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Donnerstag, 21. März 2019
Wenig Schwung bei der Windkraft
Freitag, den 29. Juli 2011 um 17:32 Uhr
Im ersten Halbjahr gab es mehr Strom aus Windrädern - Ausbau hinkt aber politischen Zielvorgaben hinterher

Berlin. Der Ausbau der Windenergie in Deutschland geht so langsam vonstatten, dass ohne eine deutliche Steigerung alle Ziele der Energiewende verfehlt werden. Der Bundesverband Windenergie (BWE) und der Maschinenbauverband VDMA konnten gestern zwar vermelden, dass im ersten Halbjahr ein Fünftel mehr Anlagen als im Vorjahreszeitraum errichtet wurden. 356 neue Windräder mit einer Leistung von 793 Megawatt wurden installiert - im Schnitt genug, um die Haushalte einer Stadt in der Größe Nürnbergs zu versorgen. Aufs ganze Jahr gerechnet erwarten die Verbände ebenfalls ein leichtes Plus.

Doch wenn in Deutschland die politisch definierten Ziele zur grünen Energiewende erreicht werden sollen, sind deutlich mehr Anlagen nötig. Ende 2011 drehen sich in Deutschland Rotoren, die bei optimalem Wind rund 29 000 Megawatt Strom und damit im Schnitt zehn Prozent des Bedarfs erzeugen können. Die Leistung soll aber nach dem Willen der Bundesländer auf knapp 70 000 Megawatt bis 2020 steigen.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssten in den folgenden neun Jahren knapp drei Mal so viele Anlagen neu aufgestellt werden wie in diesem Jahr. Die Bundesregierung peilt derzeit niedrigere Ziele an, hatte aber jüngst bekannt gemacht, dass ihre Vorgabe von 35 Prozent Grünstrom bis 2020 nur eine Mindestanforderung sei. Angesichts der recht niedrigen Kosten von rund acht Cent pro Kilowattstunde gilt gerade die Windkraft an Land als besonders attraktive Energieform.

BWE-Präsident Hermann Albers sagte, die leichte Steigerung in diesem Jahr sei "noch kein Erfolg für die Klima- und Energiepolitik". Im Gegenteil: Würden nicht bald die Bedingungen für die Windkraft deutlich verbessert, "ist die Vorreiterrolle Deutschlands durchaus in Frage gestellt". Wirtschaftlich schlägt sich der geringe Zuwachs ebenfalls handfest nieder: Erstmals seit der Boomphase Anfang des Jahrtausends hat die Windindustrie 2010 Jobs abbauen müssen. Statt 100 000 arbeiteten nur noch 96 000 Beschäftigte in der Branche. Laut Thorsten Herdan vom Maschinenbauverband VDMA werde die Erholung des deutschen Markts den Herstellern dieses Jahr etwas Auftrieb verleihen. Deutschland mache aber nur noch vier Prozent des Weltmarkts aus, hierzulande werden etwa drei Mal so viele Anlagen gebaut wie installiert.

Besonders belastend sei der Absturz der USA: "Dort gab es 2010 ein Minus von 50 Prozent." Der größte Markt der Welt, China, bliebe durch Marktbarrieren den deutschen Herstellern verschlossen. Das rückt in Verbindung mit der beschlossenen Energiewende für viele Hersteller den deutschen Heimatmarkt in den Blickpunkt.

Drei Stellschrauben spielten eine besonders wichtige Rolle, so Albers. Die Länder müssten deutlich mehr Flächen für die Nutzung freigeben. Dieser Prozess ist bereits in Gange. Zweitens, so Albers, müssten die Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Und drittens müssten die Förderbedingungen, die vom Bund bestimmt werden, verbessert werden. Immerhin: Auf See gibt es für die Branche erste Erfolge: 54 Offshore-Anlagen liefern nun Strom, vermeldeten VDMA und BWE.

Kölner Stadtanzeiger vom 28.07.2011 - Von Jakob Schlandt
 
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