UNA Nettersheim

Freitag, 15. Dezember 2017
"Via Velo“soll Urlauber in die Eifel locken – ADFC will dafür bessere Pflege

Blankenheim - Radfahrer in Blankenheim leben gefährlich. Mal sind Radwege mit Autos zugeparkt, oft mit Mist und Gülle übersät, manchmal dienen sie sogar als Rennstrecke für freilaufende Hunde. Einheimische Radler haben es – oft unter Schmerzen – gelernt, sich an diese Gegebenheiten anzupassen. Doch nicht alle Unfälle gehen glimpflich aus.

Am Wochenende stürzte ein 63-jähriger Tourist aus den Niederlanden auf dem Radweg, der von Blankenheim nach Nettersheim führt. Der Unfall geschah kurz vor dem Jagdhaus Mürel.

Polizeibeamte, die den Unfall aufnahmen, schrieben in das Protokoll, dass es dort „eine Vielzahl von acht Zentimetern tiefen Schlaglöchern“ gibt. „Der Unfall passierte an einer Gefällstrecke“, berichtete Polizeipressesprecher Lothar Willems. Der Radfahrer, der mit zwei Landsleuten unterwegs war, wurde so schwer verletzt, dass er mit dem Rettungshubschrauber in die Universitätsklinik Aachen geflogen werden musste.

Dieser Wirtschaftsweg ist nicht nur als offizieller Radwanderweg ausgeschildert, sondern auch Bestandteil der „Via Velo“. Dieser Rundweg zwischen Blankenheim und Nettersheim wurde vergangenes Jahr eröffnet. Startpunkte sind unter anderem die Touristinformationen der beiden Gemeinden. Im Internet wird mit der „Via Velo“ geworben, Touristen können sich ein Faltblatt herunterlanden

Mit Schlaglöchern übersät

Besichtigt man die Unfallstelle, die mitten im Wald liegt, so kommt man zu dem Ergebnis, dass die Polizisten bei der Unfallaufnahme ziemlich gute Arbeit geleistet haben. Denn in und nach einer steilen Abfahrt ist der Radweg mit Dutzenden Schlaglöchern übersät. Da sich die Schlaglöcher über die gesamte Breite des Weges erstrecken, ist ein Ausweichen ziemlich schwierig.

Foto: Johannes PuderbachDoch das ist nicht die einzige Gefahrenstelle zwischen Blankenheim und Nettersheim. An einer anderen Stelle sind seit einiger Zeit Waldarbeiter am Werk. Links und rechts des Weges sind Baumstämme gestapelt, der Radweg ist zentimeterhoch mit Ast- und Rindenstücken bedeckt. Auch auf dem weiteren Verlauf in Richtung Nettersheim gibt es immer wieder tiefe Schlaglöcher, gefährliche Querrinnen und loses Geröll.

Seit Jahren in schlechtem Zustand

„Wenn man sich fahrradfreundlicher Kreis nennt, dann darf sowas eigentlich nicht sein“, sagt Franz-Josef Hilger, Pressesprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) im Kreis Euskirchen. Hilger wohnt in Nettersheim und ist oft mit seinem Rad im Mürel unterwegs. Die Unfallstelle kennt er bestens.

Der Radweg zwischen Blankenheim und Nettersheim sei in sämtlichen Radkarten eingetragen, so der Radexperte. Hilger weiter: „Doch der Weg ist schon seit Jahren in einem solch schlechten Zustand, er müsste auf jeden Fall besser gepflegt werden.“ Denn ein Weg mit solchen Hindernissen sei für Radtouristen nicht geeignet. Sein Urteil: „Selbst Ortskundige, die mit vollgefederten Mountainbikes über diesen Weg fahren, müssen aufpassen, dass sie nicht ausgehebelt werden.“

Hierzulande würden immer wieder einfach Schilder für Radwege aufgestellt, und die Gemeinden machten anschließend Werbung für Fahrradtourismus. Doch dies genüge nicht den Ansprüchen, die radelnde Urlauber hätten.

Der ADFC, der als Interessenvertreter der Radfahrer gilt, werde bei der Ausweisung von Radwegen in der Eifel nicht gefragt, so Hilger. Andernorts sei das üblich, so zum Beispiel in der Stadt Euskirchen. In der Eifel gebe es auf jeden Fall noch weitere Radwege, die sich in einem sehr schlechtem Zustand befänden.

„Bei dieser Strecke handelt es sich nach wie vor um einen Wirtschaftsweg, auf dem man laut Vorschrift langsam fahren muss“, erklärte Erwin Nelles, stellvertretender Blankenheimer Verwaltungschef, auf Nachfrage. Man werde nun den Bauhof beauftragen, die Schlaglöcher zu stopfen. Außerdem überlege man, eventuell Warnschilder aufzustellen.

„Das Problem der schlechten Wegequalität ist leider nicht auf diesen Weg zu begrenzen“, räumt Marcus Sprung ein, der Fahrradbeauftragte des Kreises Euskirchen. Um einen gleichbleibenden Standard für bestimmte Radrouten zu gewährleisten, wäre ein kontinuierlicher Mitteleinsatz für die Unterhaltung erforderlich. Das sei einerseits natürlich wünschenswert, angesichts der kommunalen Finanzlage andererseits aber schwer zu realisieren. Letztlich müsste die Politik eine solche Grundsatzentscheidung treffen.


Kölner Stadtanzeiger vom 02.06.2017 - Von Johannes Puderbach

 

 
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