UNA Nettersheim

Mittwoch, 23. Oktober 2019
Umweltschützer vermuten Gefahr
Sonntag, den 13. Oktober 2013 um 17:32 Uhr

Hinweis der UNA:

Unter http://www.ksta.de/nettersheim/industrieruine-umweltschuetzer-vermuten-gefahr, finden Sie 40 Fotos zu diesem Artikel. 

Chemikalienkanister und zerrissene Kabel – die ehemalige Firma Günter Ruhr sieht gespenstisch aus. Der Kreis und die Kommune streiten sich, wer für das Fabrikgelände zuständig ist. Währenddessen verfällt es immer weiter. 

Nettersheim-Buir.Die Szenerie ist gespenstisch: Alte Kessel, herausgerissene Kabel, tropfendes Wasser, vergessene Chemikalienkanister lassen die Ruine der früheren Firma Günter Ruhr bei Buir aussehen wie die Kulisse eines Computerspiels. Doch anders als vor dem Bildschirm ist die Luft geschwängert vom Geruch der Konservierungsmittel, mit denen hier Holz kesseldruckimprägniert wurde.

„Das ist alles hochgiftig“, sagt Volker Hoffmann. Der Vorsitzende der Kreisgruppe Euskirchen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist schockiert von den Gefahren, die seiner Ansicht nach von dem frei zugänglichen Grundstück ausgehen. Ob in den Außenbereichen, wo mehrere Gullydeckel fehlen, oder im Innenbereich, wo er in den Tanks noch umweltgefährdende Chemikalien vermutet, überall sieht er Probleme.

Motorradrennen

Auch Hans Christian Markert, umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag NRW, Anwohnerin Theresia Rolshoven, Nathalie Konias, Kreis-Sprecherin der Grünen, und der Nettersheimer UNA-Fraktionschef Franz-Josef Hilger machten sich ein Bild von der Situation. „Hier stehen manchmal 20 Autos vor dem Gebäude“, berichtet Rolshoven. Immer wieder habe sie die Behörden auf die Missstände aufmerksam gemacht. Auf dem Gelände, das im Landschaftsschutzgebiet liegt, werde Paintball gespielt, Quad- und Motorradrennen würden gefahren, Brems- und Schleuderübungen vollführt. Der Zutritt zum Gebäude ist leicht möglich. Fenster sind zerstört, Holztore aufgebrochen und Baugitter umgebogen worden.

Foto: Stephan EverlingAuch Silvia Mostert von der Johanniter-Rettungshundestaffel berichtet von ständigen Einbrüchen. Dreimal in der Woche trainieren die Hundeführer mit ihren Tieren auf dem Gelände, doch ständig würden ihre Geräte und Tische als Deckung zweckentfremdet oder zerstört. „Seit Juni ist es besonders schlimm geworden“, klagt sie. Jede Woche müssten sie aufgebrochene Türen reparieren oder Fensteröffnungen neu verschließen. „Die Polizei ist informiert und fährt auch immer wieder Streife“, sagt Mostert. Wer für die Sicherung der Anlage zuständig ist, ist strittig zwischen der Gemeinde Nettersheim und dem Kreis Euskirchen. Während Kreis-Sprecher Swen Weißer mitteilt, dass die allgemeine Gefahrenabwehr Sache der Gemeinde sei, verweist Bürgermeister Wilfried Pracht darauf, dass das Bauamt des Kreises am 21. August eine Ortsbegehung gemacht habe, ohne von Missständen zu berichten. „Wer zuerst da ist, ist zuständig“, stellt er fest.

Gefährliche Chemikalien haben die Fachleute des Kreises nicht finden können. Freitagmittag, nach der Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“, machten sich Mitarbeiter des Bauhofs des Kreises auf den Weg, um das Gelände zu sichern.

Irritiert zeigte sich Pracht, dass der Besichtigungstermin ohne Gemeinde und Kreis stattgefunden hat. „So schlimm scheint es mit der Gefahr ja nicht zu sein, wenn die Presse eingeladen wird, statt die Ordnungsbehörden zu informieren“, meint er. Auch Silvia Mostert hält die Situation nicht für dramatisch. In den Wasserbecken unter den Tanks lebten Frösche und Molche. „Die Natur holt sich das Gelände zurück“, meint sie.


Kölner Stadtanzeiger vom 12.10.2013 - Von Stephan Everling

 

 

 
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