, dass die Waldbesitzer auch selbst in ihre Bestände gehen und Schäden melden“, sagt er. Denn bislang sei angenommen worden, der Borkenkäferbefall konzentriere sich vor allem auf die tieferen Lagen und die Höhengebiete blieben verschont.

Doch Schmitz schwant Böses: „Wir bekommen es auch, nur mit Verzögerung.“ Mit jeder Woche, die ins Land gehe, zeigten mehr Bäume den Befall. „Da! Das sind die nächsten“, sagt Schmitz und zeigt in den Bestand, während er auf einer gerodeten Fläche steht. Die Gefahr kommt nicht aus den Bäumen, die bereits abgestorben sind, sondern aus denen, die noch scheinbar gesund aussehen. Außerdem müssen die befallenen Bäume so früh wie möglich gefällt werden, damit sie noch als Frischholz vermarktet werden können. Krankheitszeichen gibt es kaum. „Wenn genug Feuchtigkeit da ist, versuchen die Fichten, den Käfer mit Harz zu vertreiben. Doch bei der aktuellen Trockenheit ist das nicht möglich“, erläutert Schmitz. „Ein deutlicher Hinweis ist, wenn die Bäume grüne Nadeln abwerfen“, sagt Böltz. Deutlich sind diese dann auf dem Waldboden zu erkennen.

„Die jetzt geschlüpfte Generation geht nicht wieder in die Bäume, sondern versteckt sich vor dem Winter im Waldboden“, erläutert Böltz. Deshalb sei es so wichtig, die Bäume bis Ende Oktober aus dem Wald zu bekommen, so Böltz. Diese seien allerdings wegen der großen Nachfrage derzeit nicht erhältlich.


Kölner Stadtanzeiger vom 25.09.2018 - Von Stephan Everling

 

 
mod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_counter
Copyright © 2018 UNA Nettersheim. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.