UNA Nettersheim

Dienstag, 22. Oktober 2019
Für den Kubus sprach sich niemand aus
Dienstag, den 16. November 2010 um 19:03 Uhr
NETTERSHEIM - Die Empörung war groß, als die Nettersheimer Verwaltung im Juli dieses Jahres den Entwurf eines Kubus veröffentlichte, der im Rahmen der Einrichtung eines Archäologischen Landschaftsparkes auf dem Matronenheiligtum „Görresburg“ in der Nähe von Nettersheim errichtet werden sollte. Dementsprechend gut besucht war am Montagabend eine Informationsveranstaltung der Verwaltung im Nettersheimer Dorfsaal.
Zu Beginn der vom Journalisten Ronald Morschheuser moderierten Veranstaltung referierten verschiedene Experten über die äußerst wertvollen archäologischen Funde, die zwischen „Görresburg“ und dem Gebiet „Steinrütsch“ gemacht wurden und alsbald in Form eines Archäologischen Landschaftsparks für Besucher erlebbar werden sollen. So stellte beispielsweise der verantwortliche Grabungsleiter Professor Salvatore Ortisi von der Universität Köln den Besuchern anhand eines bebilderten Kurzvortrages die in jüngster Zeit zutage geförderten Ergebnisse vor.

Die Archäologin der Gemeinde Nettersheim, Dr. Imke Ristow, erläuterte den mehr als 200 Besuchern daraufhin den ersten Entwurf für den Landschaftspark, der erarbeitet wurde, um Fördergelder beantragen zu können. Dabei deutete sie an, dass die darin enthaltenen Skizzen, auch die des Kubus, noch modifizierbar seien.

Podiumsdiskussion

Informationsveranstaltung KubusGudrun Nositschka, eine der Wortführerinnen der Kubus-Gegner, sprach ebenfalls zum Auditorium. „Wir müssen den Kubus verhindern“, begann sie. Ihre Faszination zum Matronenkult sei vor Jahren bei einer Führung auf der „Görresburg“ entstanden. Der Anblick der religiösen Stätte habe sie tief berührt. So sei es auch vielen anderen Menschen gegangen, sogar Gästen aus dem benachbarten Ausland. „Wenn der Kubus gebaut wird, sehen wir die nicht mehr wieder“, betonte die Wachendorferin. Zudem sei es aus ihrer Sicht falsch gewesen, die Nettersheimerin Sophie Lange, die sich seit langer Zeit intensiv mit dem Matronenkult auseinander setze, bei den Beratungen zum Umgang mit der „Görresburg“ außen vor zu lassen. „Diesen Fehler hat sich Bürgermeister Wilfried Pracht glücklicherweise bereits eingestanden“, führte Nositschka aus.

Über den Matronenkult aus wissenschaftlicher Sicht sprach Professor Heinz Günter Horn. Demnach seien in diesem Zusammenhang keinerlei kosmische oder gar „magische“ Bezüge belegbar. Daher sei der Tempelbezirk an der „Görresburg“ nicht außergewöhnlicher als andere antike Kultstätten.

Bei der folgenden Podiumsdiskussion, an der neben den Vortragenden außerdem die Nettersheimerin Claudia Golomb, Bürgermeister Pracht und Professor Jürgen Kunow vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) teilnahmen, erhitzten sich dann die Gemüter. So sprach die Kubus-Gegnerin Golomb dem Bürgermeister die Glaubwürdigkeit ab. „Ich glaube nicht, dass die Entscheidung in einem demokratischen Prozess gefällt wird. Sie wollten uns schon einmal mit ins Boot nehmen, und nichts ist passiert“, sagte sie, was ein Großteil des Publikums mit Pfiffen quittierte.

Bei den Fragen aus dem Auditorium wurde eines schnell deutlich: Die Errichtung eines Archäologischen Landschaftsparks wird von einer großen Mehrheit begrüßt, für den geplanten Kubus sprach sich allerdings niemand aus. Dabei sind die Gegner des Schutzbaus nicht allein bei Freunden des Matronenkults zu finden. Auch aus der Nettersheimer Bevölkerung war Ablehnung zu vernehmen. „Wir wollen da oben keinen solchen Kasten haben“, hieß es aus dem Publikum.

Pracht erklärte daraufhin, dass man seitens der Verwaltung durchaus bereit sei, über den ersten Entwurf nachzudenken. Dieser könne ja noch geändert werden. „Wenn wir eine tragfähige Lösung finden, können wir einen Änderungsantrag stellen. Die Fördermittel werden dadurch nicht berührt“, führte der Bürgermeister aus. Es seien daher drei Workshops geplant, bei denen alle Interessierten ihre Bedenken und Anregungen einbringen könnten. Das erste Treffen soll am Donnerstag, 16. Dezember, im Naturzentrum stattfinden. 

Kölner Stadtanzeiger vom 17.11.2010 - Von Michael Greuel 

Anmerkung der UNA: 

Zu diesem Bericht veröffentlichte der Stadt-Anzeiger drei Leserbriefe. Alle drei waren mit der Berichterstattung des Stadt-Anzeigers nicht einverstanden. Unserer Meinung nach ist die Kritik, die in den Leserbriefen an der Berichterstattung des Stadt-Anzeigers und insbesondere an Vorbereitung, Organisation und Verlauf der Veranstaltung im Dorfsaal zum Ausdruck gebracht wird, berechtigt.  

 
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