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Donnerstag, 23. Mai 2019
Kreis will erst mal Bestandsaufnahme
Mittwoch, den 16. Oktober 2013 um 17:19 Uhr

Das Gelände der ehemaligen Firma Günter Ruhr sieht gespenstisch aus. Die Frage nach den Besitzverhältnissen gestaltet sich schwierig, da die Nachkommen des Besitzers ihr Erbe nicht annehmen wollen. 

Nettersheim-Buir. Während es in den vergangenen Wochen vor allem Gotcha-Spieler waren, die sich in der alten Fabrikruine der Günter Ruhr KG tummelten, ist durch die Berichterstattung der vergangenen Woche das Interesse der Behörden an der aufgelassenen Anlage erwacht. Politiker der Grünen und Vertreter des BUND hatten am Donnerstag auf das frei zugängliche Gebäude aufmerksam gemacht und auf die Gefahren hingewiesen.

Behälter mit Totenkopfzeichen

Chemikalienbehälter mit Totenkopfzeichen sind dort genauso zu finden wie Schüsseln mit weißlichem Puder. In den Tanks sind Restbestände der Teeröle, mit denen hier bis in die 90er-Jahre hinein Holz kesseldruckimprägniert wurde. Laut Aussage von Achim Blindert, als Geschäftsbereichsleiter beim Kreis zuständig für Umweltangelegenheiten, sind die vorliegenden Altlasten bereits vor 20 Jahren katalogisiert worden. „Wir prüfen regelmäßig, dass die umliegenden Gewässer nicht verschmutzt sind“, teilte Blindert mit. Bei dem vorgefundenen Pulver handele es sich um Kristallsoda, das als leicht gewässergefährdend eingestuft werde. Die Gefahr einer Gewässerverschmutzung sei als gering angesehen worden, da der Boden versiegelt sei und die Tanks auch unter einem Dach stünden. „Aus unserer Sicht besteht kein akuter Handlungsbedarf“ sagte Blindert weiter. Wichtig sei, dass das Gebäude gesichert sei. Bereits am Freitag sei der Kreisbauhof Schleiden vor Ort gewesen, um die offenen Zugänge zu verschließen.

Besonders schwierig stellt sich derzeit die Frage der Besitzverhältnisse dar. Nach Auskunft des Kreises Euskirchen ist das Gelände bislang noch herrenlos. Wenn, wie es in diesem Fall geschehen ist, Nachkommen des letzten Besitzers, des verstorbenen Wilhelm Groß, nicht bereit sind, das Erbe anzutreten, erklärt das zuständige Nachlassgericht, dass der Staat das Eigentum übernimmt, eine sogenannte Fiskalerbschaft.

Bislang ist dies aber noch nicht geschehen. Zuständig ist das Amtsgericht Schleiden in Gemünd, das sich auch mit der Angelegenheit befasst hat. „Im Jahr 2008 ist eine Nachlasspflege eingerichtet worden, die im Jahr 2010 wieder aufgehoben wurde“, teilte Amtsgerichtsdirektor Reinhard Schaffer auf Anfrage mit. Wer nach dem Verfahren als Eigentümer festgestellt wurde, wollte er der Presse nicht mitteilen.

Laut Blindert ist die Gemeinde Nettersheim für die Ermittlung des Eigentümers zuständig. In den nächsten Wochen wird der Kreis Euskirchen erst einmal eine Bestandsaufnahme vor Ort durchführen. „Bisher hat nur eine Ad-Hoc-Sicherung stattgefunden“, sagte er. Mit den Fachbehörden soll konkret festgestellt werden, was für die Entsorgung notwendig ist.

Zur Debatte steht noch, wie in Zukunft mit der Ruine umgegangen wird. Zumindest die Außenbereiche sind als Ausgleichsflächen für den Weiterbau der A1 vorgesehen.

Allerdings bezieht sich die Rekultivierung der Altlast nicht auf die Fabrikgebäude, wie Straßen.NRW, der landeseigene Straßenbaubetrieb, erklärte. Für Achim Blindert ist dies ein Kritikpunkt: „Der Kreis hat in seine Stellungnahme zur Planfeststellung auch einfließen lassen, dass die Gebäude mit der Fläche zusammen rekultiviert werden soll.“


Kölner Stadtanzeiger vom 16.10.2013 - Von Stephan Everling

 

 
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