UNA Nettersheim

Mittwoch, 20. November 2019
Wer kann sich den Wald noch leisten?
Donnerstag, den 16. Juli 2009 um 18:34 Uhr

Nettersheim hat Geld, Mechernich nicht

Der Kreis ist allenfalls bereit, den Städten und Gemeinden ein Darlehen zu gewähren.

Kreis Euskirchen - Aus seiner Enttäuschung machte der Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick keinen Hehl. Erst in der vergangenen Woche hatte er in einem Schreiben an Landrat Günter Rosenke noch einmal darum gebeten, der Kreis Euskirchen möge doch einen Teil der zum Verkauf stehenden landeseigenen Waldflächen erwerben und in sein Eigentum übernehmen. Dabei handelt es sich konkret um rund 600 Hektar an Naturschutzflächen. Der Kreistag entschied am Dienstagabend in einer Sondersitzung aber anders.
Der Kreis Euskirchen wird keinen Quadratmeter des Staatswaldes, den das Land an die Bofrost-Stiftung verkaufen möchte, übernehmen. Die Mitglieder des Kreistages wichen damit nicht von ihrer bisherigen Linie ab. Der Kreistag beschloss aber, den vier Kommunen, auf deren Gebiet die wertvollen Naturschutzflächen liegen, Darlehen zu gewähren und für sie vom Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. Ein netter Zug, aber nicht weitreichend genug - "wir hätten da schon mehr Entgegenkommen erwartet", meinte Bürgermeister Schick. Der Kreis habe "Geld aus der Deponie-Rücklage da liegen, wir nicht".

Damit sei die Sache für Mechernich wohl gestorben, vermutet Schick. Er wolle der Politik nicht vorgreifen, könne aber aufgrund der finanziellen Lage der Stadt den Ankauf des 200 Hektar großen Weyerer Waldes nicht empfehlen. Dabei handelt es sich laut Bürgermeister bei dieser Fläche um "etwas ganz Besonderes": Buchen auf Kalk - ein Pendant zum Nationalpark und von großem Artenreichtum. Im Zingsheimer Rathaus hatten die Ratsmitglieder schon im Januar dieses Jahres ihre Marschrichtung festgelegt: Sie beschlossen, ohne Wenn und Aber die Naturschutzflächen auf Nettersheimer Gebiet ins Eigentum der Gemeinde zu bringen. Neben Mechernich und Nettersheim sind auch Blankenheim und Kall betroffen; auch dort soll Staatsforst veräußert werden.

Finanzieren wolle die Kommune den Kauf aus dem laufenden Haushalt, teilte Nettersheims CDU-Fraktionschef Johannes Esser auf Nachfrage mit. "Wir können es uns leisten." Erst recht, wenn man neben einer errechneten Rendite aus dem Wald von drei Prozent den möglichen touristischen Nutzen im Blick habe. Er, Esser, sprach von einem Gesamtkonzept aus jüngst entdeckter römischer Kleinstadt im Urfttal und alter Römerstraße, die durch die zum Verkauf stehenden Wälder führt.

Negatives Beispiel

Schon aus diesem Grund müsse der Wald zugänglich bleiben, so der CDU-Mann - und er wisse, wovon er rede. Die Gemeinde Nettersheim habe "Probleme mit einem Besitzer von Privatwald, der für uns derzeit nicht mehr zugänglich ist". Das dürfe mit einer wertvollen Waldfläche wie der zwischen Marmagener Eifelhöhen-Klinik und Nettersheimer Rosenthal nicht passieren.

In Blankenheim soll am 10. August eine Sondersitzung des Rates zum Thema "Waldkauf" stattfinden - Ergebnis: völlig offen. Auch innerhalb der Blankenheimer UWV herrscht noch Abstimmungsbedarf. Deren Mitglied Thomas Pick, zugleich Kreistagsabgeordneter, war der Einzige, der im Kreistag gegen den jüngsten Beschluss zum Wald votierte. "Ich kann die Ablehnung nicht nachvollziehen", meinte Pick gestern. In vielen anderen Fällen sei doch auch die solidarische Finanzierung an der Tagesordnung. Beim Thema "Jugendhilfe" etwa frage er auch nicht, ob es die meisten Fälle in Blankenheim oder in Euskirchen gebe.

VON GÜNTER ZUMBÉ  -  Kölner Stadtanzeiger 16.07.2009
 
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