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Montag, 15. Juli 2019
Kommunen als Stromversorger
Donnerstag, den 25. September 2014 um 18:26 Uhr

Eine neue Gesellschaft mit dem Namen Energie Rur-Erft soll in der Region gegründet werden. Das hat weitreichende Folgen. Bis zum Ende kommenden Jahres haben die Kommunen Zeit, über eine mögliche Beteiligung zu entscheiden. 

Eifel/Blankenheim. Der Strom, der aus den Eifeler Steckdosen fließt, wird zwar nach wie vor 220 Volt Spannung haben, doch hinter den Kulissen werden sich demnächst einige grundlegende Dinge ändern. Denn nach mehrjährigen Verhandlungen können sich nun die Eifeler Kommunen an dem Stromversorger Energie Nordeifel (Ene) mit Sitz in Kall beteiligen.

Bisher gehört dieses Unternehmen, das vielen älteren Bürgern noch unter dem Namen KEV bekannt ist, jeweils zur Hälfte dem Kreis Euskirchen und der RWE Deutschland AG. Künftig sollen diese beiden Partner nur noch mit jeweils einem Drittel an der Ene beteiligt sein, das letzte Drittel können die Kommunen im Versorgungsgebiet erwerben. Dieses ist weitgehend identisch mit dem Altkreis Schleiden. Änderungen gab es zuletzt, als Bad Münstereifel der Ene die Stromkonzession für das gesamte Stadtgebiet zusprach, während Mechernich es vorzog, zusammen mit RWE eine eigene Gesellschaft zu gründen.

Die betroffenen Kommunen werden eine neue Gesellschaft gründen, die den Namen Energie Rur-Erft (Ere) trägt. Die Beteiligungsquote und damit die Höhe des Kaufpreises hängt vereinfacht gesagt davon ab, welchen Wert das Stromnetz im entsprechenden Gemeindegebiet hat (siehe Tabelle). Für die Kommunen Mechernich, Zülpich und Weilerswist sollen sogenannte symbolische Anteile in Höhe von insgesamt drei Prozent vorgehalten werden, über deren Veräußerung später entschieden werden kann.

Die Gesamthöhe des Kaufpreises für ein Drittel der Ene liegt nun bei 15 337 500 Euro. Bevor man sich auf diese Summe einigte, waren lange Debatten notwendig. Denn ein erstes Gutachten aus dem Jahr 2012, das vom Kreis und RWE in Auftrag gegeben worden war, hatte den Unternehmenswert mit 48,5 Millionen Euro beziffert. Dieser Betrag wurde von so manchen Kritikern als zu hoch empfunden, woraufhin die Stadt Mechernich ein Jahr später ein weiteres Gutachten in Auftrag gab, das die Ene mit lediglich 43,7 Millionen Euro bewertete. Das nun gültigen Kaufangebot beruht auf einem Mittelwert von 46 Millionen Euro.

Nach und nach beraten nun alle betroffenen Parlamente über die Angelegenheit. So befasst sich am Donnerstagabend der Blankenheimer Hauptausschuss mit der geplanten Beteiligung. „Ich rechne mit einer breiten Zustimmung“, meinte Erwin Nelles, der stellvertretende Rathauschef. Denn in der Vergangenheit habe sich die Politik bereits mehrfach mit der Thematik auseinandergesetzt. Zu dem nun vorliegenden Vertragsentwurf habe er noch keinen Widerspruch vernommen.

Bis zum Ende kommenden Jahres haben die Kommunen Zeit, über eine mögliche Beteiligung zu entscheiden. Sollte die eine oder andere nicht mitmachen wollen, so will man anschließend klären, was man mit diesen Anteilen macht.

Für die kleinen Eifeler Kommunen ist diese Beteiligung ein großer Schritt. So muss Blankenheim gut zwei Millionen Euro aufbringen. Da die klamme Kommune so viel Geld nicht auf der hohen Kante hat, will man angesichts der derzeit extrem niedrigen Zinsen von unter drei Prozent einen langfristigen Kredit aufnehmen. Im Gegenzug rechnet man mit einer Rendite der Beteiligung von rund sieben Prozent. Treffen alle Vorhersagen ein, würden die Kommunen also ein gutes Geschäft machen.

„Doch ganz so einfach ist die Angelegenheit nicht“, erklärte Nelles. Denn im komplizierten Geflecht zwischen den einzelnen Kommunen und dem Kreis löst ein solcher Akt auch manche Nebenwirkung aus. So nutzt der Kreis seinen Anteil aus dem Gewinn der Ene, um das Defizit des öffentlichen Nahverkehrs zu mildern. Da der Ene-Anteil des Kreises sinkt, wird das ungestopfte Loch im Nahverkehr größer. Nelles: „Die Kommunen werden folglich in Zukunft eine höhere Nahverkehrsumlage zahlen müssen.“

Die Beteiligung an der Ene soll nur ein erster Schritt sein. Denn in vielen Kommunen würde man auch gerne in die Stromerzeugung einsteigen. So gibt es zum Beispiel nicht nur in Blankenheim Pläne, Windräder auf Gemeindegrund aufzustellen und diese mit Bürgern und einheimischen Unternehmen zu betreiben. Doch diese Vorhaben stocken zur Zeit.


Kölner Stadtanzeiger vom 24.09.2014 - Von Johannes Puderbach

 

 
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