UNA Nettersheim

Dienstag, 22. Januar 2019
Storch stoppt Bau von Windrädern
Donnerstag, den 20. Juni 2013 um 17:55 Uhr

Eigentlich sollte die defizitäre Blankenheimer Haushaltskasse mit Erträgen aus der Nutzung von Windenergie aufgefüllt werden. Jetzt wurde in Mürrel ein Horst eines Schwarzstorches entdeckt. Damit ist das Projekt gefährdet. 

Blankenheim. Die Hoffnungen der Kommunalpolitiker, die defizitäre Blankenheimer Haushaltskasse mit Erträgen aus der Nutzung der Windenergie zu füllen, haben einen heftigen Rückschlag erlitten.

Denn bisher war angedacht, im Gemeindegebiet zwei weitere Windkraftkonzentrationszonen zu errichten: eine im Waldgebiet Mürrel beim Hauptort und eine in einem Waldgebiet an der Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz, das hinter Dollendorf liegt.

Windkraftpläne für Mürrel gestoppt

Doch im Mürrel hat ein von der Gemeinde beauftragter Ornithologe den Horst eines Schwarzstorches entdeckt. Dies ist ein absolutes Ausschlusskriterium für die Aufstellung von Windrädern. Deshalb stoppte die Gemeinde die Windkraftpläne für den Mürrel sofort.

Der Horst im Mürrel liegt direkt hinter der Gemeindegrenze auf Nettersheimer Gebiet. Er wurde bei einer Winterbegehung in einer Fichtenkrone entdeckt. Den privaten Grundstückseigentümern war der Horst schon eine Zeit lang bekannt, der unteren Landschaftsbehörde und dem Naturschutzbund hingegen noch nicht. Unterhalb des Horstes entdeckte der Ornithologe Federn.

Ein solcher Fund gilt als Beleg dafür, dass in dem Horst Jungtiere aufgezogen werden. Dieser Horst gilt deshalb nicht nur als Nahrungshabitat, sondern auch als Fortpflanzungsstätte. In rund 100 Metern Entfernung wurde ein weiterer Horst entdeckt, der als Wechselhorst genutzt wird.

Jungtiere in Gefahr

Zusammen mit den guten Nahrungsbedingungen für Schwarzstörche in den nahe gelegenen Nebenbächen des Genfbachs und der Urft ergibt sich eine Fortpflanzungsstätte, die nach Bundesnaturschutzgesetz nicht beschädigt werden darf.

Da die angedachten Standorte näher als einen Kilometer liegen, „würde sich bei Windenergienutzung das Tötungsrisiko für den lokalen Schwarzstorch höchstwahrscheinlich signifikant erhöhen“, heißt es in einer Vorlage für den Ausschuss für Gemeindeentwicklung. Denn es sei damit zu rechnen, dass „Jungtiere auf dem Weg zu den nahe gelegenen Nahrungshabitaten in die Rotorblätter gelangen“ könnten.

Die scheuen Schwarzstörche verhindern im Großraum Blankenheim die Umsetzung zahlreicher Infrastrukturprojekte. So darf zum Beispiel in der Windkraftzone Rohr/Reetz nur noch eins statt drei Windrädern aufgestellt werden, weil im Tondorfer Wald ebenfalls ein Schwarzstorchennest gefunden wurde. Windräder müssen einen Mindestabstand von drei Kilometern zu Schwarzstorchhorsten einhalten.

Auch im Bereich des angedachten Lückenschlusses der Autobahn 1 wurden nicht nur Haselhühner, sondern auch Schwarzstörche nachgewiesen. Nicht nur Autobahnen, sondern sogar Radwege dürfen im Bereich von Schwarzstorchnestern nicht gebaut werden. Deshalb darf zum Beispiel der Urfttalradweg nicht bis nach Schmidtheim verlängert werden.

„Wir haben großen Respekt vor den Artenschutzrichtlinien. Deshalb haben wir die weiteren Untersuchungen für die Nutzung der Windkraft im Mürrel sofort gestoppt“, sagt Bürgermeister Rolf Hartmann (parteilos).

Denn beim Artenschutz könne man nichts reparieren. „Wir als Gemeinde haben von vorne herein gesagt, dass wir alle Belange korrekt prüfen werden, und daran halten wir uns“, so der Bürgermeister weiter.


Kölner Stadtanzeiger vom 19.06.2013 - Von Johannes Puderbach

 

 
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