UNA Nettersheim

Dienstag, 22. Januar 2019
Mehr Schutz für Schwarzstörche als für Menschen?
Sonntag, den 22. März 2015 um 10:50 Uhr

Eine Potenzialanalyse für Windräder in Nettersheim stößt bei der Politik auf viel Kritik. Die Gutachter hätten sich nicht an die im Rat beschlossenen Abstände gehalten. Sogar der Schwarzstorch bekäme mehr Schutz als der Mensch.

Nettersheim. Gleich auf mehreren Gebieten kommt Bewegung in die Nutzung der Windenergie in der Gemeinde Nettersheim. Während am Dienstagabend im Bauausschuss die langersehnte Potenzialanalyse vorgestellt wurde, sind in den vergangenen Wochen in der bestehenden Windkraftkonzentrationszone neue Mühlen aufgestellt worden.

Die Potenzialanalyse war vom Gemeinderat in Auftrag gegeben worden, um nach dem 1996 erstellten Bielstein-Gutachten zu untersuchen, ob im Gemeindegebiet eine weitere Zone für Windräder ausgewiesen werden kann. Den letzten Anstoß gab vor Jahresfrist der Vorstoß eines Investors, der plante, auf dem Gebiet des Gutes Horrido Windkraftanlagen zu errichten.

Foto: Stephan EverlingDas Gutachten, das Bernd Niedermeier von der Planungsgruppe MWM in Aachen in der Sitzung vorstellte, kommt zu dem Schluss, dass, wenn das Offenland im Gemeindegebiet alleine betrachtet wird, es nicht möglich ist, eine zusammenhängende Zone auszuweisen. Dazu haben die Gutachter Tabuzonen um Siedlungen, Gehöfte und auch naturschutzrelevante Punkte gezogen. Danach kämen im Offenland nur 0,44 Prozent der gesamten Gemeindefläche in Frage. Damit sind die Voraussetzungen erfüllt, um auch im Wald nach möglichen Flächen für Windmühlen zu suchen. Wie Niedermeier darlegte, gibt es dafür im Gemeindegebiet fünf mögliche Bereiche. Am besten geeignet sei eine Fläche, die nördlich der Wildbrücke an der Autobahn liegt.

Die Reaktion der Ausschussmitglieder war verhalten. Franz-Josef Hilger (UNA) erinnerte daran, dass seine Partei genau diese Flächen bereits 2011 vorgeschlagen habe. Er beklagte allerdings, dass das Gutachten den Politikern bislang noch nicht vorliegen würde, und sie deshalb nicht in der Lage seien, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Bürgermeister Wilfried Pracht wies darauf hin, dass das Gutachten derzeit vom Rechtsbeistand der Gemeinde noch unter Lupe genommen werde. Spontan kritisierte Herbert Falkenberg (CDU) das Ergebnis der Untersuchung. Er sei grundsätzlich für Windkraft, doch dies könne so nicht hingenommen werden. Schließlich entsprächen die Abstände, die die Gutachter als Grundlage genommen hätten, nicht dem, was im Rat beschlossen worden wäre. „Hier wurde mit 800 Metern Abstand gearbeitet, dabei erinnere ich mich, dass wir uns im Rat auf 1400 Meter geeinigt haben“, sagte er. Außerdem monierte er, dass die Tabuzonen für Milane und Schwarzstörche größer gewählt worden seien als die für Menschen.

Entscheidung vertagt

„Dies ist ein erster Gedankenaustausch“, meinte Pracht über die Diskussion, die trotz der bei diesem Thema oft hochschießenden Emotionen sachlich verlief. Abschließend vertagte der Ausschuss die Entscheidung über das weitere Vorgehen in die nächste Sitzungsperiode, um weitere Beratungen möglich zu machen.

Pracht gab außerdem bekannt, dass das Windrad, das seit mehreren Jahren stillgelegt in der Windkraftzone in Engelgau steht, mittlerweile einen neuen Besitzer hat. Dieser plane den Abriss, um anschließend im letzten freien Baufenster eine neue Windkraftanlage zu errichten. Zwei weitere werden derzeit aufgebaut und in den nächsten Wochen in Betrieb genommen.


Kölner Stadtanzeiger vom 13.03.2015 - Von Stephan Everling

 

 

 

 
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