UNA Nettersheim

Mittwoch, 28. Juni 2017
Haselhuhn stoppt Windräder

Gutachter beobachtete zweimal ein lebendes Exemplar neben der Autobahn

Foto: Fotolia/Wim VerhagenNettersheim. Es ist ein Lebewesen, das noch nicht von vielen Menschen beobachtet wurde. In NRW steht das Haselhuhn wegen seiner Seltenheit auf der Roten Liste und gilt als besonders geschützte Art. Deshalb ist das Haselhuhn gerade in der Eifel immer wieder dazu geeignet, einen Strich durch Projektplanungen zu machen, die bisher unbebaute Bereiche betreffen. Bei den Planungen zum Lückenschluss der A1 stellt es einen der Faktoren dar, die das Fortkommen blockieren. Nun brachte es die Arbeiten am artenschutzrechtlichen Gutachten (ASF II) auf der Windkraftpotenzialfläche der Gemeinde Nettersheim zu einem jähen Ende.

Gutachter beobachtete zweimal ein lebendes Exemplar neben der Autobahn

Nettersheim. Es ist ein Lebewesen, das noch nicht von vielen Menschen beobachtet wurde. In NRW steht das Haselhuhn wegen seiner Seltenheit auf der Roten Liste und gilt als besonders geschützte Art. Deshalb ist das Haselhuhn gerade in der Eifel immer wieder dazu geeignet, einen Strich durch Projektplanungen zu machen, die bisher unbebaute Bereiche betreffen. Bei den Planungen zum Lückenschluss der A1 stellt es einen der Faktoren dar, die das Fortkommen blockieren. Nun brachte es die Arbeiten am artenschutzrechtlichen Gutachten (ASF II) auf der Windkraftpotenzialfläche der Gemeinde Nettersheim zu einem jähen Ende.

Dabei war das Haselhuhn nur eine der schützenswerte Arten, die die Gutachter schon nach wenigen Beobachtungsterminen in dem Gebiet neben der Autobahn A1 zwischen der Wildbrücke und dem Autobahnende zu Gesicht bekommen hatten. Schwarzstorch und Rotmilan konnten genauso nachgewiesen werden. "Wir haben dabei auch einen Horst des Rotmilans gefunden, der sich in der Nähe der Potenzialfläche befindet", erläuterte die Biologin Dr. Gudrun Biederbeck.

Foto: Fotolia/Wim VerhagenDie aufgezeichneten Flugrouten der Arten machten deutlich, dass Konflikte mit Windenergieanlagen in dem Bereich unvermeidbar wären, so die Gutachterin. Eine Beobachtung, die die Nettersheimer Ratsvertreter bereits im März 2015 bei ihrer Begehung zum Hochwasserschutz am Genfbach machen konnten.

Auch bei Fledermäusen wurden so starke Aktivitäten beobachtet, dass Konflikte des Artenschutzes mit dem Baurecht "ausgelöst werden können", wie das Gutachten vorsichtig formuliert. Großer Abendsegler, Rauhautfledermaus und Zwergfledermaus gelten als Arten, die von Windrädern besonders beeinträchtigt würden, bilanzieren die Autoren. Sie seien in mittleren bis hohen Aktivitäten festgestellt worden.

Die Funde der Biologen führten dazu, dass die Ende März 2016 begonnenen Erfassungen bereits Anfang Mai wieder abgebrochen wurden. "Eine weitere Vertiefung hätte keine neuen Erkenntnisse gebracht", sagte Biederbeck. Die zu erwartenden Konflikte seien bereits in dieser frühen Phase der Kartierung der dort lebenden Arten sichtbar geworden. "Das kommt sehr selten vor", so Biederbeck. Doch die Entdeckungen, die bereits in diesem Stadium gemacht wurden, könnten als Knock-Out-Kriterium angesehen werden.

Auch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises riet nach Lektüre des Gutachtens in ihrer Stellungnahme vom 11. Februar diesen Jahres dazu, den Standort aufzugeben. Interessant habe sie dabei besonders die Beobachtungen des Haselhuhns gefunden. "Zweimal ist ein Exemplar von einem Mitarbeiter gesehen worden", berichtete Biederbeck. Der Standort sei bisher bei der versteckt lebenden Vogelart noch gar nicht bekanntgewesen.

Einhellig war der Ausschuss für Forst und Landwirtschaft der Gemeinde Nettersheim vergangene Woche dafür, sich nach den Ergebnissen des Gutachtens den Empfehlungen der Fachleute anzuschließen und die Potenzialfläche D12, wie sie in der Potenzialanalyse der Gemeinde bezeichnet worden war, nicht weiter als möglichen Standort für Windenenergieanlagen zu verfolgen. "Wenn man es realistisch betrachtet, dann gibt es nur noch eine Fläche, die in Frage kommt", fasste Franz-Josef Hilger, Vorsitzender des Ausschusses die Diskussion zusammen.

Damit ist eine Fläche südlich von Marmagen gemeint, die in der Potenzialanalyse mit "E2" bezeichnet worden war. 15,88 Hektar ist sie groß und trägt den Flurnamen "Schweißbruch". Sollte der Rat dem Beschluss des Ausschlusses folgen, wird dort demnächst die gleiche artenschutzrechtliche Untersuchung stattfinden.


Artenschutz
Bei der Planung von Windkraftanlagen ist die artenschutzrechtliche Prüfung noch vor Änderung des Flächennutzungsplanes rechtlich vorgeschrieben. Nachdem in einem ersten Teil die mögliche Besiedelung durch geschützte Tierarten dargelegt wird, müssen im Bedarfsfall in einem zweiten Teil durch Begehungen und Beobachtungen mögliche Konflikte mit den Windenergieanlagen eingehend untersucht werden. Nicht nur für Vögel können die Anlagen eine Gefahr darstellen. Mehr und mehr geraten Fledermäuse in den Fokus der Gutachter. "Der Bestand des Großen Abendseglers ist in Rheinland-Pfalz massiv zurückgegangen", sagt Markus Thiel, Fledermausexperte des Nabu Kreis Euskirchen. Oft würden die Tiere gar nicht von den Rotoren erfasst, sondern ihre Atmungsorgane würden durch die massiven Druckunterschiede im Umfeld Schaden nehmen, das sogenannte "Barotrauma". Deshalb würden tote Tiere auch nicht unmittelbar unter Windrädern gefunden werden. Laut Dr. Gudrun Biederbeck könnte aufgrund der geringen Reproduktionsrate der Art schon der Verlust weniger Exemplare Folgen für den gesamten Bestand haben.


Kölner Stadtanzeiger vom 15.03.2017 - Von Stephan Everling

 

 

 
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