UNA Nettersheim

Donnerstag, 23. Mai 2019
Giftfässer in der Industrieruine
Sonntag, den 13. Oktober 2013 um 12:06 Uhr

Buir. Eine bereits seit Langem langsam verrottende Industrieruine bei Buir sorgt derzeit für gewaltigen Ärger, in den Land NRW, Kreis Euskirchen und die Gemeinde Nettersheim involviert sind.

Massive Vorwürfe gegen die Gemeinde waren bei einem Pressetermin zu hören, zu dem der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) nach Buir geladen hatte. Denn im Tal des Wolfsiefen befindet sich eine Industrieruine, die ihresgleichen sucht. Nach dem Konkurs der Firma Wilhelm Groß, die dort einen Holzimprägnierbetrieb hatte, verfallen die Firmenhallen. Das Gelände war noch beim Pressetermin völlig unzureichend gesichert, volle und halbvolle Fässer mit giftigen Imprägnierflüssigkeiten stehen im Gebäude herum. Auf einigen Tonnen prangt ein Totenkopf.

Mitten im Wald im Landschaftsschutzgebiet wird das Gelände von den unterschiedlichsten Gruppen als „Abenteuerspielplatz“ missbraucht. Paintballschießer, Motocross-Rennen und Brems- und Schleuderübungen wurden dort unter anderem veranstaltet. Hans Christian Merkert, umweltpolitischer Sprecher der Grünen-Landtags-Fraktion und Jurist, sagte vor Ort: „Diese Bauruine irritiert schon etwas.“ Die Immobilie sei nicht vor unbefugtem Zugang gesichert, sagte er am Donnerstag. „Es gibt Öffnungen und Schächte, in die Kinder und Jugendliche hineinfallen können.“ Man finde Abfälle, die dort nicht hingehörten. Merkert: „Unmittelbares Handeln ist geboten.“ Die öffentliche Sicherheit sei gefährdet.

Merkert forderte, als erstes müsse das Gelände gesichert werden. Bürgermeister Wilfried Pracht müsse dieses sicherstellen. In einem zweiten Schritt sei zu überprüfen, ob es durch die Imprägniermittel zu Schadstoffeinträgen gekommen sei. Außerdem müsse geklärt werden, wie langfristig mit dem Gelände zu verfahren sei. Dieses sei rückzubauen. Volker Hoffmann vom BUND fordert sogar einen sofortigen Abriss des Gebäudes und eine Sanierung des Geländes. Franz-Josef Hilger, Fraktionschef der Nettersheimer Una, erklärte, er werde das Thema umgehend auf die Tagesordnung des nächsten Forstausschusses setzen. Hilger: „Wir haben das Problem hin und wieder angesprochen, die Antworten waren unbefriedigend.“ Nettersheim sei einmal Bundeshauptstadt für Natur- und Umweltschutz gewesen, derzeit sei man Hauptstadt der Biodiversität. Dazu passe ein solches Gelände natürlich überhaupt nicht.

Bürgermeister war ungehalten

Bürgermeister Wilfried Pracht war gestern angesichts der Vorwürfe sehr ungehalten. Es handele sich derzeit um ein herrenloses Grundstück, sagte er. Denn die Nachkommen des verstorbenen Eigentümers haben das Erbe ausgeschlagen. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW befasse sich mit dem Terrain, das derzeit noch nicht im Eigentum des Landes sei, sagte Pracht.

Der Kreis habe ihm vor Wochen mitgeteilt, dass das Bauordnungsamt tätig geworden sei. Es habe eine Inaugenscheinname gegeben. Bauaufsichtlich ergebe sich demnach zur Zeit kein konkreter Handlungsbedarf, stehe da mit Datum vom 21. August 2013 zu lesen. „Die sind vor Ort gewesen. Hätten sie dabei eine Gefahr festgestellt, hätten sie handeln müssen“, sagt Pracht. Er werde am Montag Morgen alle Beteiligten inklusive Kreis und Landesumweltamt zu einem gemeinsamen Ortstermin bitten.

Er verstehe aber nicht, dass Kreis oder Gemeinde nicht zu dem fraglichen Pressetermin eingeladen worden seien. Es mache ihn stutzig, dass Merkert offenbar nicht daran interessiert sei, gemeinsam zu einer Lösung zu kommen. Die Vorwürfe gegen die Gemeinde seien zu Unrecht geäußert worden, das Land sei auch in der Pflicht. Man habe im übrigen geplant, die Fläche im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen für den Bau der A1 mit Erde überdecken zu lassen.

Landrat Günter Rosenke erklärte gestern Abend der Rundschau, unabhängig von Zuständigkeitsfragen müsse sofort gehandelt werden, wenn Gefahr für Leib und Leben bestehe. Der Kreisbauhof habe von sich aus bereits zwei Eingänge verschlossen.


Kölnische Rundschau vom 12.10.2013 - Von Klaus Pesch

 

 
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