UNA Nettersheim

Samstag, 22. September 2018
Beseitigung der Ruine rückt näher

Industriebrache Ruhr KG: Weitere Hürden auf dem schwierigen Weg genommen

Nettersheim-Buir. "Bisher war es ein zäher Prozess", sagt Achim Blindert, Geschäftsbereichsleiter der Unteren Bodenschutzbehörde beim Kreis Euskirchen, zum Thema Sanierung der Industrieruine der Ruhr KG bei Buir. Da das Areal rechtlich herrenlos ist - also keinen Eigentümer hat - war die Frage nicht einfach zu klären, wer für welche Sicherungsmaßnahmen und möglicherweise eine Beseitigung der Altlast zuständig ist. Als am Maifeiertag die Feuerwehr zu einem Brand zu dem Areal ausrücken musste (siehe "Feuer in Ruine"), wurde deutlich, dass das Areal nicht so verlassen da liegt.

Eines der größten Hindernisse auf dem Weg zur Beseitigung ist laut Blindert mittlerweile Geschichte: Eine Grundschuld auf das Gelände, die bei einer belgischen Bank lag, ist mittlerweile gelöscht. Das habe sich allerdings als kompliziert dargestellt. Zuerst sei keine Reaktion von der Bank gekommen, erläutert Blindert. Durch die die Einbeziehung eines belgischen Notars sei es gelungen, diese Hürde zu überwinden.

"Es ist die Frage: Wie wickelt man so etwas ab?", fasst er die zahlreichen Arbeitsschritte zusammen. Seit Herbst 2013 bemühen sich Kreis und Gemeinde Nettersheim, die Flächen der Ruhr KG, die einst fernab der Buirer Wohnbebauung Holz imprägnierte, zu sanieren - sprich abzureißen - und wieder zu renaturieren. "Es geht darum, das, was aufgebaut ist, zu recyceln", skizziert Nettersheims Bürgermeister Wilfried Pracht das Ziel.

Sicher ist nun, dass der Gesamtkomplex in zwei Einheiten aufgeteilt wird. Die Freiflächen, auf denen das behandelte Holz gelagert wurde, werden vom Landesbetrieb Straßen NRW übernommen. Sie sollen, wenn der Weiterbau der A 1 in Gang kommt, als Ausgleichsfläche renaturiert werden. Komplizierter verhält sich die Sache beim Bereich, auf dem die ehemaligen Betriebsgebäude stehen. Laut Blindert hat sich der Landesbetrieb nicht vorstellen können, diese Sanierung zu übernehmen.

Im vergangenen Jahr deutete sich dafür eine Lösung an. Durchführen wird die Sanierung der Verband für Flächenrecyling und Altlastensanierung (AAV) aus Hattingen, in dem sich das Land NRW, die Kommunen und die Wirtschaft engagieren.

Mittlerweile ist die Ruhr KG auch von der AAV priorisiert worden, so dass eine Beseitigung immer mehr näher rückt. Doch wie der eigentliche Sanierungsprozess vor sich gehen wird, ist noch nicht bekannt. Der Grund: Niemand weiß so genau, was möglicherweise unter dem Beton an Überraschungen wartet. "Wir haben Bohrungen durchgeführt, aber Genaues wissen wir noch nicht", sagt Blindert. Klar ist, dass in dem Gebäude die alten, immer noch satt nach Carbolineum riechenden Kessel auf ihre Entsorgung warten.

Mit einem mittleren sechsstelligen Betrag, so habe der Kreis vor Jahren bei einer groben Kostenschätzung ermittelt, sei zu rechnen. 80 Prozent soll die AAV übernehmen, so Blindert, 20 Prozent bleiben als Eigenanteil bei Kreis und Gemeinde Nettersheim. Finanziert werden solle dieser Eigenanteil aus Ersatzgeldern. Diese werden fällig, wenn durch Baumaßnahmen Eingriffe in die Umwelt erfolgen. Der Kreis erlegt sie beispielsweise einem Unternehmen auf, wenn dieses einen Parkplatz baut. Mit den Mitteln werden anschließend neue Bäume gepflanzt oder Umweltmaßnahmen finanziert.

Ein bürokratischer Vorgang steht allerdings noch zur Erledigung an, bevor die Experten des AAV anrücken können. Das Grundstück muss, damit es von dem Verband saniert werden kann, in Eigentum der Gemeinde sein. Aktuell ist es herrenlos. Und nur das Land - nicht aber eine Kommune - hat, erläutert Blindert, ein Aneignungsrecht. Also müsste das Land dieses Aneignungsrecht wahrnehmen und das Gelände dann an die Gemeinde weitergeben. Dies gestalte sich zwar noch schwierig, doch es sei eine Lösung in Sicht.

Mit Bürgermeister Pracht sei vereinbart, dass dieser den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW anschreibe, so Blindert. "Ich sehe Licht am Horizont", sagte er dazu.

Allerdings, das teilten Pracht und Blindert übereinstimmend mit, sei nicht damit zu rechnen, dass in diesem Jahr die Bagger anrollen. "Die eigentliche Aufarbeitung des Geländes ist noch zu kompliziert", erläutert Blindert. Zunächst müssten die Experten des AAV das Gelände untersuchen und ein Konzept erstellen, bevor tatsächlich die Arbeiten beginnen können. "Realistisch wird 2019 sein, dieses Jahr nicht mehr", sagt Pracht.


Kölner Stadtanzeiger vom 03.05.2018 - Von Stephan Everling

 

 
mod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_counter
Copyright © 2018 UNA Nettersheim. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.