UNA Nettersheim

Mittwoch, 23. Oktober 2019
Gegen Windmühlen im Wald
Sonntag, den 22. Januar 2012 um 11:00 Uhr
Klare Stellungnahme der Naturschützer - Thema wird am 8. Februar diskutiert

Kreis Euskirchen. Für einigen Diskussionsstoff sorgte im Juli vergangenen Jahres der neue Windkrafterlass der Landesregierung. Das Thema steht nun auch am 8. Februar ab 18.30 Uhr im Holzkompetenzzentrum Rheinland in Nettersheim zur Debatte. Unter dem Titel "Windenergie im Kreis Euskirchen - Kooperation als Chance" und unter der Moderation der Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken wird dann darüber diskutiert. Aus gegebenem Anlass haben verschiedene Umweltverbände der Region bereits eine Stellungnahme verfasst, die sie als Appell an die zuständigen Behörden und die Bürger verstehen. Darin sprechen sich die lokalen Verbände des Naturschutzbunds Deutschland (NABU), des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) und der Arbeitskreis Fledermausschutz aus Aachen, Düren und Euskirchen gegen die Errichtung von Windenergieanlagen im Wald aus.

Dass derlei Anlagen künftig in Waldgebieten leichter beantragt werden können, ist im neuen Windkrafterlass so vorgesehen, sofern diese nicht als "hochwertig" einzustufen sind. Die Naturschützer mahnen allerdings in Form einer mehrseitigen Liste vor den Gefahren, die ihrer Meinung nach durch die Windräder für die Tiere und die Naturlandschaft und somit auch für den Menschen gegeben sind.

So erläutert Bruno Arnd vom BUND Euskirchen: "An Windkraftanlagen kommen Vögel und Fledermäuse entweder durch direkte Kollisionen mit den Rotorblättern oder durch Lungenschäden ums Leben." Bei dem sogenannten Barotrauma, so Arnd weiter, platzen die Lungen der Tiere durch die großen Luftdruckschwankungen in der Nähe der Rotoren. Die Gefahr der Kollision bestehe für alle über den Wald ziehenden Vogelarten. Demnach seien nicht nur Großvogelarten wie Kraniche, Gänse und Schwäne davon bedroht.

Auch für "störungsempfindliche Säugetiere wie Wildkatze und Luchs" führten Windräder zu "schwerwiegenden Beeinträchtigungen" in deren Lebensraum. Die Eifel sei innerhalb Nordrhein-Westfalens das Hauptverbreitungsgebiet der streng geschützten Wildkatze. Die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf deren Verbreitung sei zwar noch nicht mit fundierten Untersuchungen belegbar. Doch da die Wildkatze bei der Jagd und beim Erkennen möglicher Gefahrenquellen fast ausschließlich auf ihr Gehör angewiesen sei, könne man von deren Gefährdung durch Windräder im Wald ausgehen.

Nach einhelliger Einschätzung der Naturschützer seien die Wälder im Kreis Euskirchen hochwertig, sehr naturnah und böten besonders geschützten Arten wie dem Schwarzstorch ein letztes Refugium. Der Brutbestand des Schwarzstorches betrage bundesweit etwa 550 Paare, im Kreis Euskirchen gehen die Naturschutzverbände von sechs bis zehn Paaren aus. Die hiesigen Wälder sollten daher für Industrieanlagen wie etwa Windräder tabu sein.

Zudem seien die Lebensräume der teils sehr seltenen Fledermausarten in und über den Baumkronen noch nicht ausreichend erforscht. "Mit neuen elektronischen Geräten werden diese Einblicke gerade erst möglich. Wir dürfen nicht gefährden und vernichten, was wir noch gar nicht verstehen", mahnt das Ehepaar Koerber vom Arbeitskreis Fledermausschutz.

Außerdem, so die Verbände weiter, seien auch Sorgen um das touristische Potenzial der Eifelgemeinden und die naturbezogene Erholung angebracht. Stefan Brücher (EGE) fordert: "Wenn die Windenergiebranche ihrem ökologischen Anspruch gerecht werden will, muss sie bei der Standortwahl Fingerspitzengefühl beweisen." Brücher verweist auf eine Studie des Fraunhofer Instituts vom März 2011, wonach außerhalb der Wälder ausreichend geeignete Standorte für Windräder vorhanden sein sollen.

Kölner Stadtanzeiger vom 20.01.2012 - Von Bernhard Romanowski
 
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