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Sonntag, 24. März 2019
Zwei Flächen empfohlen
Freitag, den 17. Mai 2013 um 20:25 Uhr

Hellenthal. „Windkraft polarisiert. Man bewegt sich in einem Spannungsfeld von total dagegen bis total dafür.“ Die Worte des Hellenthaler Bürgermeisters Rudolf Westerburg während der Bürgerversammlung zur Ausweisung neuer Windkraft-Konzentrationszonen im Gemeindegebiet Hellenthal waren zutreffend – wie sich wenig später herausstellen sollte.

Bevor die teilweise hitzige Diskussion über Sinn und Unsinn von Windkraftanlagen und Energiewende beginnen konnte, klärte Diplom-Ingenieur Norbert Hellmann die Bürger über das Verfahren zur Ausweisung neuer Flächen für Windkraftanlagen auf.

Laut Hellmann habe man zunächst die sogenannten Tabu-Zonen aufgelistet. Dabei handele es sich um Siedlungs-, Vogelschutz- und Naturschutzgebiete wie etwa Biotope. Wichtig sei auch gewesen, dass man das Vorkommen von Tieren erfasst habe, die durch den Betrieb von Windkraftanlagen gefährdet seien.

So ist laut Hellmann etwa der Rotmilan in akuter Gefahr, weil er bei der Suche nach Beute nur den Boden im Auge behält und die Windkraftanlagen mit ihren rotierenden Blättern nicht bemerkt.

In Hellenthal gebe es außerdem noch den Sonderfall der Greifvogelstation. Mit deren Betreibern habe man eine Pufferzone vereinbart, in der sich keine Windräder drehen dürften. Zu Siedlungsgebieten müsse die Windkraftanlage auch bestimmte Abstandsflächen einhalten, erklärte der gelernte Landschaftsarchitekt weiter. So gebe es den Mindestabstand von 600 Metern zu Gebäuden im städtischen Innenbereich sowie von 450 Metern zu Bauten im Außenbereich. In Hellenthal habe man diesen Abstand auf jeweils 1000 Meter erhöht. Dies ist laut Hellmann aber kein Problem, da dies im dünn besiedelten Gemeindegebiet die Anzahl und Größe von Windkraftzonen kaum beeinträchtige. Ein weiteres Kriterium zur Findung von möglichen Flächen sei die Größe der Gebiete gewesen, erläuterte Hellmann. Für Konzentrationszonen benötige man mindestens drei Windräder sowie 15 Hektar Fläche. Dadurch seien bereits viele Gebiete durchs Raster gefallen.

Nachdem geeignete Areale gefunden worden seien, habe man diese noch auf ihre Windhöffigkeit, Nutzungsart, Lage zu nächstgelegenen Siedlungen sowie ihre Bedeutung für Naturschutz, Artenschutz, Landschaftsbild und Tourismus untersucht. Schließlich seien drei Potenzialflächen übrig gelieben: „Wiesenhardt“ (westlich der Oleftalsperre, 231 Hektar groß), bei Hollerath (570 Hektar) und bei Oberreifferscheid“ (22 Hektar). Die Fläche bei Oberreifferscheid habe man indes ausgeschlossen, da es dort bereits eine Windkraftanlage gibt. Die beiden anderen Flächen seien zur Ausweisung von Windrädern empfohlen worden.

Nach der Präsentation hatten die Bürger die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Kritik zu üben. Einer der Teilnehmer sprach davon, dass es ihn als Wanderer zwar nicht erfreue, den „ganzen Stangensalat zu sehen“, ihm das aber „tausendmal lieber sei als ein in die Luft fliegendes Atomkraftwerk“. Ein anderer schimpfte auf die „Umweltfreaks“ und erklärte, dass ein Abschalten der Atomkraftwerke in Deutschland deshalb sinnlos sei, weil in Frankreich, Belgien und den Niederlanden immer noch welche betrieben und gebaut würden.

Das von Bürgermeister Westerburg genannte Spannungsfeld war deutlich zu spüren, so dass der Bürgermeister einige Redner zu mehr Sachlichkeit auffordern musste.

Ein Thema in der Fragerunde war auch das wirtschaftliche Potenzial der neuen Windkraftanlagen. So wollte eine Frau wissen, was die Gemeinde an den Windrädern verdiene. Westerburg erklärte, dass die Gemeinde zwar keine Grundstücke in den Windkraftzonen besitze, es ihr aber dennoch möglich sei, sich an Windrädern zu beteiligen. In dieser Hinsicht gebe es verschiedene Modelle. In jedem Fall solle es auch Privatpersonen möglich sein, sich an den Windkraftanlagen zu beteiligen.


Kölnische Rundschau vom 17.05.2013 - Von Julia Seeger

 
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