UNA Nettersheim

Sonntag, 18. Februar 2018
Vorkommen sind deutlich gesunken

Das Gespräch mit Markus Thiel führte Stephan Everling

Markus Thies ist Fledermausexperte des Nabu und der Unteren Landschaftsbehörde beim Kreis. Er befasst sich seit Jahrzehnten mit den Lebensbedingungen in unserer Region.

Wie ist die Situation von Großem Mausohr und der Bechstein-Fledermaus?

  Das Mausohr-Vorkommen geht steil nach unten. Teils gibt es Verluste von bis zu 30 Prozent. Zählungen bis in die Eifel hinein zeigen, dass etwa die Hälfte der Tiere verschwunden ist.

Warum ist das denn so?

  Die Tiere werden nicht mehr satt. Im Januar 2016 habe ich eine Gruppe mit 40 Mausohren gesehen, die stark abgemagert waren und den Winter wohl nicht überlebt haben. Weibchen sind nach so einem Winter zu leicht und zu dünn, um trächtig zu werden, dann fehlt der Nachwuchs. Es gibt zuwenige Helfer, die die Wochenstuben auszählen. Für die Ergebnisse interessiert sich leider niemand.

Ist die Lage der Bechstein-Fledermaus ähnlich?

  Die Kontrolle ist noch schwieriger. Sie nutzt gerne Nisthöhlen. Bei Gerolstein wurden 2008 160 Bechstein-Fledermäuse in einem Kastenrevier gefunden. In den vergangenen drei Jahren konnte ich nur noch gut 60 Tiere der Kolonie nachweisen.

Wie ist die Situation der Fledermäuse in dem Bereich bei Tondorf?

  Wir haben Fledermäuse entlang der Trasse der A 1 kartiert. Eine Kolonie Bechstein-Fledermäuse ist im Bereich Dollendorf. Es ist oft schwer, die Nisthöhlen zu kontrollieren, wenn die in 25 Metern Höhe liegen. Im mittleren Ahrtal gibt es einen Mausohr-Kolonieverbund mit etwa 2500 Weibchen.

Wie beurteilen Sie die Pläne der Ausgleichsmaßnahmen?

  Man kann froh sein über jeden Wald, der für die Fledermäuse erhalten werden kann. Ich habe aber Sorge, dass das Totholz wegen der Verkehrssicherung gefällt wird. Das habe ich schon erlebt.

Wie entwickeln sich die Fledermaus- Lebensräume?

  Es wird den Fledermäusen immer mehr Lebensraum weggenommen - irgendwann ist Ende. Wer von Insekten lebt, ist der Dumme. Und wenn dann noch Gift in der Nahrung ist, wie jetzt, geht es mit den Bestandszahlen runter, wie das in den 1960ern vor dem Verbot von DDT und Lindan geschehen ist.


Kölner Stadtanzeiger vom 08.02.2018

 

 
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