UNA Nettersheim

Montag, 15. Juli 2019
Gute Planung statt Euphorie
Sonntag, den 25. September 2011 um 17:30 Uhr
Um möglichst viele Facetten des komplexen Themas „Windenergie“ zu beleuchten, hatte die UNA (Grüne und Unabhängige) zu einer Informationsveranstaltung geladen.

NETTERSHEIM-MARMAGEN - In Nettersheim und den umliegenden Gemeinden rückt derzeit das Thema „Windkraft“ in den Fokus, nicht zuletzt weil durch einen kürzlich gefassten Beschluss der Landesregierung jetzt auch die Errichtung von Windkraftanlagen auf geeigneten Waldflächen möglich werden soll. Um möglichst viele Facetten des komplexen Themas „Windenergie“ zu beleuchten, Fragen zu beantworten und einen Meinungsaustausch zwischen Experten, Bürgern und Antragstellern anzuregen, hatte die UNA (Grüne und Unabhängige) für Mittwochabend zu einer Informationsveranstaltung geladen, zu der sich neben zahlreichen Vertretern aus der Politik über 80 interessierte Bürger einfanden.
Den Anfang machte Diplom-Wirtschaftsingenieur Heinz-Jürgen Schütz als Vertreter der Energieagentur NRW, der zunächst allgemein die Klimaschutzziele des Landes skizzierte, wonach die Treibhausgase bis zum Jahr 2020 um mindestens 25 Prozentreduziert werden sollen. Ein Ziel, dass ohne die Windenergie als tragende Säule nicht erreichbar sei.

„Frühzeitig abklopfen“

Eine der wichtigsten Aussagen des neuen Windenergieerlasses in NRW ist demnach auch für die Gemeinde Nettersheim nicht ohne Bedeutung, beispielsweise können jetzt die Kommunen Höhenbegrenzungen in eigener Kompetenz festlegen. Eine flächendeckende Energieversorgung lässt sich in Schütz’ Augen grundsätzlich nicht allein mit Photovoltaik-Anlagen ermöglichen. Ein weiterer Ausbau der Windenergie sei demnach zwingend notwendig.

Als zweiter Referent des Abends plädierte der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes (NABU), Josef Tumbrinck, für eine vorausschauende Planung bei der Ausweisung von Windkraftzonen, wo neben dem Abstand zur Wohnbebauung auch die Aspekte Natur- und Artenschutz „frühzeitig abgeklopft“ werden sollten – vor allem, wenn sich die viel zitierte „Goldgräberstimmung“ breitmache.

Die Entscheidung zugunsten eines Autobahnstandortes sei aus Sicht des NABU grundsätzlich immer die bessere, da eine Autobahn ohnehin einen starken Eingriff in die Landschaft bedeute. Tumbrinck legte den Verantwortlichen eine „richtig gute fachliche Planung“ mit Nachdruck ans Herz, bei der man sich, wenn schon nicht auf Regierungsbezirks- oder Kreisebene, zumindest aber als Gemeinde einig sein sollte und betonte: „Schutzgebiete sind in jedem Fall tIntensive abu."

Anschließend gaben Johannes Pinn, Vorsitzender der Eifel Energiegenossenschaft (EEGON), und Markus Mertgens von der Energie Nordeifel (ene) einen Überblick über die Profile ihrer Einrichtungen, erläuterten die Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger und skizzierten die Vorteile der Windkraft für die Kommunen. So verbleiben nach Pinn 70 Prozent des Gewerbesteueraufkommens am Standort des Windkraftwerks, 30 Prozent am Sitz des Betreibers.

Durch Pachteinnahmen, die Einbeziehung regionaler Unternehmen und die Schaffung von Arbeitsplätzen profitiere die gesamte Region vom erfolgreichen Betrieb einer Windkraftanlage. Die Begriffe „regionale Wertschöpfung“ und „Strukturchance für die Region“ standen ebenfalls im Zentrum der Ausführungen von Hedwig Esser-Schruff, Geschäftsführerin der in Düren ansässigen Firma REA GmbH, die aktuell den Antrag zur Errichtung einer Windkraftzone an der A1 eingereicht hat.

Auf einer Wiesenfläche von 20 Hektar Größe im Osten von Marmagen will auch die Pfarre St. Laurentius einen Windpark errichten. Für ihren Antrag hatte sie sich im Vorfeld mit einer Meinungsumfrage „Rückendeckung aus dem Ort“ geholt. Vier Windräder mit einer Rotorhöhe von 185 Metern sollen dort 23 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen, womit rund 7000 Haushalte ausschließlich mit Strom aus Windenergie versorgt werden könnten.

Die Erlöse aus dem Projekt, das zunächst ein Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro erfordert, sollen nach Hermann-Josef Poensgen für den Unterhalt der Turnhalle und den Erhalt der kirchlichen Gebäude der Marmagener Pfarrgemeinde verwendet werden.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich dann eine überwiegend positive Einstellung zu weiteren Windenergie-Anlagen ab. Allerdings gab es auch die Empfehlung „auf die Euphorie-Bremse zu treten“. Zudem wurden Fragen nach möglichen Geräuschbelastungen, potenziellen Ausgleichsflächen und Nachteilen für das Landschaftsbild gestellt.

Bürgermeister Pracht nahm unter anderem zum desolaten Zustand einer Windmühle in Engelgau Stellung, blieb aber bei der Frage nach der geduldeten Höchstgrenze von Windkraftanlagen in Nettersheim die Antwort schuldig.

Juristischer Beistand

Alles in allem stehe die Gemeinde, die das Wuppertal Institut mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt hat, noch am Anfang der Planungen. Bei der Ausweisung bevorzugter Flächen werde man sich durch juristischen Beistand absichern. Pracht plädierte für einen Dialog über die Gemeindegrenzen hinaus.

Einig war man am Mittwoch sich darin, die Windräder zu bündeln, damit nicht demnächst „auf jedem Hügel“ eine solche Anlage entsteht.

Kölner Stadtanzeiger vom 17.09.2011 - Von Claudia Hoffmann
 
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