UNA Nettersheim

Mittwoch, 23. Oktober 2019
Bienen: Tod im Maisfeld
Sonntag, den 20. Mai 2012 um 15:51 Uhr
13.000 tote Bienenvölker alarmierten 2008 nicht nur die Imker in Baden-Württemberg. Schuld daran war das Pflanzenschutzmittel Clothianidin. Seinerzeit vom Markt genommen, ist es jetzt wieder da.

In sechs Bundesländern darf das Pflanzenschutzmittel Clothianidin wieder auf die Felder gebracht werden. Der Grund: Die Maisernte werde durch einen Schädling, den Drahtwurm, bedroht. Nordrhein-Westfalen ist mit insgesamt 200 Hektar dabei. Was bedeutet das für die Imker vor Ort?
 
Einer von ihnen ist Klaus Kaldenbach aus Nettersheim in der Eifel. Bisher machten ihm und seinen Bienen hauptsächlich Parasiten das Leben schwer: Die Varroa-Milbe zerstört weltweit Bienenvölker. Jetzt kommt die Bedrohung durch das Insektengift Clothianidin auf ihn zu: „Also die Information habe ich schon bekommen, dass hier in der Gemeinde Nettersheim Clothianidin ausgebracht werden darf.“ Wo genau, das erfahren nur Imker im Umkreis von 60 Metern des behandelten Feldes. Größer ist der behördlich festgelegte Sicherheitsabstand nicht. Die Bienen von Klaus Kaldenbach aber haben einen Flugradius von drei und mehr Kilometern.

Gefahr unterschätzt
 
Beim Einsatz des Pflanzenschutzmittels vor vier Jahren wurden die Maiskörner wie von einem Mantel umhüllt. Abrieb und Staub verteilten es in der Umwelt. Jetzt 
Bienensterben
soll der Wirkstoff als Granulat zusammen mit dem Korn in die Erde gebracht werden. Das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit schreibt uns dazu: „Bei dieser Technik ist die Belastung durch Stäube erheblich geringer, da das Granulat abriebfester und die Wirkstoffkonzentration im Staub niedriger ist.“

Schon winzige Mengen des Giftes können erhebliche Folgen haben, mahnt der niederländische Toxikologe Dr. Henk Tennekes: „Die langfristigen Gefahren werden unterschätzt, weil unterschätzt wird, wie wenig man eigentlich braucht von dieser Substanz um längerfristig eine Katastrophe herbeizuführen.“ Auch reichere sich das Gift im Boden an. Von dort durchdringe es die gesamte Maispflanze. Dr. Tennekes zeigt uns das Forschungsvideo eines italienischen Kollegen. Es zeigt, wie Bienen das Tauwasser junger Maispflanzen, sogenanntes Guttationswasser, aufnehmen. Es enthält Rückstände von Clothianidin. Innerhalb weniger Minuten sterben die Bienen.

Es gebe nach wie vor ungeklärte Fragen zu Clothianidin, „insbesondere im Zusammenhang mit einer möglichen Wirkstoffaufnahme der Bienen über die sogenannte Guttation“, bestätigt uns das nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerium. An diesen Fragen werde „intensiv gearbeitet“, heißt es.

Energieträger Mais
 
Unterdessen wird das Mittel weiter eingesetzt. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen kontrolliert den Einsatz des Giftes. Dort hält man das Risiko für „vernachlässigbar“. Aber Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer verweist auch noch auf einen anderen Aspekt: „Die Politik hat beschlossen, Biogasanlagen zu fördern, erneuerbare Energien. Es gibt keine Pflanze, mit der man mehr Kilowattstunden vom Hektar ernten kann als mit Mais. Die Bauern haben diese Herausforderungen angenommen, haben Biogasanlagen errichtet und müssen jetzt dafür sorgen, dass es Futter gibt für die Biogasanlagen. Und da ist Mais ganz oben.“

Aber das müsste doch auch für Baden-Württemberg gelten. Doch das Land verzichtet auf den Einsatz des Giftes. Das zuständige Ministerium schreibt dazu: „Durch das massive Bienensterben beim Clothianidin-Einsatz 2008 hat das Mittel seine Akzeptanz in Baden-Württemberg verloren.“ Geht es also auch ohne Clothianidin? In Baden-Württemberg offenbar schon.

 


Eine Sendung des WDR am Montag, 07. Mai 2012, 21.00 - 21.45 Uhr  -  Autorin: Melanie Jost

 

Weitere Informationen und Video unter:
http://www.wdr.de/tv/markt/sendungsbeitraege/2012/0507/05_bienensterben.jsp 

 
 
mod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_counter
Copyright © 2019 UNA Nettersheim. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.