UNA Nettersheim

Sonntag, 21. Juli 2019
Im Eifeler Wald klingelt die Kasse
Samstag, den 03. September 2011 um 09:30 Uhr
Anmerkung der UNA:
Forstamtsleiter Dengel sieht keine Probleme für Windräder an geeigneten Stellen im Wald. 
 
KREIS EUSKIRCHEN/NETTERSHEIM - Waldbesitzer können sich freuen: Zumindest jene, die vorwiegend Fichten in ihrem Bestand haben, verzeichnen derzeit einen enormen Preisanstieg beim Verkauf ihres Holzes. Rund 30 Prozent ist der Preis für das Fichtenstammholz seit Beginn dieses Jahres gestiegen. Das bestätigte auch Horst Karl Dengel, der sich mit dem Holzmarkt bestens auskennt. Dengel leitet das Regionalforstamt Hocheifel-Zülpicher Börde, das in Nettersheim angesiedelt ist, und erörterte im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, wie es um den Wald in unserer Region aus vornehmlich wirtschaftlicher Sicht bestellt ist.
Demnach steht die Fichte mit 43 Prozent auf Platz eins in der Baumartenverteilung im Hoheitsgebiet des Regionalforstamtes Hocheifel-Zülpicher Börde. An zweiter Stelle steht die Eiche mit 22 Prozent, zwölf Prozent des hiesigen Bestands macht die Buche aus. Legte man im ersten Quartal 2010 noch 70 Euro pro Festmeter für das Fichtenholz hin, sind es nun 98 Euro, so Dengel. Die hohen Verkaufszahlen sind vor allem dem Export von Schnittholz geschuldet. Auch wenn man nun längst nicht mehr so viel Nadelschnittholz in die USA exportiere wie noch bis 2007, sei der Exportmarkt insgesamt dennoch stabil. Heutzutage seien Frankreich und die Beneluxländer die Hauptabnehmer, auch nach Schweden und in den arabischen Raum werde viel geliefert.

Keinen Kahlschlag betreiben

Man habe es derzeit mit einem „Verkäufermarkt“ zu tun, so Dengel. Es sei also der Anbieter, der zur Zeit den Preis diktiert. Einen Einbruch des Preisniveaus sieht der Forstamtleiter nicht kommen, solange man von Kalamitäten wie Käferbefall oder Sturmschäden verschont bleibe. Ein Ende der Globalisierung und ihrer konjunkturellen Wirkung auf den Holzmarkt sei weiterhin nicht absehbar. Auch im Bereich der energetischen Nutzung nehme Holz eine bedeutende Stellung ein. Deshalb richten die Forstexperten die Mahnung an die Waldbesitzer, nun keinen Kahlschlag auf ihren Flächen zu betreiben. Für die Auswirkungen des Weltgeschehens auf den Holzmarkt hat Dengel auch ein Beispiel parat: So gibt es ein großes deutsches Unternehmen aus dem Bereich Fertigbau, das der japanischen Regierung Fertighäuser für die Erdbebenopfer in Fukushima liefert und entsprechenden Bedarf nach Holz hat.

Einzig die Sägeunternehmen brechen über die hohen Rundholzpreise nicht in Jubel aus. Denn die Schnittholzpreise konnten laut Dengel nicht mit den hohen Preisen für das (ungeschnittene) Rundholz mithalten. Die entstandene Preis-Schere können die Säger nur schließen, wenn sie mehr Geld für das geschnittene Holz verlangen.Für Häuslebauer würde es dann teurer, aber der Preisanstieg wäre „immer noch verhältnismäßig gering“, wie Dengel meint.

Was den Forstamtsleiter eher beunruhigt sind die vielen Schäden im Eifelwald, die durch die großen Rotwildbestände verursacht werden. Dies führe zum einen zu einer starken Entwertung des Stammholzes, zum anderen „kriegen wir so den Wald nicht hoch“, so Dengel, wenn die Tiere die jungen Baumpflanzen anknabbern und fressen. Deshalb appellieren die Forstleute an die Jäger, ihre Abschusspläne einzuhalten.

Einer Neuerung, die dem Wald an einigen Stellen bevorstehen könnte, sieht Horst Karl Dengel im Übrigen gelassen entgegen: Gemäß dem neuen Windkrafterlass der Landesregierung wird das Aufstellen von Windrädern künftig auch im Wald erlaubt. Außerhalb von Naturschutzgebieten und ohne enorme Eingriffe in das Ökosystem Wald sehe er darin kein Problem, zumal man nach den Stürmen in der jüngeren Vergangenheit noch überviele Kahlflächen etwa bei Blankenheim verfüge, die man dazu nutzen könnte. Wünschenswert sei es allerdings, wenn das Ganze von einer Art Regionalrat begleitet würde, meint der Forstexperte Dengel.

Kölner Stadtanzeiger vom 03.09.2011 - Von Bernhard Romanowski
 
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