UNA Nettersheim

Samstag, 25. Mai 2019
Keine „Freiheit für die Göttinnen“
Mittwoch, den 17. November 2010 um 18:24 Uhr
NETTERSHEIM - Die „Freiheit für die Göttinnen“, wie sie einige Kubus-Protestlerinnen auf Transparenten gefordert hatten, wird es nicht geben. „Wir müssen in die dritte Dimension gehen“, stellte Prof. Dr. Jürgen Kunow, Leiter des Amtes für Bodendenkmalpflege, vor gut 200 Zuhörern fest. Klar ausgedrückt bedeutet das: Es wird einen Bau über dem Matronenheiligtum geben - wenn es auch nicht zwingend der acht mal acht mal acht Meter große Kubus sein muss, den der ungarische Architekt Vasaros für die Tempelanlage „Görresburg“ entworfen hat.
Bis auf den letzten Platz besetzt war der Nettersheimer Dorfsaal, zahlreiche Besucher verfolgten die knapp dreistündige und gegen Ende turbulente Veranstaltung stehend mit. So verpasste zwar manch einer den ersten Teil der „Säulen der Erde“-Verfilmung im TV, sah dafür aber mit Spannung der angekündigten Podiumsdiskussion entgegen.

Empfangen wurden die Besucher vorm Eingang von drei als Matronen verkleideten Demonstrantinnen, die mit lauten „Huuuh“-Rufen auf sich aufmerksam machten, um sich dann schnell hinter einem weißen Laken zu verstecken - als Anspielung auf den Bau, der dem Heiligtum „übergestülpt“ werden soll.

Mit einem arg hinkenden Vergleich zum Pariser Eiffelturm eröffnete Moderator Ronald Morschheuser die Veranstaltung, was Gudrun Nositschka später zu der Bemerkung veranlasste, dieser stehe gewiss nicht auf drei Cellae.

Doch zuvor versorgten die Archäologie-Experten das Publikum mit reichlich Informationen: Prof. Dr. Salvatore Ortisi vom Archäologischen Institut der Uni Köln zu den Funden in Nettersheim, Dr. Imke Ristow von der Gemeinde zum geplanten Archäologischen Landschaftspark sowie Christoph Hölzer zum Projekt „Erlebnisraum Römerstraße“ der Regionale 2010. Dabei stellten die drei Fachleute noch einmal die Einzigartigkeit der römischen Kleinstadt entlang der antiken Trasse zwischen „Steinrütsch“ und „Görresburg“ in den Vordergrund: Etwas Vergleichbares werde man vermutlich nicht noch einmal finden.

„Wir wollen den Kubus verhindern“, wollte Nositschka ihren Redebeitrag überschreiben. Seitens der Gemeinde habe man ihr stattdessen nahe gelegt, doch „etwas über den Matronenkult“ zu erzählen. „Den kenne ich doch gar nicht“, stellte sie klar und nahm damit vorab Prof. Dr. Günther Horn den Wind aus den Segeln, dessen Matronen-Vortrag offensichtlich darauf abzielte, mit unbestätigten Mythen rund um die Matronen aufzuräumen. Doch die lieferte ihm seine Vorrednerin nicht.

Keine Chance für Weltkulturerbe

Stattdessen sprach Nositschka über die Faszination der Besucher für den Ort und kritisierte heftig, dass man die Nettersheimer Matronen-Expertin Sophie Lange, Trägerin des Rheinlandtalers, nicht in die Planung miteinbezogen habe: „Eine Frau, die so viel weiß.“ „Das könnt ihr sofort wieder vergessen“, wäre Langes Kommentar gewesen, so Nositschka.

Deren Vorschlag, das Matronenheiligtum als Weltkulturerbe zu beantragen, räumte Prof. Dr. Jürgen Kunow keine Aussichten ein.

Als Redeleiter Morschheuser nach umfangreichem Info-Teil und knapper Debatte recht abrupt das Ende der Diskussion ankündigte, empörten sich die Kubus-Gegner: Sie warfen dem Moderator Beeinflussung vor.

„Das ist doch jetzt abgesprochen“, konstatierte Monika Mengel, als Dr. Antonius Jürgens, Ausgrabungsleiter in den 70er Jahren, seine langatmige Wortmeldung vom Blatt ablas, während andere vergeblich versuchten, für sich Rede-Recht zu erlangen. Am 16. Dezember soll es um 19 Uhr im Naturzentrum eine erneute öffentliche Zusammenkunft zur Gestaltung des Bauwerks an der Tempelanlage geben.

Kölnische Rundschau vom 17.11.2010 - Von Renate Hotse
 
 
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