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Dienstag, 22. Januar 2019
Tickt im Wald bei Buir eine ökologische Zeitbombe?
Freitag, den 18. Oktober 2013 um 17:37 Uhr

Hinweis der UNA:
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Nach Auffassung von Hans Christian Markert, Landtagsabgeordneter der Grünen, ist Gefahr im Verzug. „Als umweltpolitischer Sprecher der Grünen habe ich so manche Industriebrache gesehen“, sagte der Politiker vor Ort, „aber die Situation hier in Buir mitten in einem Naturschutzgebiet ist schon sehr speziell.“

Die Szenerie scheint tatsächlich einem Konsolen-Spiel entsprungen zu sein. Mitten im Wald ragt ein ziegelroter Schornstein in die Höhe, an den sich marode ehemalige Fabrikhallen ducken. Tatsächlich scheint das Gelände unter anderem als „Abenteuerspielplatz“ zu dienen, wie Einschusslöcher in alten Holztoren und die farbigen Spuren von Paintball-Aktivitäten künden. Mit all dem könnte man ja vielleicht noch leben, würde man in den zerfallenen Gebäuden nicht über Säcke und Tonnen stolpern, auf denen ein Totenkopf prangt.

Hochgiftig

„Das Zeug“, so Volker Hoffmann, Vorsitzender der Kreisgruppe Euskirchen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), „ist hochgiftig.“ Und es riecht penetrant, streng und ungesund, wie auch Nathalie Konias, Kreis-Sprecherin der Grünen, feststellen muss, als sie die Gebäude betritt.

Foto: WochenspiegelGemeinsam mit dem Nettersheimer UNA-Fraktionschef Franz-Josef Hilger und der Anwohnerin Theresia Rolshoven haben diese Personen zu einem Pressetermin an einem ungewöhnlichen Ort gebeten. Es handelt sich um das Gelände der ehemaligen Firma für Holzimprägnierung Günter Ruhr GmbH und Co KG, die Pleite machte. Anschließend wurde der Harperscheider Sägewerkbetrieb von Wilhelm Groß Eigentümer, der 1998 ebenfalls in Konkurs ging.

Ruine


Seitdem ist das Gelände ungenutzt und gammelt vor sich hin. Besonders schlimm aus Sicht von Volker Hoffmann ist die Tatsache, dass in den Gebäuden die Behälter zur Imprägnierung von Jägerzäunen oder Holzpfosten, die hier früher vorgenommen wurde, noch vorhanden und teilweise noch gefüllt sind. Hoffmann: „Da braucht nur ein Idiot die Hähne zu öffnen und schon ist die Umgebung und der nahegelegene Sülchesbach mit Imprägnierflüssigkeit verseucht. Eine besondere Gefahr hat Theresia Rolshoven in den Gullydeckeln ausgemacht, die aufgrund ihres Materialwertes immer wieder gestohlen werden. Sie decken den Bach Wolsiefen ab, der unter dem Fabrikgelände in einer Kanalröhre fließt. Rolshoven: „Wenn dort ein Kind hineinfällt, ist es unrettbar verloren.“ Hinzu kommt, das ein großer Teil der Dachverkleidung laut Hoffmann mit Asbest verseucht ist. „Außerdem“, so Franz-Josef Hilger, „sind viele Stellen akut einsturzgefährdet.“ Dabei zeigt er auf einen Kamin, der offensichtlich das marode Dach durchschlagen hat.

A1-Ausgleichsfläche

Stellt sich die Frage, warum gerade jetzt auf diese Missstände hingewiesen wird, obwohl die Fabrikbrache schon fast 15 Jahre verrottet. Die Auflösung ist einfach. Auf diesem Gelände sollen nämlich die Natur-Ausgleichmaßnahmen durchgeführt werden, die bei einem Weiterbau der Autobahn A1 notwendig würden. Und so rückte dieses Gelände wieder in den Fokus. Fraglich ist, wer momentan für dieses „herrenlose“ Gelände haftet. Für Hans Christian Markert ist klar, das die Gemeinde Nettersheim zumindest für die Sicherung zuständig ist, da sich die Brache auf ihrem Gemeindegebiet befindet. Volker Hoffmann dagegen plädierte eindringlich dafür, sich nicht lange mit einer teuren Sicherung aufzuhalten, sondern die ganze Chose auf Kosten des Landes schnellstmöglichst abreißen zu lassen.

Wer soll es bezahlen?

Für den Nettersheimer Bürgermeister Wilfried Pracht, der nicht zum Pressetermin geladen war, ist klar: »In einem Schreiben an die Gemeinde Nettersheim bezeichnet das Umweltministerium selbst das Land NRW als Eigentümer des Geländes.« Allerdings, so Pracht, sei es wohl noch nicht im Grundbuch eingetragen. Laut Pracht handelt es sich bei der Ruine auch offiziell um ein »herrenloses« Grundstück, für das derzeit der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW zuständig sei. Dort liege dann auch die Verantwortung für die Sicherung der Ruine. Der Kreisbauhof habe nach einer Begehung die Gebäude provisorisch gesichert und werden Verbotsschilder aufstellen. Einen Seitenhieb auf Markert konnte sich Pracht nicht verkneifen: »Wenn es wirklich so schlimm war, warum informiert dieser Herr nicht die Gemeinde und den Kreis, sondern reist einfach ab?«


Wochenspiegel vom 16.10.2013

 

 

 

 
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