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Donnerstag, 24. Oktober 2019
Alle rotiert – wegen Strom und Geld
Freitag, den 29. Juli 2011 um 17:36 Uhr
Vor 20 Jahren wurde in der Eifel das erste Windrad installiert, jetzt boomt die Branche. Allerorten „explodieren“ Solaranlagen und Windparks. Bald werden es über 100 „Riesenräder“ sein.

KREIS EUSKIRCHEN - Die Katastrophenbilder aus Fukushima im März dieses Jahres zeigten auch in Deutschland ihre Wirkung. Dass offenkundig ein Umdenken in Sachen Energiepolitik stattgefunden hat, wird sich bald schon im Landschaftsbild des Euskirchener Landes und der Eifel ablesen lassen. Während etwa bei Mechernich einer der größten Solarparks Nordrhein-Westfalens stetig Formen annimmt, wird sich vor allem im Bereich Windenergie so einiges tun. Der neue Windkrafterlass der Landesregierung jedenfalls soll den Städten und Kommunen dazu neuen Spielraum gewähren. 
 
Bis zum Jahr 2020 will die Landesregierung den Anteil der Windenergienutzung an der Stromerzeugung von heute rund drei auf künftig 15 Prozent anheben.

„Der neue Erlass baut Hürden für die Planung ab, starre Vorschriften, die bisher viele Investoren abschreckten, fallen weg“, heißt es in einer Presseerklärung des NRW-Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in Düsseldorf.

Der neue Windkrafterlass ist Teil eines Entwurfes für das erste deutsche Klimaschutzgesetz. Darin ist vorgesehen, die „Treibhausgasemissionen in Nordrhein-Westfalen bis zum Jahr 2020 um mindestens 25 Prozent und bis zum 2050 um mindestens 80 Prozent im Vergleich zu den Gesamtemissionen des Jahres 1990 zu verringern“.

Die neue Marschrichtung in Sachen Energiepolitik hat aber noch einen weiteren wichtigen Aspekt. „Windenergie dient nicht nur dem Klimaschutz. Der Winderlass soll auch zum Wirtschaftsmotor werden“, betont„Klimaschutzminister“ Minister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen). Demnach habe man es heutemit rund 2800 Windkraftanlagen zu tun, die mittlerweile knapp 40 Prozent des regenerativ erzeugten Stroms in NRW erzeugen. Mit rund 26.000 Beschäftigten erwirtschafte die Branche mehr als acht Milliarden Euro jährlich.

Künftig auch im Wald möglich

Der neue Erlass rüttle nicht an den vorgeschriebenen Grenzwerten etwa für Lärm. Auch solle der Abstand der Windräder zur Wohnbebauung weiterhin zugunsten der Anwohner berechnet werden. Allerdings sollen die Anlagen künftig auch im Wald möglich sein.In Naturschutzgebieten werde es weiterhin keine Windenergienutzung geben. Stattdessen werde die Errichtung von Windrädern an „Infrastrukturtrassen“ wie Bahnstrecken oder Autobahnen erleichtert.

In etlichen Kommunen hat man sich dazu schon so seine Gedanken gemacht. In Dahlem etwa haben Politik und Verwaltung vereinbart, zwei neue Windkraftkonzentrationszonen auszuweisen – eine auf der Anhöhe zwischen Frauenkron und Udenbreth, die andere in dem Waldgebiet zwischen Baasem und Neuhaus. An Investoren für die Flächen mangelt es nicht, im Juni stellten bereits vier Unternehmen ihre Projekte dazu vor. Auch in Sachen Solarenergie tut sich in Dahlem einiges: Bereits im Mai hatte ein Investor aus Rheinland-Pfalz seine Pläne für die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 3,5-Megawatt peak vorgestellt, die noch in diesem Jahr im Schmidtheimer Gewerbegebiet entstehen könnte.

Auch in Nettersheim wurde bereits über neue Windkraftflächen diskutiert. Während die Verwaltung und die CDU-Fraktion dort das Thema höchst bedächtig angehen, hat die Fraktion der UNA (Unabhängige und Grüne) schon konkrete Vorstellungen, wo man neue Windräder aufstellen könnte. Die UNA sprach sich für die Flächen am Ende der Autobahn 1 bei Blankenheim aus.

Proteste in Dollendorf

Dazu hatte ein Investor aus Düren auch schon genaue Projektpläne für zehn mögliche Standorte entlang der A1 im Bauausschuss vorgestellt. Ambitionierte Pläne für einen Windpark hegt auch die Kirchengemeinde St-Laurentius Marmagen.Deren Mitglieder wollen gemeinsam mit der „ene“ vier Anlagen von rund 185 Metern Höhe auf einer 20 Hektar großen Wiese rund 1,2 Kilometer östlich von Marmagen errichten. Der Park liegt an einer Freileitung und könnte mit der geplanten Leistung von 23 Millionen kWh Strom rund 7.000 Haushalte allein aus Windkraft speisen.

In der Gemeinde Blankenheim wird es im Herbst eine Infoveranstaltung zu neuen Windkraftflächen geben. Hier stehen eine Fläche im Waldgebiet „Mürel“ an der Grenze zur Gemeinde Nettersheim sowie eine Fläche bei Dollendorf an der Grenze zu Rheinland-Pfalz zur Diskussion. Investoren haben sich bereits bei der Verwaltung vorgestellt. Allein in Dollendorf regt sich vereinzelter Protest auswärtiger Jagdpächter sowie der Jagdgenossen, die sinkende Pachteinnahmen von den Jägern fürchten.

Kölner Stadtanzeiger vom 29.07.2011 - Von Bernhard Romanowski
 
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