UNA Nettersheim

Montag, 22. Januar 2018
Die Geschichte des alten Stritterhofs bei Marmagen
Donnerstag, den 11. Januar 2018 um 17:48 Uhr

 Nettersheim-Marmagen - Wenn Margrit Heinbach-Losenhausen an ihre Jugendtage zurückdenkt, gerät sie ins Schwärmen. „Das war Kindheit pur!“, sagt sie über die Zeit. Denn die Hellenthalerin ist in einer Umgebung aufgewachsen, gegen die der Ort Bullerbü aus den Büchern von Astrid Lindgren als urbaner Brennpunkt erscheinen muss. Losenhausens Elternhaus stand mitten im Nettersheimer Gemeindeforst.

Ein riesiger Lebensbaum markiert den Ort, an dem das Haus stand: das Forsthaus Stritterhof. Kein Schild weist Wanderer auf das fast vergessene Gut hin, das einst eines das älteste Häuser von Marmagen war. „Der Baum stand schon da, als wir hier gelebt haben“, erinnert sich Losenhausen. Ihr Vater, Paul Losenhausen, war Revierförster, so dass sie mit ihrer Familie dort lebte. 

Er war als „Fernsehförster“ in der Eifel bekannt, beriet Teams bei Dreharbeiten und ist einer der Gründer des Wildgeheges Hellenthal. Die Größen der Forstpolitik der 50er Jahre gingen im Haus ein und aus. „Im Stritterhof wurde Politik gemacht“, so Losenhausen. Prof. Dr. Lutz Heck, vor dem Zweiten Weltkrieg Direktor des Berliner Zoos, habe im Gartenzimmer seine Margarine-Sammelbücher verfasst, erinnert sich Losenhausen. Clemens Pick, ehemaliger Landtagsabgeordneter und Jagdpächter des Reviers um das ehemalige Forsthaus, kennt es aus eigener Erinnerung. Der Stritterhof sei bereits im zwölften Jahrhundert als Lehnshof von Steinfeld erwähnt worden. Heute erinnert nur noch der „Stritterhofer Weg“ in Marmagen an das einstige Gut. „Die Forsthäuser, die mitten im Wald standen, sind in den 1970er Jahren von der Forstverwaltung abgerissen worden“, weiß Pick zu berichten. Darunter seien auch Silberberg und Stritterhof gefallen.

Haus wurde marode

Foto: Stephan EverlingLosenhausen erinnert sich auch daran, wie marode das Haus war. „Der Nachfolger meines Vaters war recht tapfer und hat noch darin gelebt“, erzählt sie. Ihre frühesten Erinnerungen hat sie an das Forsthaus Silberberg, das in den letzten Kriegsmonaten von deutschen Soldaten als Unterkunft und Lager für Benzin und Munition genutzt wurde. Um dem Beschuss durch die Amerikaner zu entgehen, zog die Familie in ein benachbartes Blockhaus ohne Wasser und Toilette. „Wenn wir die Außentoilette benutzt hatten, mussten wir unsere Spur im Schnee mit Fichtenzweigen verwischen, damit wir den Tieffliegern nicht unsere Anwesenheit verrieten“, so Losenhausen.

Heute ist an der Stelle, an der damals das Haus stand, der Parkplatz zwischen Milzenhäuschen und Schmidtheim. Als in den letzten Kriegsmonaten der Aufenthalt in der Frontstellung Silberberg zu gefährlich wurde, brachte Losenhausen die Familie nach Stritterhof. Nach dem Ende des Krieges konnte er, da er Englisch beherrschte, recht schnell wieder Fuß in der Forstverwaltung fassen. Er blieb im Stritterhof und mit ihm seine Familie. „Die Engländer haben ihn um Rat gefragt, weil nach dem Krieg eine Wildschweinplage war“, beschreibt Losenhausen die Anfänge der Zusammenarbeit mit der Militärverwaltung.

 

Das Leben im Wald hatte seine Vorteile. Auf dem Hang am Haus lernten die Kinder Skifahren. Dort, wo noch einige Backsteinreste an die Einfahrt erinnern, sei eine Wiese gewesen, ein Stück weiter der Brunnen, von dem aus das Wasser geholt werden musste, bevor eine Pumpe installiert wurde. Der Weg zur Schule in Marmagen führte durch den Wald – im Winter mussten die Kinder durch den tiefen Schnee stapfen. „Wir hatten zwei Hausangestellte, heute wäre das ein Luxus, damals war das selbstverständlich“, erzählt sie.

Oft noch kommt Margrit Losenhausen an die Stelle, an der einst ihr Elternhaus stand. Ein Kastanienhain wird vom Nettersheimer Gemeindeförster Wolfgang Schmieder gepflegt. Auch ein Busch steht am Wegesrand, der damals schon da war. „Darin haben wir meinen Bruder drei Tage lang versteckt, weil mein Vater wütend auf ihn war“, erzählt sie schmunzelnd. Auf der Wiese, auf der einst die Rehe gespielt haben, stehen junge Fichten. Wohin sie auch sieht, sie erblickt Erinnerungen, wo heute der Wald ist.


Kölner Stadtanzeiger vom 09.01.2018 - Von Stephan Everling

 

 

 

 
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