UNA Nettersheim

Donnerstag, 23. Mai 2019
Das Leben im „weißen Fleck“
Freitag, den 08. Februar 2019 um 11:45 Uhr

In Roderath behilft man sich mit alten Modems und schwankenden Hybridlösungen

Nettersheim-Roderath. Viel hat sich der Kreis Euskirchen vorgenommen, was die Beseitigung der weißen Flecken auf der DSL-Landkarte angeht. Mitte Dezember begannen die Arbeiten in Weilerswist, es folgen Euskirchen und Zülpich. Weiter südwärts, in Roderath, blicken die Bewohner noch neidisch in die Richtung. Denn sie haben kein Internet. Einige nicht einmal einen Festnetztelefonanschluss, da sie keinen Analog-Anschluss möchten. Roderath ist so etwas wie der Klassiker der Löcher im DSL-Netz.

„Ich kann mir noch nicht einmal einen neuen Fernseher kaufen“, erzählt Christian Dederichs vom Leben im weißen Fleck. Solch ein Gerät müsse sich häufig über das Internet aktualisieren, doch darüber verfügt der Ingenieur für Fahrzeugtechnik nicht. „Der Verkäufer hat das nicht geglaubt“, so Dederichs. Und wenn er das Betriebssystem auf seinem Computer aktualisieren will, muss er zu seiner Mutter nach Engelgau fahren.

Heimarbeit, Kundengespräche, Kommunikation über das Internet, dies alles ist nicht möglich, bestätigen auch der selbstständige Heizungsbauer Andreas Zingsheim, Harald Illges, Professor an der Hochschule Bonn/Rhein-Sieg, und David Mahlberg, Beamter im Bundesamt für Steuern. Fast unmöglich sei es, einen Anschluss zu bekommen, erzählen sie. „Ich habe nur einen bekommen, weil ich den von meiner verstorbenen Großmutter übernehmen konnte“, sagt Mahlberg. Nach Beschwerden bei der Bundesnetzagentur sei ihm ein analoger Anschluss ohne Internet angeboten worden, so Dederichs.

Um trotzdem so etwas wie Internet zu haben, müssen die Roderather auf alte Technik zurückgreifen. „Ich verwende noch ein altes 56k-Modem“, so Zingsheim: „Neulich war ein 19 Jahre alter Servicemitarbeiter da, der wusste nicht mal, was das für ein Gerät ist.“

Mit viel Eigeninitiative ist es in den vergangenen Jahren gelungen, fast alle Orte der Gemeinde in Nettersheim mit einem Glasfaseranschluss zu versorgen. Die Bürger von Buir, Holzmülheim und Frohngau packten gemeinsam an, um ein Leerrohr nach Buir zu legen, das unversorgt war. Marmagen wurde vom Stromversorger ene mit schnellem Internet versorgt. Doch Roderath blieb immer außen vor. „68 Haushalte sind kein Markt“, sagt Illges.

2017 bot die Telekom einigen Roderathern eine Hybridlösung an. Dabei wurde ein analoger Anschluss mit Internet über LTE, das mit einer Richtfunkantenne empfangen wurde, ergänzt. Doch auch diese Technik hatte ihre Tücken. Denn die Bandbreite der Funktechnik ist begrenzt und daher schwankend, sagt Illges.

Dabei scheint das Dasein im internetfreien Raum dem Dorfleben gar nicht mal schlecht zu bekommen. Denn die jungen Leute bleiben gerne hier. Schon vor dem verstärkten Zuzug von Flüchtlingen im Jahr 2015 war Roderath der Ort in der Gemeinde, der steigende Geburtenzahlen aufwies. „Roderath ist ein Dorf, das wächst, Leerstand gibt es nicht“, berichtet Dederichs. Unwillen erregte allerdings ein Großplakat, das im Herbst unvermittelt auf einer Wiese im Dorf stand. Darin warb die Telekom für schnelle Anschlüsse. Nach Beschwerden der Anwohner wurde die Werbetafel wieder entfernt.

Da die bisher unversorgten Haushalte mit Glasfaser bis zum Haus ausgestattet werden sollen, könnte es tatsächlich sein, dass Roderath bald eine Sonderstellung am anderen Ende der Skala erhält, überlegt Dederichs laut: Dann könnte es nämlich vom weißen Fleck zum schnellsten Internetort des Kreises werden.


Kölner Stadtanzeiger vom 07.02.2019 - Von Stephan Everling

 
mod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_countermod_vvisit_counter
Copyright © 2019 UNA Nettersheim. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.