UNA Nettersheim

Sonntag, 24. März 2019
Mobilfunker schalten Turbo ein
Montag, den 25. Oktober 2010 um 19:28 Uhr
LTE Ausbau des neuen Funk-Internets für entlegene Gemeinden kommt schnell voran

Frankfurt. Turbo-Internet per Mobilfunk in entlegenen Dörfern: An die Versteigerung neuer Mobilfunklizenzen im Mai war die Hoffnung geknüpft, auch in abgelegene Gebiete endlich schnelles Internet zu bringen. So, wie es aussieht, können die Netzbetreiber diese sogar noch früher erfüllen als erwartet: Alle drei investieren mit Hochdruck in den neuen Daten-Standard LTE und rüsten ihre Funkmasten nach - die Techniker der Konzerne fahren Sonderschichten. Innerhalb weniger Jahre wird es nach den Plänen der Mobilfunker kaum noch einen Punkt in Deutschland geben, an dem Handy- und Computernutzer nicht aufs schnelle Internet zugreifen können.

4,4 Milliarden Euro brachte im Mai die Versteigerung neuer Frequenzblöcke durch die Bundesnetzagentur ein, besonders begehrt war der Übertragungsbereich um 800 Megahertz, mit dem sehr große Flächen abgedeckt werden können. Voraussetzung für die Ersteigerung war aber das Versprechen der drei erfolgreichen Bieter Vodafone, Telekom und O2, zuerst kleinere Orte damit zu versorgen - und erst danach die lukrativen Großstädte anzuschließen. Bis 2016 muss darüber hinaus eine fast flächendeckende Abdeckung geleistet werden - das kommt vor allem ländlichen Gemeinden zugute.

Beide Ziele nehmen die drei Konzerne mit Verve in Angriff. Vodafone hat besonders viel vor: Schon bis März 2011 sollen 1500 von rund 22 000 Standorten auf den Standard LTE umgerüstet sein - das ist auch der Zeitpunkt, zu dem spätestens die ersten Verbindungsgeräte für Computer ("USB-Sticks") auf dem Markt sein sollen. Im Herbst werden dann die ersten Mobiltelefone mit dem neuen Standard für den deutschen Markt erwartet.

Kurz darauf will Vodafone schon die erste große Wegmarke nehmen: "Die weißen Flecken sollen dann bis Ende des Jahres 2011 geschlossen sein", sagte ein Sprecher dieser Zeitung. Innerhalb weniger Jahre werde Vodafone sein gesamtes Netz und damit alle Handymasten auf LTE umrüsten. Die Telekom hat vor, dieses Jahr 500 und kommendes Jahr noch einmal 1000 Standorte umzurüsten. Und auch der kleinere Konkurrent O2 will Ende 2011 von bis zu 1500 Stationen senden. Torsten Gerpott, Professor der Uni Duisburg-Essen sagt: "Die Unternehmen wollen die teuren Lizenzen nicht brachliegen lassen und erfüllen deshalb so schnell wie möglich den Auftrag zur Flächendeckung."

Damit dürfte die digitale Diaspora für die meisten bislang unversorgten Gebiete schneller enden als bislang erhofft. In vielen dünn besiedelten Landkreisen sind bislang fehlende DSL- und Funkdaten-Anbindung für Privatleute ein Ärgernis und für Firmen sogar häufig ein gravierendes Problem. Der Osten Deutschlands ist besonders betroffen: In der brandenburgischen Uckermark und Prignitz zum Beispiel sind die weißen Flecken riesig. Der neue Datenstandard soll Anfangs eine Übertragungsrate von bis zu 50 Megabit pro Sekunde erlauben, später sogar noch mehr. Das ist deutlich schneller als DSL per Leitung und erlaubt zum Beispiel die Echtzeit-Übertragung von Filmen in höchster Qualität.

Derzeit loten die Netzbetreiber noch aus, ob sie sich die Erschließung der weißen Flecken aufteilen. Laut Bundesnetzagentur sind dabei ausnahmsweise sogar Absprachen möglich - wenn auch im engen Rahmen. Alle drei betonen, dass sie offen für Gespräche seien. Doch konkrete Verhandlungen gibt es bisher kaum. Und wenn der Ausbau auf eigene Faust derart schnell weitergeführt wird, könnten sich solche Absprachen auch schnell erübrigen, heißt es in der Branche.

Kölner Stadtanzeiger vom 25.10.2010 - von Jakob Schlandt
 
mod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_counter
Copyright © 2019 UNA Nettersheim. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.