UNA Nettersheim

Mittwoch, 28. Juni 2017
Neue Jagdregeln zeigen Wirkung

Die Rotwild-Population und damit die Verbiss-Schäden sind im Nettersheimer Forst rückläufig

Nettersheim. Da geriet selbst der erfahrene Jäger ins Staunen. „So hätte ich mir das nicht vorgestellt“, sagte Hajo Baum und blickte fasziniert auf die kaum mannshohe Fichte, die vor ihm im Schnee stand. Denn der Nettersheimer Revierförster Wolfgang Schmieder demonstrierte, wie eindeutig an dem Wuchs des Baumes festgestellt werden kann, dass seit drei Jahren in dem Revier ein anderer Wind weht.

„Eins, zwei, drei - und da kam Schmieder“, zählte dieser die Zweigringe herunter, die die Wachstumsjahre des kleinen Baums andeuteten. Während sich im unteren Drittel des Stammes die Zweige dicht an dicht drängten, war deutlich zu sehen, wie sehr sich das Wachstum beschleunigt hat, seit das Jagdrevier in andere Hände gewechselt ist.

„Hier war früher ein extremer Verbiss“, so Schmieder. Er ist nicht nur Förster in Nettersheim und damit für die Erträge der Holzernte in der Gemeinde zuständig, sondern mittlerweile auch Vorsitzender des Hegerings Nettersheim.

Mit seinem Stellvertreter Hajo Baum gab er einen Einblick in das, was auch als „Wald-WiId-Konflikt“ bezeichnet wird. Eine zu hohe Wilddichte erfreut zwar das Auge des Jägers, führt aber dazu, dass das Wild auch die Bäume als Nahrung ansieht - die es sonst nicht so gerne nehmen würde. Das wiederum mindert die Menge und die Qualität des Holzes, das eingeschlagen werden kann.

Nettersheim war eine der Gemeinden, die über extrem hohe Bestände vor allem an Rotwild klagten. Drei Stück auf 100 Hektar gelten als ein naturgerechter Rotwildbestand. In Nettersheim wurden indes mehr als 20 Stück auf 100 Hektar gezählt. Seit vor zwei Jahren durch eine von den Gemeinden und dem Regionalforstamt Hocheifel-Zülpicher Börde durchgeführte Befliegung die hohen Rotwildzahlen bestätigt wurden, ist der Druck auf die Jägerschaft gewachsen, höhere Abschusszahlen vorzuweisen.

Dass dies nur durch Kooperation geht, ist ein vor allem vom Regionalforstamt propagiertes Vorgehen. In Nettersheim sind durch Schmieders Engagement in der Hegegemeinschaft auch personelle Gemeinsamkeiten entstanden. Der Förster hatte bereits vor zwei Jahren die Jagdstruktur in der Gemeinde verändert und für die Reviere nur noch einjährige Begehungsscheine ausgegeben statt der vorher üblichen langjährigen Verpachtung.

„Jagd ist Handwerk“, stellte Schmieder klar. Es sei also notwendig, die richtigen Handwerker zu finden, um die Pläne der Gemeinde zu verwirklichen. Schon nach wenigen Jahren veränderter Jagdtaktik sei zu spüren, dass die Wildmengen und damit auch der extreme Verbiss sich vermindert hätten. Rund 15 Stück Rotwild auf 100 Hektar gebe es zurzeit in den Nettersheimer Wäldern. Das ist zwar weniger als vorher, aber immer noch zu viel.

Hajo Baum ist mit seinen Söhnen einer derjenigen, der diese einjährigen Begehungsscheine erwirbt. Das System kannte er bereits aus dem Hellenthaler Revier, in dem er vorher gejagt hat, und er ist zufrieden damit.

Auch wenn er stolz Fotoalben mit zahlreichen Bildern prachtvoller Hirsche präsentierte, hat er sie nur mit der Kamera „geschossen“. Selbst mit 40 Jahren Jagderfahrung, so Baum, habe er noch keinen einzigen Hirsch erlegt. Seine Herangehensweise ist unromantisch, wie er darlegte: „Das Ziel des Jägers ist, die Wilddichte auf den Lebensraum anzupassen.“ Das sei ein Beitrag zur Biodiversität. Außerdem sorgten die Jäger so für ein gesundes und vor allem nachhaltiges Wildbret, fügte er hinzu.

Für Nettersheim hat die Rotwild-Hegegemeinschaft neue Jagdregeln eingeführt, die gerade bei Rotwild mehr Erfolg versprechen. „Dazu gehört zum Beispiel, dass wir nicht in ein Rudel hineinschießen“, erläuterte Baum. Zurzeit würden vor allem Schmaltiere, also junge Hirschkühe bejagt. Außerdem werde, anders als in anderen Revieren, bereits vor der Brunft gejagt. „Wenn die Brunft beginnt, haben wir bereits ein Drittel des Abschusses erledigt“, sagte Schmieder.


Kölner Stadtanzeiger vom 03.02.2017 - Von Stephan Everling

 
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