UNA Nettersheim

Montag, 15. Juli 2019
Ein Würfel in der Eifel eckt an
Mittwoch, den 17. November 2010 um 18:38 Uhr
Nettersheim. Es war eine kleine archäologische Sensation, was Kölner Studenten gemeinsam mit dem Wissenschaftler Salvatore Ortisi im vergangenen Jahr bei Ausgrabungen im Gebiet zwischen "Görresburg", "Steinrütsch" und "Auf der alten Gasse" zwischen Nettersheim und Marmagen zutage förderten: Neben dem bereits vor Jahrzehnten freigelegten Matronenheiligtum "Görresburg" stießen sie auch auf eine römische Kleinstadt (vicus) sowie zwei zeitversetzte spätrömische Befestigungsanlagen (burgi). Das Matronenheiligtum zog vor allem in den letzten Jahren Frauen aus ganz Europa an, die die ursprunglich keltische Tradition, an diesem Ort Opfer darzubringen, wieder aufleben ließen. Für sie wurde das Areal wieder zu einem spirituellen Ort. Die neuen Funde aber brachten Störendes mit sich.

Nach einer ersten Auswertung der neu entdeckten Schätze wurde aus Vertretern der Gemeinde und mehreren Planungsbüros mit internationaler Besetzung ein Projektteam zusammengestellt. Es sollte die historischen Funde im Rahmen eines "Archäologischen Landschaftsparks Eifel" für die breite Öffentlichkeit sichtbar und zugänglich machen. Unter anderem ist am Sakralgebäude an der "Görresburg" in einem ersten Entwurf ein Schutzbau aus Holz, ein Kubus, vorgesehen. Die Kosten für das Projekt werden mit 1,6 Millionen Euro kalkuliert, wobei mit einer 80-prozentigen Förderung im Rahmen der "Regionale 2010" gerechnet wird.

Seit die Pläne zur Errichtung des riesigen Würfels bekannt wurden, ging eine Welle der Empörung durch die Reihen der Matronen-Verehrerinnen. Seit Monaten treffen Protestschreiben nicht nur aus der Region, sondern auch aus dem benachbarten Ausland im Nettersheimer Rathaus ein: Der Kubus wirke als Fremdkörper und zerstöre das Landschaftsbild, sagen die Frauen. Daher gebe es keine Notwendigkeit für das Bauwerk. Dahinter steht letztlich die Vorstellung, dass ein intakter sakraler Bereich gestört werde.

Dabei reichte offenkundig allein die Präsentation des ersten Entwurfs für den Kubus aus, die Gemüter in Wallung zu bringen. Dabei ist dieser Vorschlag nur eine von mehreren Möglichkeiten bei der Entwicklung des "Archäologischen Landschaftsparks". Das Ergebnis sei noch völlig offen, sagt die Verwaltung.

Am Wochenanfang nun gab es eine neuerliche Informationsveranstaltung der Verwaltung zum aktuellen Stand der Planung. Nach diversen Fachvorträgen zu den Funden und dem "Archäologischen Landschaftspark" bestimmte der Kubus die Podiumsdiskussion, an der neben dem Bürgermeister Wilfried Pracht und einigen Experten auch zwei Anhängerinnen des Matronenkultes teilnahmen. Die Diskussion endete mit einem Kompromissvorschlag: Der Bürgermeister will Workshops einrichten, in denen sich alle Interessierten an der weiteren Planung beteiligen können. Einen Termin dafür gibt es schon - den 16 Dezember. 

Kölner Stadtanzeiger vom 17.11.2010 - Von Michael Greuel
 
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