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Dienstag, 12. November 2019
Das teure Turbo-Netz
Dienstag, den 25. September 2012 um 16:19 Uhr

 

Sie soll die mobile Internetnutzung revolutionieren: LTE, eine Technik, die das schnelle Übermitteln großer Datenmengen erlaubt — zumindest in der Theorie. In Deutschland ist die Praxis vor allen Dingen eines: teuer. 

Berlin. Die mobile Datenübertragungstechnik LTE, kurz für „Long Term Evolution“, soll das mobile Internet revolutionieren: Ohne W-Lan können datenintensive Musik-Streamingdienste wie Spotify problemlos auf Smartphone oder Tablet genutzt werden – ebenso wie Apps, die Bundesliga-Spiele in hochauflösender Qualität zeigen. LTE überträgt Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 MBit/s – sechsmal schneller als ein Standard-DSL-Anschluss, der es auf 16 MBit/s bringt.

Telekom, Vodafone und O2 rüsten ihre Netze derzeit unter Hochdruck mit dem Turbo-Standard auf – und zumindest Telekom und Vodafone können nach einem Test der Fachzeitschrift „Chip“ bereits eine umfassende Netzabdeckung vorweisen.

Zugleich wird LTE zum Standard der High-End-Smartphones: Mehrere Android-LTE-Geräte sind bereits auf dem Markt, auch das Samsung Galaxy S3 gibt es in Kürze in einer LTE-Version. Den Durchbruch für die Technik soll Apples neues iPhone 5 bringen, das erstmals die LTE-Technik beherrscht. Doch dabei gibt es eine gewaltige Einschränkung: Das iPhone kann nur das LTE-Netz der Deutschen Telekom nutzen. 

LTE ist nämlich nicht gleich LTE. In Deutschland wird auf drei Frequenzen gefunkt: 800 MHz, 1800 MHz und 2600 MHz. Während das Galaxy S3 auf allen LTE-Frequenzen funkt, beherrscht das iPhone zum Ärger von Vodafone und O2 nur die 1800-MHz-Frequenz. Ausgerechnet jene Frequenz, die bislang nur die Deutsche Telekom ausgebaut hat. Sie kann nun damit werben, dass das iPhone „exklusiv“ bei ihr die LTE-Geschwindigkeit von bis zu 100 MBit/s erreicht.

Dies funktioniert allerdings bislang nur in 61 Städten – auf dem Land dagegen wird das neue iPhone nicht schneller werden als das alte. Der Grund: Die 1800-MHz-Frequenz erreicht zwar eine hohe Datengeschwindigkeit, verfügt aber nur über eine kurze Reichweite und wird daher nur in den Städten genutzt.

Auf dem Land setzen dagegen alle Mobilfunkanbieter auf die 800-MHz-Frequenz, die in Deutschland am weitesten verbreitet ist. Mit ihr können mit wenigen Basisstationen große Flächen versorgt werden. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 MBit/s ist sie immer noch etwa dreimal so schnell wie ein Standard-DSL-Anschluss. Zumindest in der Theorie.

In der Praxis werden diese Spitzengeschwindigkeiten dagegen nur in Ausnahmefällen erreicht. Sie sind stark abhängig vom Standort der Funkmasten – sowie der Anzahl der Nutzer, die sich die Bandbreite einer Basisstation teilen. Nutzer des Highspeed-Internets werden allerdings schnell auf eine noch weit bedeutsamere Einschränkung stoßen: die Datentarife der Mobilfunkanbieter. 

Auch wenn die Netzbetreiber mit „Flatrates“ werben, gilt dies nur für die meist als „Highspeedvolumen“ bezeichneten Datenmengen, die im Tarif erworben werden. Und die sind in den kostengünstigeren Tarifen so stark begrenzt, dass die LTE-Option genau dort ihren Sinn verliert, wo sie ihren größten Vorzug bietet: bei datenintensiven Anwendungen, etwa der Übertragung von Videos.

Wer bei der Telekom etwa das iPhone mit LTE-Geschwindigkeit nutzen will, kann in der kostengünstigsten Variante für 49,90 Euro im Monat den Tarif „Complete Mobile S“ und die LTE-Option buchen. Doch das Datenvolumen für die LTE-Geschwindigkeit beträgt dann nur 600 Megabyte. Das kann unter Umständen nicht einmal für das Ansehen eines einzigen Spielfilmes reichen, der schnell 1 GB Datenverkehr verursacht. Bei Vodafone kostet der günstigste LTE-Tarif 54,99 Euro, hier gibt es monatlich nur ein Datenvolumen von 1 GB.

Ist dieses überschritten, so drosseln die Anbieter auf langsame 64 kbit/s herunter. „Das reicht für E-Mails, aber selbst das Aufrufen von Internetseiten wird dann zur Geduldsprobe“, sagt Michael Wolf von der Stiftung Warentest. Der Abruf von Youtube-Videos? „Praktisch unmöglich.“

Ein Preisverfall ist nicht zu erwarten

Hinter der strikten Begrenzung des Datentransfers steht die Strategie der Mobilfunkanbieter, die LTE-Einführung zu nutzen, um hohe Tarife durchzusetzen. „Für die Mobilfunkanbieter ist die LTE-Einführung die erste Chance seit langem, die Mobilfunkpreise zu erhöhen“, sagt Analyst Jacques Abramowicz von Silvia Quandt Research. „Die 20-Euro-Flatrate, für die es alles gibt, soll nicht auf LTE übertragen werden.“

Die neue Logik laute dagegen: „Wer eine höhere Geschwindigkeit und ein höheres Datenvolumen will, wird künftig auch mehr zahlen müssen.“ Bei Vodafone können Nutzer etwa für 9,99 Euro ein Volumen von 1 GB zusätzlich hinzubuchen, wenn sie ihr Anfangsbudget aufgebraucht haben. Bei der Telekom kann für knapp fünf Euro das im Tarif enthaltene Datenvolumen erneut freigeschaltet werden. Die Stiftung-Warentest rät Verbrauchern angesichts der teuren Tarife daher, noch mit dem Umstieg zu warten.

Zu einem Preisverfall wird es so schnell aber wohl nicht kommen: „Die Anbieter werden alles tun, um das zu vermeiden“, sagt Analyst Abramowicz. Die Chancen stehen gut, dass ihnen das gelingt: Der Anbieter E-Plus, der bisher mit einer Dumping-Strategie die anderen Betreiber immer wieder zu Preisreduktionen zwang, hat mit dem Aufbau des LTE-Netzes noch nicht einmal begonnen. 


Kölner Stadtanzeiger vom 23.09. 2012 -  Von Jonas Rest

 

 
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