UNA Nettersheim

Sonntag, 17. November 2019
Über 100 Protestbriefe gegen Kubus
Freitag, den 05. November 2010 um 18:36 Uhr
Gegner sprechen von "Respektlosigkeit" - Informationsveranstaltung am 15. November

NETTERSHEIM - Ein Protest schlägt Wellen: Vor wenigen Tagen erreichte die Rundschau ein Brief aus Lübeck, in dem Aufanie Nettersheim Stellung zu den Planungen nimmt, über dem Matronenheiligtum auf der Görresburg in Nettersheim einen gläsernen Kubus zu errichten. „Dieser Plan hat mich geradezu bestürzt“, schreibt die Medizinstudentin. Und weiter: „Das monströs Käseglockenhafte seiner Glas- und Stahlkonstruktion in einem naturbelassen Umfeld nimmt dem Heiligtum seine Schlichtheit, Würde und Weihe.“
Aufanie Nettersheim ist die Tochter des Ministerialdirigenten Gerd J. Nettersheim, der im Bundesministerium der Justiz in Berlin beschäftigt ist. Die Familie Nettersheim verbinden enge Bande mit dem gleichnamigen Ort in der Eifel. 

Sogar Reaktionen in Wien und Berlin

Mehr als 100 Protestschreiben sind in den vergangenen drei Monaten bei Nettersheims Bürgermeister Wilfried Pracht und der Gemeindearchäologin Dr. Imke Ristow eingegangen als Reaktion auf den geplanten Kubus auf der Görresburg. 

Die Absicht, im Rahmen des archäologischen Landschaftsparks über dem Matronenheiligtum einen großen, würfelartigen Schutzbau aus Holz zu errichten, sorgte für blankes Entsetzen bei den Freundinnen und Freunden des Matronenkults - und das nicht nur in der Eifel, sondern auch in Berlin, Hamburg, Wien oder Belgien.

Deren Sprecherinnen, Gudrun Nositschka und Claudia Golomb, fassten nun 63 Briefe zusammen, ließen etliche Exemplare dieser Sammlung drucken und verschickten diese Dokumentation geballten Protestes an die Fraktionsvorsitzenden im Nettersheimer Gemeinderat, an die Kreistagsfraktionen sowie an zuständige Mitarbeiter beim Landschaftsverband Rheinland und der Bezirks- und Landesregierung. 

„Wir fordern Sie nachdrücklich auf, diesen Vorgang zu stoppen. Noch ist es Zeit!“ lautet der eindringliche Appell im Anschreiben an die Empfänger. Mit deutlichen Worten sparen sie darin nicht: Eine „Respektlosigkeit“ sei der Bau des Kubus sowohl dem Heiligtum als auch den zahlreichen Menschen gegenüber, die es in der jetzigen Form aufsuchten und schätzten.

Er zerstöre nicht nur das Landschaftsbild, sondern vertreibe Menschen, die seit Jahren als Touristen gerade wegen des unverbauten Heiligtums Nettersheim besuchten und anderen diesen Platz weiterempfehlen würden. Die Kosten in Höhe von 200 000 Euro, von denen 40 000 Euro die Gemeinde selbst zu tragen hat, seien eine fragwürdige Verwendung von Steuergeld.

Nositschka und Golomb hoffen, zu Wort zu kommen, wenn am 15. November um 19 Uhr in Nettersheim im Dorfsaal eine Versammlung stattfindet. Nositschka hatte befürchtet, dass bei diesem Termin eine Diskussion möglicherweise gar nicht erwünscht sei, weil die Gemeinde selbst nur von einer Informationsveranstaltung spreche. Dem widerspricht Wilfried Pracht, der erläutert, dass auch eine Podiumsdiskussion geplant sei. 

„Ich begrüße durchaus die Diskussion über das Projekt“, erklärte Pracht gestern. Im Bauausschuss der Gemeinde werde bereits einen Tag nach der Infoveranstaltung über die Einwände beraten. Pracht will außerdem über die unterschiedlichen Module des Archäologieprojekts in weiteren Workshops diskutieren lassen. Derzeit sei noch vieles offen, auch die Errichtung des umstrittenen Schutzbaus sei derzeit noch in der Planungsphase. „Wir wollen für Nettersheim ein Kulturerlebnis fördern. Wie wir das machen, ist noch ergebnisoffen“, fasst er zusammen. In der Ratssitzung am 14. Dezember sollen allerdings bereits erste Festlegungen getroffen werden. Fertiggestellt werden könne der archäologische Park, der 1,6 Millionen Euro kostet und mit EU- und Landesmitteln errichtet wird, voraussichtlich bis zum Jahr 2014.

„Ich habe den Damen gesagt, bringt mir eigene Vorschläge“, sagte der Bürgermeister zu den vielen kritischen Stimmen. Alternativen müssten allerdings auch begründbar sein. 

Kölnische Rundschau vom 04.11.2010 - von Renate Hotse und Klaus Pesch
 
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