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Montag, 15. Juli 2019
Kreis bittet die Bezirksregierung um Hilfe
Mittwoch, den 30. Oktober 2013 um 17:26 Uhr

Die Industrieruine in Buir, die zeitweise völlig ungesichert hätte betreten werden können, wurde mittlerweile vom Kreis so gesichert, dass keine akute Gefahr mehr besteht. Dabei ist die Gemeinde Nettersheim ordnungsbehördlich eigentlich zuständig. 

Buir. Es gilt verwaltungstechnisch als schlechter Stil, wenn Behörden sich gegenseitig vorwerfen, die jeweils andere sei zuständig und müsse handeln. Die Industrieruine in Buir, die zeitweise völlig ungesichert hätte betreten werden können, wurde mittlerweile vom Kreis so gesichert, dass keine akute Gefahr mehr besteht. Offen sagen will es bei der Kreisverwaltung zwar niemand, unter der Hand hört man jedoch von unterschiedlichsten Ebenen der Behörde: Die Gemeinde Nettersheim sei ordnungsbehördlich eigentlich zuständig. Gehandelt hat aber nur der Kreis.

Der Rundschau liegt ein internes Schreiben der Abteilung 60, Umwelt und Planung, des Kreises an die Bezirksregierung Köln vor. Diesem ist zu entnehmen, dass aufgrund einer Bürgerbeschwerde von Theresia Rolshoven am 21. August eine Ortsbesichtigung durch die Untere Bauaufsichtsbehörde stattfand.

Nettersheim fühlt sich nicht zuständig

Dabei wurde festgestellt, dass die Gebäude des ehemaligen Holzimprägnierbetriebs „zwar dem allmählichen Verfall preisgegeben sind“, die Trag- und Mauerwerke jedoch einen stabilen Eindruck machten. „Des Weiteren wurde festgestellt, dass eine Fensteröffnung am Kesselhaus gegen unbefugtes Betreten zu sichern ist. Der zuständigen Behörde wurde dies im Nachgang schriftlich mitgeteilt,“ heißt es im Schreiben an die Bezirksregierung. Gemeint ist damit die Gemeinde Nettersheim.

Deren Bürgermeister Wilfried Pracht beharrt jedoch auf seiner ablehnenden Haltung: Nettersheim solle ordnungsbehördlich verantwortlich sein? „Das ist nicht richtig!“ so Pracht. Dass bei einem eventuellen Unfall die Gemeinde hätte haften müssen, sieht er ebenfalls nicht. Er habe bereits 2009 angestoßen, dass das Gelände im Zuge von Ausgleichsmaßnahmen für den Weiterbau der A1 rekultiviert werden solle. Zudem habe er schriftlich, dass das Land sich als Eigentümer fühle: Lediglich die entsprechende Übertragung im Grundbuch sei noch nicht erfolgt. Er wolle nun Aufklärung in der Sache und habe Land, Gemeinde und Kreis angeschrieben. „Wer Probleme erkennt, muss sie auch beheben“, ist Prachts Auffassung. Da sich die Beschwerdeführerin an den Kreis gewandt habe und dieser vor Ort gewesen sei, sei die Verantwortlichkeit klar.

Der Kreis stellt im Schreiben an die Bezirksregierung klar, dass das 28000 Quadratmeter große Grundstück im Wald zwischen Buir und Schönau entgegen einer früheren Aussage des Landes bislang nicht in dessen Eigentum stehe, sondern derzeit „ein herrenloses Grundstück“ darstelle. Das Erbe war ausgeschlagen worden, das Recht zur Aneignung der Immobilie stehe dem Fiskus des Landes zu. Daher schreibt der Kreis an die Bezirksregierung, „eine Aneignung durch das Land wäre dringend geboten, um das Gelände vollständig einer Rekultivierung zuzuführen“. Ordnungsbehördliche Maßnahmen könnten lediglich zur Abwehr akuter Gefahren greifen. Deshalb bitte man um Unterstützung durch die Bezirksregierung.

Laut Kreis wurden mehrere Jahrzehnte im ehemaligen Holztauchbetrieb Hölzer mit Teerölen, die aus „polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen“ (PAK, Umweltschadstoffe, die krebserregend sein können) bestanden, imprägniert. 1994 wurde der Betrieb eingestellt.

1986 habe die Untere Wasserbehörde Bodenuntersuchungen auf einem Lagerplatz durchgeführt und keine Belastungen festgestellt. 1996 musste teerölbelastetes Sediment aus einem Absetzbecken entsorgt sowie der dorthin führende Kanal gereinigt werden. 1998 wurde der Betrieb in das Kataster altlastenverdächtiger Flächen aufgenommen. Nun wird er halbjährlich überprüft.

„Das Ding muss weg“

Nach Bürgerbeschwerden wurden 2008 und 2009 Sicherungsmaßnahmen zur Unterbindung der Zugänglichkeit der Hallen durchgeführt und Tauchbecken im Außenbereich aufgefüllt. 2008 untersuchte der Landesbetrieb Straßen alle Flächen außerhalb des Gebäudes, weil diese im Zuge des Ausbaus der A1 als Ausgleichsmaßnahme renaturiert werden sollen. Damals habe es keine Hinweise auf eine flächendeckende Verunreinigung gegeben. Der Kreis machte sich gleichzeitig dafür stark, dass der Gesamtstandort inklusive aller Gebäude rekultiviert werde.

Frank Fritze, Abteilungsleiter der Umweltbehörden des Kreises, bestätigte, dass sich der Kreis mit dem erwähnten Schreiben an die Bezirksregierung gewandt habe. Er glaube derzeit zwar nicht, dass die gemachten Analysen weitere Probleme mit sich bringen würden, kommentierte die Industrieruine jedoch mit den Worten: „Das Ding muss weg, das ist gar keine Frage.“


Kölnische Rundschau vom 30.10.2013 - Von Klaus Pesch

 

 
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